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	<title>nuehmsches-verwirrtheitssyndrom &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/nuehmsches-verwirrtheitssyndrom/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "nuehmsches-verwirrtheitssyndrom"</description>
	<pubDate>Sun, 12 Oct 2008 11:57:03 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Krankmeldung]]></title>
<link>http://annanuehm.wordpress.com/2008/01/18/krankmeldung/</link>
<pubDate>Fri, 18 Jan 2008 13:13:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anna Nuehm</dc:creator>
<guid>http://annanuehm.de.wordpress.com/2008/01/18/krankmeldung/</guid>
<description><![CDATA[Ich schreibe diese Zeilen in völlig ungewohnter geistiger Umnachtung, das heißt, nicht ganz so ung]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich schreibe diese Zeilen in völlig ungewohnter geistiger Umnachtung, das heißt, nicht ganz so ungewohnt, aber anders als sonst, denn ich bin krank.<br />
Die ganze Woche schon. Außerdem voll im Stress. Aber mehr noch so krank.</p>
<p>Sogar so krank, dass ich fast freiwillig einen Arzt aufsuchte, was ungefähr so häufig vorkommt wie eine Sonnenfinsternis, nein, nicht so ganz zutreffend, eher so häufig wie das Eintreffen einer Sonnenfinsternis, einer Mondfinsternis mit integrierter Mondlandung und Spaziergang des Bordhundes auf dem Mond, einem Meteoriteneinschlag mit Kometenschweif und dem Auftauchen einer neuen Galaxie gleichzeitig.<br />
Ich ging also zum Arzt, was eine so schöne Grenzerfahrung war, dass ich sie jederzeit gerne wiederholen würde, so in 20 Jahren, vielleicht auch eher in 30, so genau kann ich mich jetzt nicht festlegen, auf jeden Fall wollte ich immer schon über Glasscherben und glühende Kohlen laufen, und das kam dem Ganzen schon ziemlich nahe.<br />
Zwischenzeitlich dachte ich beim Arzt, dass ich träume, dass ich Visionen habe, neben denen Nostradamus vor Neid erblassen würde, dass ich Kafka heiße und es wunderschön wäre, ein Käfer zu sein, dass ich im Internet bin oder alles zusammen. Warum?</p>
<p>Der Arzt verfügt nicht nur über ein Arsenal von 12 schlechtgelaunten, psychopathischen Arzthelferinnen mit weitreichender Erfahrung in allen Foltertechniken der Welt, angefangen mit eisigem Ignorieren bis zur Frostbeulenentstehung, über cholerischem Anschreien mit Trommelfellkollaps, dem Ausüben der mit kalten Blicken zu Boden Schleuderung, die weltweit nur von wenigen Experten beherrscht wird, bis hin zum unmotivierten Abzapfen von Hektolitern meines kostbaren Blutes, und darüber hinaus über ein unüberschaubares Labyrinth von geschätzten 450 Zimmern.<br />
Diese dienen allein der Patientenverwirrung, dem Schüren von Panikzuständen bis zur Massenhysterie, wobei ich mich gerade nicht so entscheiden kann, ob ich die Frankensteinschen Helferinnen meine oder die Zimmerfluchten, aber daran kann man erkennen wie krankheitsbedingt konfus ich bin. Außerdem wünsche ich mir gerade, dass sich dieser Zustand der Verwirrung auf Sie überträgt, natürlich aus reiner Menschenfreundlichkeit, denn wann hat man schon mal die Gelegenheit an solchen Nahetoderlebnissen teilzunehmen, ohne dabei selbst in Lebensgefahr zu geraten? Also nutzen Sie die Gunst der Stunde und tauchen Sie tief ein in die dunkle Welt der modernen Arztpraxis.</p>
<p>Ich war also, nach dem erfolgreichen Umschiffen der Helferinnenphalanx „NUEHM, WO IST IHR KRANKENKÄRTCHEN? WO IST IHR BLUT? HABEN SIE KEIN BLUT DABEI? DANN MÜSSEN SIE SOFORT DIE PRAXIS VERLASSEN!!!“ in - wenn auch fiebergeschüttelter - aber gewohnter Nonchalance „Ich habe mehr Blut, als Sie verkraften können!“, endlich im ersten Wartezimmer angekommen und starrte dort in die dunklen Gänge der sich nach allen Richtungen verzweigenden restlichen 175 Wartezimmer und Zimmerfluchten. „Aha“, dachte ich so vor mich hin, „das ist also der Westflügel, ich muss jetzt also nur noch die 243 Zimmer des Ostflügels passieren und schon bin ich dran. Das kann ja heiter werden.“</p>
<p>Zwischendurch hetzte ein mir unbekannter Mann erschöpften Aussehens wie ein Zombie durch die Durchgangsstraße und rief „Herr Müller in die 47, Frau Schulz in die 32, Meier in die 0815, Nuehm in die 18 und Schmitz in die 47.11.“<br />
Kaum sieben Stunden später hatte ich bereits die Zimmer 18, 34, 36, 111 und die 19 durchlaufen, wobei ich in der 34 das mumifizierte Skelett eines Unbekannten feierlich bestattete und in der 111 ein römisches Hünengrab entdeckte, da stand er auf einmal vor mir, der Zombie und mich überkam die dunkle Ahnung: „Das muss der Arzt sein!“<br />
Wie von Furien gehetzt, tja, man sucht sich sein Personal halt selber aus, und ich persönlich hätte diese explosive Mischung aus Medusa und Gozilla halt nicht eingestellt, kam er ins Zimmer gerannt, warf die Tür ins Schloss, drehte hysterisch den Schlüssel dreimal um und schluchzte „Lasst mich doch alle in Ruhe mit eurem Scheiß!“, dann brach er weinend vor meinen Füßen zusammen und während ich ihn auf die Liege bettete, schluchzte er herzzerreißend: „Ich kann nicht mehr, wo bin ich, wer bin ich, in welchem Zimmer bin ich, was für ein Tag ist heute.“<br />
Ich diagnostizierte ein Nuehm’sches Verwirrtheitssyndrom 3. Grades, einhergehend mit psychischen Verdunkelungszuständen 5. Grades und sprach zum ihm, während ich seine Hand hielt.<br />
„Haben Sie das öfter? Tut Ihnen etwas weh?“, dann tippte ich seine Beschwerden in den Computer ein, das Rezept erschien und aus dem Schrank entnahm ich einige unverkäufliche Musterexemplare, die ich ihm überreichte. „So, abgesehen davon brauchen Sie Ruhe. Sie schlafen jetzt mal ne Runde und ich übernehme den Laden hier.“<br />
Ich deckte ihn mit einer zufällig herumliegenden, braunbeige karierten Pferdedecke zu und machte mich an die Arbeit, natürlich auf Inlineskatern, ansonsten wären diese wahnwitzigen Entfernungen ja gar nicht zu schaffen. 30 Minuten später waren alle 136 Patienten versorgt und die Helferinnen in einem durch einen Elektrozaun mit Selbstschussanlage gesicherten Zimmer untergebracht.<br />
Ich kehrte zum friedlich schlummernden Arzt zurück, der im Schlaf leise „Mama“ flüsterte und betrachtete ihn versonnen und mit leicht nostalgischen Anwandlungen. Dann fuhr ich nach Hause, wo mir wieder einfiel:<br />
Ich bin ja krank!<br />
Aber diese Erkenntnis kam natürlich wie immer zu spät! Deshalb müssen Sie die nächsten Tage hier ohne mich auskommen. Ich weiß, das ist schwierig, aber Sie schaffen das schon!<br />
Bis bald in alter Frische.<br />
Leicht röchelnd,<br />
Nuehm<br />
Ps: Bevor sich alle Sorgen machen: Ist nur ne klitzekleine Erkältung.. Nicht der Rede wert...</p>
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