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	<title>nostalgie-pur &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "nostalgie-pur"</description>
	<pubDate>Sat, 26 Jul 2008 13:48:34 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Halleluja, der Städtezyklus geht weiter: Die Stadt und der Weihnachtsmarkt oder Aachen and the Christmas Market]]></title>
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<pubDate>Sun, 25 Nov 2007 21:38:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anna Nuehm</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Weihnachtsmarkt der Stadt, in der ich lebe, ist über die Landesgrenzen, ich würde sogar behaup]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Der Weihnachtsmarkt der Stadt, in der ich lebe, ist über die Landesgrenzen, ich würde sogar behaupten übernational, wenn nicht sogar überkontinental, wenn nicht sogar überirdisch bekannt.<br />
Seit gestern ist es mal wieder so weit, das Verhängnis nimmt für die nächsten vier Wochen seinen bezaubernden Lauf…</p>
<p>Der Weihnachtsmarkt der schönen Stadt Aachen bildet neben dem Printenverkauf und dem Busfahren die Haupteinnahmequelle für die Aachener Bevölkerung. Darum ist er von immenser Wichtigkeit und nichts darf während seines Ablaufes schief gehen.<br />
Er findet in den schönsten drei Straßen Aachens statt, in der Altstadt, direkt neben dem Dom, und ist somit eingeschlossen vom <a href="http://annanuehm.wordpress.com/2007/08/20/die-stadt-in-der-ich-lebe-1/">berühmten Krönungsstuhl Kaiser Karls</a>, der <a href="http://annanuehm.wordpress.com/2007/09/06/die-stadt-der-mull-und-die-printen-3/">heiligen Urprinte</a> und Milliarden von Bussen, die dem Ereignis huldvoll lächelnd beiwohnen.<br />
Extra dafür werden diese drei Prachtstraßen Aachens großräumig abgesperrt, auch damit sich die Besucher aus aller Herren Länder nicht in der Stadt verirren oder <a href="http://annanuehm.wordpress.com/2007/08/28/rom-aachen-und-die-welt-2/">Opfer der brutalen Busfahrer werden</a>, womit der gute Ruf der Stadt vollends ruiniert wäre, würde dies außerhalb der Stadt bekannt werden.<br />
Tja, und deshalb ist zu Zeiten des Weihnachtsmarktes ganz Aachen eine riesige No go-Area, was auf deutsch heißt: Sie dürfen nicht einfach so dahin gehen, wo Sie so wollen, sondern Sie sollen da bleiben, wo Sie hingehören, denn es ist auch zu Ihrem Besten.<br />
Kurzum: Die fremdländischen Besucher sollten das Areal des Marktes auf keinen Fall verlassen und der Durchschnittsaachener kommt niemals hinein, wovon die Besucher aber keine Ahnung haben. Ein ausgeklügeltes System der gegenseitigen Abschirmung zum beiderseitigen Wohl aller Beteiligten, wie es im Kalten Krieg auch schon erfolgreich praktiziert wurde, und es hat sich damals ja bewährt.<br />
Da der Markt aber ohne die Aachener selbst ziemlich ausgestorben wäre, und das den Besuchern sehr schnell auffallen würde, werden speziell zu Scheinzwecken Aachener ausgewählt, besser gesagt, gecastet. In einem strengen Auswahlverfahren, in dem gutes Aussehen, geschliffene Sprache, exzellentes Benehmen und außerirdische Diplomatie getestet werden, kommt es jedes Jahr zur Auswahl einiger sehr weniger Menschen, die sich dann als „typische Uraachener“ dekorativ unters anreisende Volk mischen dürfen und sozusagen das fleischgewordene Lokalkolorit abgeben.<br />
Ich habe auch einmal an so einem Casting teilgenommen, bin aber gleich in der ersten Runde ausgeschieden, ich nehme an, es lag an der Sprache, also am Aussehen lag es nicht! Man sagte mir auch, mein saarländischer Akzent hätte mich so früh aus dem Rennen geworfen, aber ich vermute, der Satz „Printen sind nur was für Pferde und dann auch nur, wenn sie eh schon tot sind, sonst wäre es Tierquälerei“, mein eigens für diesen Tag ausgedachter Werbeslogan, der zwei in Aachen sehr geliebte Heiligtümer kunstvoll miteinander verbinden sollte, wurde – mal wieder! – falsch verstanden. Ich sage da nur, der Prophet und so weiter. Den Rest denken Sie sich einfach!</p>
<p>Zurück zum Weihnachtsmarkt: Wenn dann die Besucher aus den Milliarden Bussen auf den weihnachtlich dekorierten Markt strömen und in das strengstens abgeschirmte Territorium gehen, dann fliegt in regelmäßigen Abständen ein Rettungshubschrauber über dieses Gebiet, nein, nicht um die Menschen zu befreien, wie ich es die ersten zehn Jahre meines Aufenthalts fälschlicherweise dachte, sondern um Säcke voll Kunstschnee über der tobenden Menge auszukippen. Das lieben die Besucher wie verrückt und sie schwärmen davon noch ihren Enkelkindern vor: „Imagine when Grandma and me were on the .. blablabla.. nearly been killed by a marvellous.. exciting…avalanche…wonderful!“</p>
<p>Kaum setzen also die Touristen den ersten Fuß auf die riesige unter dem Pflaster verborgene Rolltreppe, die ein zu langes Verweilen und Personenverkehrsstau verhindert, werden sie durch die Gassen mit der typischen weihnachtlichen Kitschparade geschleust, aber sie wollen es ja nicht anders haben. Denen kann man dann auch nicht mehr helfen.<br />
A propos helfen: Ja, es gab die ersten Jahre kleinere Unfälle mit der Rolltreppe, aber mittlerweile ist das Problem gelöst <strike>bzw. werden die Verunfallten so schnell weggeschafft, dass keiner sich mehr belästigt fühlt.</strike> [Edit: Letzter Satz wegen unweihnachtlicher Brutalität gestrichen.]<br />
Manchmal kommt es aber auch zu Entgleisungen, wenn zum Beispiel Besucher eigenmächtig, unerlaubt und ungehörigerweise das Areal verlassen und sich dann in der Aachener Bronx verlaufen, die nur 1,5 Zentimeter hinter der Absperrung lauert und das gesamte Areal umzingelt wie ein großer, schwarzer Gürtel <del dateTime="2007-11-25T21:11:48+00:00">aus dem Kleiderschrank von Lothar Matthäus.</del> [Edit: Letzter Satz wegen Themenabschweifung gestrichen.]<br />
Dann haben sie aber gewaltiges Pech gehabt, denn oft werden sie, wenn überhaupt, erst im Frühjahr gefunden und wegen der beidseitig fehlenden Sprachenkenntnisse kann dann nicht mehr eruiert werden, wo sie herstammen, was auch ganz nützlich sein kann: Denn, wer so Jemanden findet, darf ihn laut Artikel 12, §13 der immer noch gültigen Stadtverordnung aus dem 7. Jahrhundert als <strike>offiziellen Leibsklaven</strike> Haushaltshilfe behalten und dieser arme Mensch kommt dann nie mehr nach Hause, was schon schlimm ist, aber er muss dann lebenslänglich in Aachen bleiben, <strike>was noch viel schlimmer ist</strike>. So habe ich damals ja auch meinen Exfreund, aber das führt jetzt zu weit.</p>
<p>Ansonsten wimmelt, sprüht und platzt der Weihnachtsmarkt vor nostalgischen Ergüssen wie Holzmännchen aus China, schöner Discomusik aus Taiwan, Popcorn aus Hongkong, den wiederholten und schäkernden Rufen aus einem Lautsprecher "Achtung, Achtung, passen Sie auf Ihre Geldbörsen auf, es sind Taschendiebe unterwegs!" und Frittengeruch aus Belgien, so wie jeder Weihnachtsmarkt auf der Welt, aber dadurch, dass in Aachen der exquisite Printengeruch über allem liegt, wie eine große Dunstglocke, hat das Ganze noch mehr Charme und Brisanz, als man es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen könnte. Zudem stellt sich bei den Besuchern sehr schnell ein wohliges Gefühl der klaustrophobischen Enge ein, nach dem sie sofort süchtig werden und das sie jedes Jahr hierhin zurückkommen lässt, ohne dass sie so richtig wissen: Warum? Warum nur?<br />
Von daher: Kommen Sie alle zahlreich nach Aachen, aber immer schön hinter der Absperrung bleiben. Und wenn es Probleme gibt, stellen Sie sich einfach hin und schreien ganz laut: "Anna Nuehm, Hilfe!! Wo sind Sie???"<br />
Ich komm dann schon und hau' Sie raus.<br />
Das ist sicher.</p>
<p>Ihre Anna Nuehm </p>
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