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	<title>renegaten &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "renegaten"</description>
	<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 10:55:45 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Wer ist zur Elchkritik befugt?]]></title>
<link>http://ingoway.wordpress.com/2007/12/22/wer-ist-zur-elchkritik-befugt/</link>
<pubDate>Fri, 21 Dec 2007 23:26:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Ingo Way</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nicht von F.K. Waechter stammt übrigens der berühmte Zweizeiler &#8220;Die schärfsten Kritiker de]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht von F.K. Waechter stammt übrigens der berühmte Zweizeiler "Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche". Aber auch nicht von Robert Gernhardt. Sondern von F.W. Bernstein, dem letzten Überlebenden der Trias. <a href="http://www.echolog.de/elchkritik/die_kritiker_der_elche.shtml">Hier</a> erzählt er, wie es dazu kam. (Nicht, daß er bis heute überlebte, sondern wie das Elchbonmot aus der Taufe gehoben ward.) Die dazugehörige Zeichnung wiederum stammt von Hans Traxler.</p>
<p><a href="http://ingoway.wordpress.com/files/2007/12/elchkritiker2.gif" title="elchkritiker2.gif"><img src="http://ingoway.wordpress.com/files/2007/12/elchkritiker2.gif" alt="elchkritiker2.gif" /></a></p>
<p>Mir scheint, daß die Rezeption des Elchgedichts durchgehend von einem fundamentalen Mißverständnis geprägt ist. Vergleichbar der Fehldeutung jenes berühmten Cartoons von Hans Traxler<!--more-->, auf der ein Lehrer zu den versammelten Tieren spricht: <i>"Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum"</i>.</p>
<p><font size="-1"></font><a href="http://ingoway.wordpress.com/files/2007/12/traxler.png" title="traxler.png"><img src="http://ingoway.wordpress.com/files/2007/12/traxler.png" alt="traxler.png" /></a></p>
<p>Vermutet wird nämlich stets, Traxler nähme hier mit spitzer Feder die Diskriminierung von Schwachen, Behinderten, Andersbegabten etc. aber so was von aufs Korn, daß einem das Lachen im Halse steckenbleibt usw. Nichts weniger als dieses. In den achtziger Jahren blickte Traxler - ich glaube, in der Titanic, finde die Quelle gerade nicht - auf die Rezeptionsgeschichte seiner wohl populärsten Zeichnung zurück. Vor allem in Publikationen der GEW u.ä. sei sie immer wieder nachgedruckt worden, wenn es darum ging, den kapitalistischen Leistungsterror anzuprangern, der den zarten Schülerseelen den Mut zum Träumen austreibt u. dgl.</p>
<p>Traxler hingegen bezeichnete in jenem Titanic-Beitrag seinen Cartoon nicht ohne einen gewissen Stolz als "das reaktionärste, was ich jemals gezeichnet habe". In einer Art anti-egalitärer Aufwallung wollte sich Traxler vielmehr über die gerade an Schulen verbreitete sozialdemokratische Gleichmacherei lustig machen (man schrieb die siebziger Jahre), die jeden Einzelnen über den Leisten standardisierter Prüfungsaufgaben schlägt und jeglicher Individualität, Hochbegabung gar oder - horribile dictu - Freude an überdurchschnittlicher Leistung zutiefst mißtraut.</p>
<p>Doch der Künstler kann nicht kontrollieren, was mit seinem Werk passiert. Und da sind wir bei den Elchen. Hervorgekramt wird der Spruch über die Kritiker der Elche, die früher selber welche waren, zumeist dann (auch wenn der, der ihn im Munde führt, nicht so genau weiß, woher der hübsche Zweizeiler stammt), wenn es darum geht, Hohn, ja Häme über solche auszuschütten, die man als <i>Konvertiten, Renegaten, Aussteiger</i> zureichend beschrieben zu haben meint. Also solche, die einmal links waren, später dann aber nicht mehr. Oder die sich vom Islam, von Scientology, vom Katholizismus, vom Donaldismus losgesagt haben und nun dem staunenden Publikum berichten, was sie dort erlebt haben und wie sie, die Elche, so ticken.</p>
<p>Zitiert wird das Elchwort dann mit der Intention: Die Elchkritiker, die früher selber Elche waren, sollen mal lieber ihren Mund halten. Denn weil sie selber Elche waren, können sie die Elche gar nicht <i>objektiv</i> kritisieren, sind sie doch derart traumatisiert und infolgedessen affektgeladen, daß ihre Darstellung der Elche notwendig verzerrt wird. Die Psyche des Elchkritikers wird zum Thema erhoben, nicht, was er über die Elche womöglich Wissenswertes zu erzählen weiß. Verharrt er, der Ex-Elch, nicht, in seinem elchkritischen Furor, nach wie vor in vollendeter Elchhaftigkeit, die man, wie dieser, abzulehnen vorgibt?</p>
<p>Dabei ließe sich das Elchcouplet durchaus auch so lesen: Die <i>besten</i> Kritiker der Elche / waren früher selber welche. Denn welche Kritik könnte besser sein als jene, die ihren Gegenstand aus eigenem Erleben genau kennt? Eine Kritik, die sich mit Sprache, Denkweise, Habitus und Mentalität der Elche, indem sie sich ihr einst anverwandelte, so vertraut gemacht hat, daß sie das denkbar getreueste Elchbild zu liefern imstande ist.</p>
<p>So weiß der Ex-Elch mehr über die Elche als der Noch-nie-Elch. Dieser sagt beim Anblick der Elche vielleicht: "Aber ich kenne ein paar Elche, die sind ganz nett" oder "Elche sind zwar schlimm, aber Elchkritiker sind auch nicht viel besser. Eher noch schlimmer" oder "Ich mag die Elche auch nicht, aber man kann das Elchtum nicht verbieten, und wenn ich's recht bedenke, sind mit die Elche sogar noch sympathischer als die antielchischen Ex-Elche mit ihrem nervigen Beharren auf Elch-Distanz". Und während der ex-elchische Elchkritiker noch sagt: "Aber schau, unter ihren seriösen Mänteln und ihren schicken Hüten tragen sie noch immer ihre alten Hörner, und wenn sie die Gelegenheit kriegen, werden sie sie auch benutzen. Ich weiß das, ich trug auch mal solche", berät der Noch-nie-Elch schon mit den Elchen über die Formen zukünftiger fruchtbarer Zusammenarbeit.</p>
<p>Und der Elchkritiker kann nur grübeln, was den Kritiker der Elchkritik antreibt: "Die Beschwichtiger der Elche / wärn gern heimlich selber welche"? Oder sie haben ganz einfach keine Lust, sich gegen das Ohnehinnige zu stemmen.</p>
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