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	<title>normativitat &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/normativitat/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "normativitat"</description>
	<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 03:07:18 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Maluschke*Fahrenberg*Menschenbild]]></title>
<link>http://egominusich.wordpress.com/?p=116</link>
<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 14:47:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>egoundich</dc:creator>
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<description><![CDATA[da diverse medikamente *zwinker&amp;kicher* gerade meinen kopf nicht immer schlafen lassen wollen, ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">da diverse medikamente *zwinker&#38;kicher* gerade meinen kopf nicht immer schlafen lassen wollen, habe ich freude an nächtlichen schreibaktivitäten. zugegeben: sie sind größtenteils nicht wirklich sinnreich. gestern hatte ich jedoch eine große freude daran, dem philosophen maluschke während eines seminars zu lauschen. warum ich z.t. wortwörtlich mitgeschrieben habe, lässt sich im nachhinein logisch allerdings nur schwer rekonstruieren. fest steht für mich aber, dass wir das gleiche bild vom menschenbild haben.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">ganz uneigennützig war der nachstehende beitrag freilich nicht. in einer umfrage an der hochschule habe ich versucht, dem selbstverständnis der studierenden im hinblick auf das eigene handlen bzw. dem dahinter stehenden menschenbild  zu ergründen. schwer interessant - die erkenntnis aber altbekannt: reden und handeln sind zwei verschiedene paar schuhe. stellt sich für mich nun die frage, wie ich dieser widersprüchlichkeit auf den zahn fühlen kann. eine weitere erhebung gibt vielleicht aufschluss.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;">
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">so: nun die versprochene zusammenfassung von mir! </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;">
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><em><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">Prof. Dr. Günther Maluschke, Universität Fortaleza (UNIFOR), Brasilien<span> </span></span></span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-family:Times New Roman;"><span style="font-size:10pt;line-height:150%;">Im Rahmen des Seminars: Menschenbilder und ihre Bedeutung für Wissenschaft und</span><span style="font-size:small;"> </span><span style="font-size:10pt;line-height:150%;">Berufspraxis, Ch. Käppler</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><strong><span style="font-size:14pt;line-height:150%;"><span style="font-family:Times New Roman;">Sind Menschenrechte anthropologisch begründbar?</span></span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:center;margin:0;" align="center"><span style="font-size:10pt;line-height:150%;"><span style="font-family:Times New Roman;">„Als Philosoph bin ich in dieser Frage Agnostiker.“</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><strong><span style="font-size:11pt;line-height:150%;"><span style="font-family:Times New Roman;">„Rezension“ zu <a href="http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2007/981/pdf/e_Buch_MENSCHENBILDER_J._Fahrenberg_2007_100807.pdf">Fahrenbergs „Menschenbilder“</a> aus der Sicht eines Philosophen, 14.07.2008</span></span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><strong></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke bezeichnet Fahrenbergs <em>Materialsammlung</em> als gemachte <em>Supertheorie</em>. Sinnvoll, so Maluschke, wäre eine Anschlussanalyse, um Fragen dieser heterogenen Theorien und methodische Wege im Umgang damit aufzuzeigen. Aus wissenschaftlich-philosophischer Sichtweise „geht das nicht“. Eher interessiert die Tatsache „wie man konsequent Anthropologie betreiben kann.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">Problem Fahrenbergs, so Maluschke, ist die Verbindung von Menschenbild und Moral bzw. Weltethos. Er stellt die Gleichzeitigkeit von Anthropologie <em>Was ist der Mensch?</em> und Ethik <em>Was soll der Mensch?</em> in Frage.<span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Unterstützt wird Maluschkes Annahme auch aus sozialwissenschaftlicher Perspektive: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">„Man kann aus der Anthropologie keine Ethik ableiten. Annahmen beeinflussen das Handeln.<span> </span>Reflektiert oder unreflektiert.“ (Käppler)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke verneint, dass ihn selbst ein Menschenbild beeinflusse – unterstellt wird es ihm dennoch. „Ich habe nicht mal gesagt, dass ich eines habe. Sollten wir eines haben? Ich bin da sehr zurückhaltend, was mein Menschenbild betrifft.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke zitiert unterstützend das Alte Testament, versteht sich aber nicht mehr als Theologe – auch wenn er es einmal war: „Ich bin davon abgekommen. Jugendsünden.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Nochmals betont er, dass man mit seinem Menschenbild sehr zurückhaltend sein sollte: „Menschenbilder dissoziieren, sie führen nicht zu Konsens.“ Er nimmt Bezug auf den Präferenzutilitaristen Singer, stellt die Frage nach <em>Person</em> in den Raum: „Sind geistig behinderte Menschen wirklich Personen und kommt ihnen Menschenwürde zu? Deswegen bin ich der Meinung, man sollte sich möglichst kein Menschenbild machen. Ich finde es wichtig, wie man mit Menschen umgeht.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Ontologische Aspekte spielen dabei für Maluschke entscheidend mit: „Kann man eine Wesensaussage über den Menschen machen? Ich sage nein.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;">
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">„Hegel meinte, man könnte zu einem absoluten Wissen kommen. Ein absolutes Wissen ist für den Menschen unerreichbar. Wir können uns nie sicher sein, ob unsere Hypothesen richtig sind. In der wissenschaftlichen Theorie gibt es keine absolute Sicherheit. W</span><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">ir haben ein provisorisches Wissen. All unser Wissen bleibt Stückwerk. Wir kommen nie zur Wirklichkeit. Wenn wir zu Wesensaussagen kommen würden, dann würde das Wesen ja erfasst. Wie wollen Anthropologen über sich Wesensaussagen machen? Das Schwierigste ist, sich selbst zu erkennen. Jedes Mal, wenn ich mir vorstelle <em>Was ist der Mensch?</em> komme ich ins Zweifeln.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Jenes sich ständig überholende und daher nur vorläufige <em>Stückwerk Wissen</em> wird durch neuere Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung gestützt: „Durch genetische Variation findet Selektion statt. Muss man genetische Auffassungen vollkommen über den Haufen werfen? Genetische Informationen werden durch die Umwelt variiert.“ (Käppler) Zwillingsstudien zeigen, dass nicht von einheitlichem Genmaterial ausgegangen werden kann. Vielmehr handelt es sich um eine Interaktion von Umwelt und Genetik. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">„Das Beispiel zeigt, wie vorläufig unser Wissen ist. Immer wieder werden wir in unseren Erkenntnissen erschüttert.“ (Käppler)<span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">Sichtweisen „bewähren sich“, so Maluschke, „so lange sie sich bewähren. Wo ist die Instanz für neue Theorien? In der Wirklichkeit.“ </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke fragt sich, wie nun ein Philosoph mit dem Thema <em>Menschenbild</em> umgehen würde. Er zitiert aus Fahrenbergs Abriss zur philosophischen Anthropologie, geht dabei v. a. auf die angeführten Defizite ein. Maluschke bestätigt, dass die philosophische Anthropologie Grenzen hat, betont aber zugleich, dass dies auf die Anthropologie insgesamt auszuweiten ist: „Anthropologie bietet keine Begründung für Menschenrechte. Normen sind aus dem Menschenbild nicht ableitbar.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Erneut spannt er den Bogen: „Gibt es <em>das</em> Menschenbild oder nur heterogene Menschenbilder? Menschenbilder bergen die Gefahr des Dogmatismus.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke untermauert seine Aussagen durch Schlagworte, führt Vergleiche an. So bezieht er sich etwa auf die Freudianer <em>Religion ist Illusion</em> oder erinnert an das klassische Menschenbild der Antike und dem damit verbundenen selbstverständlichen Umgang mit beeinträchtigten Menschen, d.h. der Ausschluss und das Töten jener. Auch wirft er die Frage auf, ob der Mensch nun gut oder böse sei. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Orientieren wir uns an dem pessimistischen „Vorgaben“ der Bibel oder Hobbes oder eher an dem optimistischen Rousseaus? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">„Ich habe kein pessimistisches, aber auch kein optimistisches. Es gibt bestimmte Situationen, in denen der Mensch böse sein muss.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Abschließend und in Hinblick auf die Begründbarkeit von Menschenrechten wird nochmals auf Kants anthropologische Ethik und die damit verbundene Frage <em>Was soll der Mensch?</em> eingegangen: „Wir können ja nicht ohne Ethik auskommen. Wenn es nicht aus der Anthropologie abgeleitet werden kann, wie kann man es dann begründen?“ (Käppler)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Times New Roman;">Maluschke betont erneut seinen Standpunkt, dass Anthropologie und Ethik getrennt diskutiert werden müssen: „Wenn wir wissen, was der Mensch ist, folgt daraus nicht, was er tun soll. Ich kann nur sagen, der Mensch hat Vernunft. Aus Ist-Aussagen folgen keine Soll-Aussagen. Das wäre ein Fehlschluss.“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">In Bezugnahme auf die Menschenrechte stellt er heraus, dass auch jene nur Konstrukt sein können: „Ethische und juristische Normen werden nicht in der menschlichen Natur gefunden. Sie werden erfunden. Andere können sagen, die sind von Gott, vom Himmel gefallen. Es sind positive Setzungen, von Menschen geschaffen. Was Menschenrechte sind, erkannte man aus dem Gegenteil. Ich finde sie eine hervorragende Erfindung.“<span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;"></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:center;margin:0;" align="center"><strong><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Times New Roman;">„Ich hoffe, dass ich Sie jetzt nicht mehr verwirrt habe, als nötig war.“</span></span></strong></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[geklaut, aber gut]]></title>
<link>http://egominusich.wordpress.com/?p=12</link>
<pubDate>Wed, 14 May 2008 22:56:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>egoundich</dc:creator>
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<description><![CDATA[„verstehen wir unter der norm den durchschnitt, dann möchten wir wohl alle nicht normal sein; ver]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:center;"><span>„verstehen wir unter der norm den durchschnitt, dann möchten wir wohl alle nicht normal sein; verstehen wir unter der norm aber das ideal, dann ist niemand von uns normal.“</span></p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://egominusich.wordpress.com/files/2008/05/100_00901.jpg"><img class="size-medium wp-image-13" src="http://egominusich.wordpress.com/files/2008/05/100_00901.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA["müssen" und "sollen"]]></title>
<link>http://thelogosmustgoon.wordpress.com/?p=20</link>
<pubDate>Mon, 05 May 2008 05:43:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>thelogosmustgoon</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich bin mal wieder bei der Frage angekommen, ob unter deontischer Normativität das  Sollen oder das]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin mal wieder bei der Frage angekommen, ob unter deontischer Normativität das  Sollen oder das Müssen zu verstehen ist. Standardauffassung ist, dass alle deontischen Sätze sich mittels „sollen“ paraphrasieren lassen. So steht es (bis jetzt) auch in meiner Dissertation. Durch die Lektüre von <a href="http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Philosophie/philosophie/46-0-stemmer-peter.html">Stemmers</a> <a href="http://www.degruyter.de/cont/fb/ph/detail.cfm?id=IS-9783110200355-1">Buch</a> habe ich ein wenig von meiner Zuversicht verloren. Stemmer behauptet - Details lasse ich weg -, die kanonische Form deontischer Sätze sei „<em>S</em> muss <em>X</em> tun“ und nicht „<em>S</em> soll <em>X</em> tun“.<!--more--></p>
<p><font size="-4">Kurz zur Literaturlage: Stemmers Verteidigung der These findet sich in <em>Normativität</em> (Berlin und New York, 2008), S.45-47, 281-295, aber auch schon in <em>Handeln zugunsten anderer</em> (Berlin und New York, 2000). Eine prominente Verteidigung dieser These findet sich auch bei Ernst Tugendhat, siehe <em>Probleme der Ethik</em> (Stuttgart, 1984), S. 72f. und <em>Vorlesungen über Ethik</em> (Frankfurt/M., 1993), S. 36. Tugendhat hält jedoch „müssen“ einfach für den stärkeren Bruder von „sollen“; im Endeffekt will er anders als Stemmer nur im Bereich der Moral „sollen“ durch „müssen“ ersetzen. Auch Holmer Steinfath bevorzugt in moralischen Kontexten „müssen“ (ich kann aber keinen Literaturhinweis geben). Im englischen Sprachraum scheint es eine entsprechende Debatte nicht zu geben. Im Englischen ist „ought“ (nicht „must“, nicht „shall/should“) anscheinend noch selbstverständlicher der kanonische deontische Ausdruck.</font></p>
<p>Wie kommt Stemmer dazu, deontische Normativität mit dem Müssen zu identifizieren? Drei Argumente lassen sich, glaube ich, isolieren.</p>
<p><strong>Stemmers erstes Argument: Ein Blick auf die Alltagssprache.</strong> In der Alltagssprache sei „müssen“ vertrauter als „sollen“. Wir sagen „Du musst ihr helfen“ oder „Du kannst doch nicht schwarzfahren“, nicht „Du sollst ihr helfen“ oder „Du sollst nicht schwarzfahren“. (Dazu passe auch, dass die Rede von Verpflichtung und Müssen in der philosophischen Terminologie bis ins 18. Jahrhundert Standard war.)</p>
<p><strong>Stemmers zweites Argument: Sollen und das Wollen anderer.</strong> „Du sollst H-en“ konnotiere den Willen eines anderen. „Du sollst H-en“ verwendeten wir im Unterschied zu etwa „Du solltest H-en“ um auf eine Autorität, die das will, zu verweisen. Diese Konnotation sei jedoch misslich, da nicht immer, wenn etwas zu tun ist, der Wille eines anderen der Grund dafür sei. (Stemmer geht sogar noch weiter und behauptet, dass "sollen" gar nicht normativ ist. Denn es sei möglich, dass jemand etwas tun soll, ohne dass ein normativer Druck besteht. "Ich soll den Grill wegräumen. Mein Nachbar will das." sei nicht normativ, weil der bloße Umstand, dass jemand etwas will, noch keinen normativen Druck ausübt.)</p>
<p><strong>Stemmers drittes Argument: Müssen und Notwendigkeit.</strong> Nur „müssen“ bringe die Notwendigkeit zum Ausdruck, die zum Deontischen gehört.</p>
<p>Keines der drei Argumente überzeugt mich.</p>
<p><strong>Erste Replik.</strong> Man kann deontische Urteile auf erstaunlich viele Weisen zum Ausdruck bringen.</p>
<p style="padding-left:30px;"><span><span><em>Imperativ.</em> "Räum dein Zimmer auf!", "Lüge mich nicht an!", „Hilf in Not geratenen Menschen!“<br />
<em>Indikativ Präsens.</em> "Du räumst jetzt dein Zimmer auf.", "Du lügst mich jetzt nicht an.", „Wenn jemand in Not ist, wird ihm geholfen.“<br />
<em> Sollen.</em> "Du sollst dein Zimmer aufräumen.", "Du sollst mich nicht anlügen.", „Man soll in Not geratenen Menschen helfen.“<br />
<em> Müssen. </em>"Du musst dein Zimmer aufräumen.", "Du kannst mich nicht anlügen", „Man muss in Not geratenen Menschen helfen.“<br />
(Ich hoffe, die drei Beispiele sind ausreichend repräsentativ. Das erste Beispiel ist nicht-moralisch, das zweite moralisch und partikular, das dritte moralisch und generell.) </span></span></p>
<p><span><span>Gewiss, manche der Beispielsätze sind natürlicher als andere, aber jeder wird wohl zustimmen, dass in jeder Situation dasselbe deontische Urteil auf verschiedene Weise ausgedrückt werden kann. Deshalb stellt sich ja überhaupt die Frage, was die kanonische Form deontischer Urteile ist. In manchen Kontexten ist der Imperativ natürlicher, in manchen Kontexten ist der Indikativ Präsens die Form, die den meisten Nachdruck trägt. Deshalb scheinen mir Argumente, die nur darauf verweisen, dass eine bestimmte Verwendungsweise angeblich natürlicher ist, zu schwach zu sein, um philosophisch etwas auszutragen. Es gibt keine Standardform deontischer Sätze in der natürlichen Sprache. Wirklich.</span></span></p>
<p><strong>Zweite Replik.</strong> Das zweite und das dritte Argument sind miteinander verwandt: „sollen“ habe eine unerwünschte, „müssen“ dagegen eine erwünschte Konnotation. Ich beginne mit der unerwünschten Konnotation von „sollen“. Ich stimme zu, dass die kanonische Form deontischer Sätze nicht nahe legen sollte, dass die Normativität auf den Willen eines anderen zurückgeht. Manchmal soll man etwas tun unabhängig davon, dass ein anderer dies will.</p>
<p>Aber konnotiert "sollen" wirklich, dass ein anderer dies will? Im vorletzten Satz kommt "sollen" vor. Konnotiert dieses "sollen", dass irgendjemand irgendetwas will? Konnotiert "Niemand soll zum Besuch des Logiktutoriums gezwungen werden“, dass irgendjemand irgendetwas wünscht?</p>
<p><span><span>Die fragliche Konnotation besteht, glaube ich, nur in Situationen mit bestimmten, meist anwesenden Adressaten („du“, „wir“, „der Butler“). Auf „Du sollst (wir sollen) hier warten“ kann man in der Tat mit „Wer will das denn?“ antworten. „Du musst (wir müssen) hier warten“ lässt diese Reaktion nicht so recht zu. Damit vereinbar ist jedoch, dass „sollen“ im allgemeinen diese Konnotation nicht hat.</span></span></p>
<p><span><span>Was gewichtiger ist, ich sehe nicht inwiefern ein Wechsel von „sollen“ zu „müssen“ in Zweifelsfällen weiterhilft. Wenn der Unteroffizier zu den Soldaten sagt „Tote sollen einzeln bestattet werden“, ist unklar, was die Begründung ist: Weil die Heeresführung dies angewiesen hat? Weil es moralisch geboten oder anständig ist? Weil die Toten dies wollen bzw. gewollt hätten? Wenn der Unteroffizier zu den Soldaten sagt „Tote müssen einzeln bestattet werden“, ist zwischen den Lesarten nicht entschieden; es kommen sogar noch mehr Lesarten hinzu.</span></span></p>
<p><span><span>Um ein Fazit zu ziehen, es mag sein, dass manche Äußerungen von „sollen“-Sätzen implikieren, dass jemand mit gehöriger Autorität dies wolle, aber allgemein scheint dies schlicht nicht zu stimmen. (Kleine Warnung: Ich habe nicht dafür argumentiert, dass es sich um eine Implikatur handelt; das ist nur eine Vermutung.)</span></span></p>
<p><span><span><strong>Dritte Replik.</strong> Stemmers drittes Argument verweist darauf, dass „müssen“ eine gewünschte Konnotation hat: „müssen“ drückt eine Notwendigkeit aus. Dass „müssen“ diese Konnotation hat, ist wohl nicht kontrovers. Allein, ist „müssen“ damit prädestiniert, um in der kanonischen Form dontischer Sätze vorzukommen? Das Gegenteil ist der Fall. Das Hauptargument contra „müssen“ ist gerade, dass „müssen“ mit Notwendigkeit zu tun hat, das Deontische aber nicht.</span><span> </span></span></p>
<p><span><span>Das muss ich freilich erklären. Ein Beispiel: Anna soll Ben einen Brief vorbeibringen. Denn sie hat dies Carla versprochen. Muss Anna dies tun? Ist sie gezwungen dies zu tun? Ich verstehe diese Fragen nicht. Natürlich ist Annas Handlung nicht determiniert. In dieser Lesart von „müssen“ und „gezwungen sein“ ist die Antwort so trivial, dass in den Fragen etwas anderes gemeint sein muss. (Stemmer weist in seinem Buch laufend darauf hin, dass mit normativer Notwendigkeit nicht Determination gemeint.) Es muss der andere Sinn von „müssen“ sein, der hier einschlägig ist und der oft mit „es ist gefordert“, „es ist verlangt“ und dergleichen paraphrasiert wird. In der Moral geht er uns leicht über die Lippen: Es ist nicht bloß gut, seine Mitmenschen am Leben zu lassen; das ist unausweichlich. Es ist nicht bloß sinnvoll, die notwendigen Mittel zu den Zielen zu wählen; dies ist unausweichlich, verlangt von der Vernunft. Aber nur weil es leicht über die Lippen geht, muss es nicht richtig sein. Es könnte ein Vorurteil sein. Viele sind nicht zufrieden, wenn man es in der Moralphilosophie bei diesem belässt: Es gibt gute Gründe, andere am Leben zu lassen; der Grund ist sogar so stark wie kaum ein Grund sein kann. Sie meinen, dass das Wichtigste fehle: Der Zwang, die Notwendigkeit. Aber es ist nicht ausgemacht, dass es über den Umstand, dass der Grund sehr stark ist, hinaus auch noch einen Zwang gibt. Die Moral ist nicht ein Gleis, das uns auf einen bestimmten Weg zwingt. Sie fordert uns auf, bestimmtes zu tun und anderes zu unterlassen. Aber Aufforderungen zwingen nicht. Analog im Fall der instrumentellen Rationalität: Bin ich gezwungen, das notwendige Mittel zu meinem Ziel zu wählen? Nun, der Grund dafür mag sehr stark sein, aber „gezwungen“ oder „notwendig“? Nein. Ich kann anders wählen und mein Leben endet (vermutlich) nicht, wenn ich das tue.</span></span></p>
<p><span><span>Nota bene, um die Ausgangsfrage zu beantworten, muss ich nicht behaupten, dass die Träume vom normativen Zwang aufgegeben werden müssen. Es genügt, dass man sie nicht bei einer begrifflichen Analyse deontischer Normativität voraussetzen sollte. Dass deontische Normativität immer Zwang und Notwendigkeit bedeutet, könnte sich nach langem Nachdenken bewahrheiten. Das glaube ich zwar nicht, aber ausschließen kann ich es nicht.</span></span><span><span> Ich will auch niemandem die Rede vom „zwanglosen Zwang“ des Normativen verbieten. Problematisch ist es, wenn daraus eine Erklärungslücke konstruiert wird: „Du hast zwar erklärt, warum man dies oder das tun soll. Aber du hast vergessen zu erklären, warum man das tun muss.“ Mit der Angabe der Gründe wurde die Frage beantwortet. Damit das nicht vergessen wird, halte ich es für ratsam, auf die Rede vom normativen Zwang zu verzichten.</span></span></p>
<p><span><span><strong>Ein Gegenvorschlag.</strong> Das Einfachste ist es an dieser Stelle, einen Kunstausdruck zu wählen. Ich habe einen gefunden, der zumindest für meine Zwecke optimal ist: "was zu tun ist“. Genauer: Die kanonische Form eines deontischen Satz ist "Handlung H ist (von Person S) zu tun“ oder, äquivalent, "Person S hat H zu tun".</span><span> </span></span></p>
<p><span><span>Ein paar Beispiele: Anderen in Not ist zu helfen. Stehlen ist zu unterlassen. Der Müll ist von dir rauszubringen. (Oder: Du hast den Müll rauszubringen.) Wenn du nach Larissa willst, ist der linke Weg zu nehmen. (Oder: Der linke Weg ist, sofern du nach Larissa willst, zu nehmen. Oder: Der linke Weg ist von Leuten, die nach Larissa wollen, zu nehmen. Oder: Wer nach Larissa will, hat den linken Weg zu nehmen.)</span></span></p>
<p><span><span> Diese Redeweise weist genau die minimalen Eigenschaften deontischer Normativität auf, an denen wir meines Erachtens festhalten sollten. Es gibt einen Adressaten. Es gibt Handlungen (token oder type). Es gibt eine Aufforderung. Ganz ohne Nachteile ist diese Redeweise aber nicht: Skopusunterscheidungen sind nur mühsam zu treffen. Aber vielleicht ist dies sogar ein Vorteil: Das philosophische Nachdenken über Normativität ist dermaßen geprägt vom Übersehen von Skopusunterscheidungen, dass es recht gut passt, wenn der zentrale deontische Ausdruck diese Unterscheidungen erschwert ;-).</span></span></p>
<p><strong>Fragen.</strong> Irgendjemand hier, der mich überzeugen möchte, dass deontische Normativität nicht ohne Notwendigkeit zu haben ist? Vielleicht ein viel besseres Argument für Stemmers These kennt? Oder gar nicht versteht, was die ganze Diskussion überhaupt soll?</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wissen und Werte: Bericht von einer Tagung an der TU Dresden]]></title>
<link>http://thelogosmustgoon.wordpress.com/?p=14</link>
<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 21:03:08 +0000</pubDate>
<dc:creator>thelogosmustgoon</dc:creator>
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<description><![CDATA[Von Donnertag bis Samstag nahm ich an einer Tagung zum Thema „Wissen und Werte“ an der TU Dresde]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Von Donnertag bis Samstag nahm ich an einer <a href="http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/iph/termine/tagung_wissen-werte" target="_self">Tagung zum Thema „Wissen und Werte“ an der TU Dresden</a> teil. Im Zentrum der Diskussionen stand das sogenannte Menon-Problem: Warum ist Wissen wertvoller als wahre Meinung? Die Intuition, dass Wissen tatsächlich mehr wert ist als wahre Meinung, wird bereits in Platons Dialog <em>Menon</em> verhandelt; deshalb der Name. Was folgt ist im strikten Sinn kein Bericht von der Tagung, sondern ein Versuch, das Problem näherzubringen. (Empfehlen kann ich an dieser Stelle aber auch <a href="http://plato.stanford.edu/entries/knowledge-value/">Duncan Pritchards Artikel "The Value of Knowledge"</a> in der <em>Stanford Encyclopedia of Philosophy</em>!) <!--more--></p>
<p>Die These hinter dem <strong>Menon-Problem</strong> hat - ich glaube, das teilt jeder - auf den ersten Blick etwas sehr plausibles. Selbstverständlich ist es besser zu wissen, dass Wasser H20 ist, als dies zu raten. Man kann sogar so weit gehen, ein analoges Argument zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Experience_Machine">Nozicks Argument der Erfahrungsmaschine</a> zu geben. (Wie ich in Dresden erfuhr, geht die Überlegung <a href="http://www.harpers.org/archive/2007/11/hbc-90001466">auf Lessing zurück</a>, der sie jedoch in einen theologisch aufgeladenen Kontext stellt.) Angenommen man machte mir das Angebot, mich an eine Machine anzuschließen, die mich mit allem, was es zu wissen gibt, versorgt, wobei (i) ich zu dem Erkenntnisgewinn keinen Beitrag leiste, (ii) ich mich hinterher nicht daran erinnern kann, mich für den Gebrauch dieser Maschine entschieden zu haben, und (iii) ich meine Meinungen nicht begründen kann. (Falls die letzte Bedingung nicht erfüllbar erscheint, hilft vielleicht diese Analogie: So wie manch ein idiot savant beantworten kann, ob eine Zahl eine Primzahl ist, sonst aber nicht viel kann, kann man nach Benutzung der Maschine alle Fragen beantworten, kann aber keine Begründung der Antwort geben.) Lessing würde das Angebot ablehnen, behauptet er zumindest, und auch ich tendiere dazu, mich so zu entscheiden. Aber warum nur?</p>
<p>Bevor ich zu einigen Antworten komme, zunächst <strong>zwei Klärungen</strong> vorab: Unter <em>bloß wahren Meinungen</em> sollen alle wahren Meinungen, die kein Wissen sind, subsumiert werden. Zu den bloß wahren Meinungen zählen also sowohl Fälle glücklichen Ratens als auch Gettierfälle. Die Menon-Intuition besagt also nicht nur, dass Wissen besser ist als Raten, sondern auch, dass Wissen besser ist als gegettierte wahre Meinung. Zweitens besagt die Intuition nur, dass für alle Propositionen <em>p</em> Wissen, dass <em>p</em>, besser ist als bloßes Wahrglauben, dass <em>p</em>. Die Intuition besagt nicht, dass für beliebige Propositionen <em>p </em>und <em>q</em> Wissen, dass <em>p</em>, besser ist als bloßes Wahrglauben, dass <em>q</em>. Sonst erhält man leicht inkommensurable Werte: Ist das Wissen, dass Lessing in Braunschweig starb, besser als die bloß wahre Meinung, dass die Mensa morgen auf hat? Ich habe keine Ahnung, wie man eine solche Frage angehen könnte!</p>
<p>Die <strong>Schwierigkeiten mit der Menon-Intuition</strong> ergeben sich meines Erachtens daraus, dass wir (mindestens) zwei weitere, widerstreitende Intuitionen haben.</p>
<p style="padding-left:30px;">(1) Es ist unerheblich, ob ich <em>weiß</em>, dass mein Zug um 12:08 von Gleis 2 abfährt, oder dies <em>bloß wahrerweise glaube</em>. So oder so werde ich das Nötige tun, um rechtzeitig am Gleis 2 zu sein. Allgemein gesagt, mit wahren Meinungen erreiche ich meine Ziele genauso gut wie mit mit Wissen.</p>
<p style="padding-left:30px;">(2) Weder das Wissen noch die bloß wahre Meinung, dass der 1234te Eintrag im Stuttgarter Telefonbuch von 1972 „...“ lautet, ist von irgendeinem Wert.</p>
<p>(1) und (2) sind prima facie zumindest nicht weniger gut begründet als die ursprüngliche Menon-Intuition.</p>
<p>In Dresden haben sich einige ausgehend von Behauptungen à la (1) und (2) für einen, wie ich es nennen möchte, <strong>Instrumentalismus</strong> ausgesprochen. So wie ein Ersatzreifen im Auto eine gute Vorsorge gegen Reifenpannen ist, so sei auch Wissen eine gute Vorsorge gegen Einwände und fehlende Zuversicht, die einen von der wahren Meinung abbringen könnten. Wenn es zu keiner Panne kommt, gelangt man auch ohne Ersatzreifen ans Ziel; wenn keine Einwände kommen und es einem nicht an Zuversicht mangelt, reichen bloß wahre Meinungen aus. Aber wer <em>weiß</em>, dass der Mensch vom Affen abstammt, wird sich von religiösen Fanatikern nicht irre machen lassen; wer <em>weiß</em>, wie man von Athen nach Larissa kommt, wird sich von ungeduldigen Nachfragen der Reisebegleiter nicht irritieren lassen. Mit einem Wort, Wissen sei ein gutes Mittel, um sicher die eigenen Ziele zu erreichen (welche auch immer dies gerade sein mögen). Da dies mit Wissen besser erreicht werde als mit bloß wahrer Meinung, sei Wissen wertvoller als bloß wahre Meinung. (Dies ist übrigens zumindest in den Grundzügen die Antwort, die auch Platon in seinem <em>Menon</em> gibt.)</p>
<p>In Dresden sprachen aber auch Vertreter eines <strong>Anti-Instrumentalismus</strong>, d.h. der These , dass Wissen einen Wert hat, der über seinen Beitrag zum Erreichen von Zielen hinausgeht.  Sie stützen sich dabei auf (begriffliche) Überlegungen zu kognitiven Leistungen, kognitiven Fähigkeiten, epistemischen Tugenden, zum Zusammenhang zwischen etwas tun wollen und dies gut tun wollen und dergleichen mehr. Wie das Projekt im Detail umgesetzt werden soll, ist mir leider verschlossen geblieben. Schade!</p>
<p>Gegeben diese Unübersichtlichkeit will ich einen Schritt zurücktreten und die Frage beantworten, <strong>warum</strong> die Debatte um das Menon-Problem <strong>überhaupt wichtig und interessant</strong> ist. Eine erste Antwort ist diese: Die Menon-Intuition wird von manchen Autoren als Einwand gegen Wissensanalysen, namentlich den Prozessreliabilismus eingesetzt. Da der Prozessreliabilismus nicht erklären könne, warum Wissen wertvoller ist als wahre Meinung, erfülle er eine Adäquatheitsbedingung für Wissensanalysen nicht. Die Debatte um das Menon-Problem wäre dann deshalb interessant, weil sie Teil der Debatte um die richtige Analyse von Wissen ist. Eine zweite Antwort hebt gerade darauf ab, dass das Menon-Problem von dem Projekt einer Wissensanalyse wegführt. Etliche Erkenntnistheoretiker glauben mittlerweile, dass an der Suche nach einer Analyse von Wissen, d.h. nach notwendigen und zusammen hinreichenden Bedingungen für Wissen, etwas faul ist und man sich von diesem Projekt verabschieden sollte. Während man bei diesem Projekt tatsächlich leicht die Relevanz nicht mehr sieht, ist das beim Menon-Problem jedoch anders. Wertfragen sind offensichtlich nicht irrelevant für unser Handeln und Denken. Sollte man zeigen können, dass Wissen wertvoller ist als bloß wahre Meinung, dann ist dies schwerlich ein Beitrag zu einem bloßen Streit um bloße Worte.</p>
<p><em>An dieser Stelle veröffentliche ich diesen Beitrag schon einmal, obwohl ich meine eigene Meinung zum Menon-Problem noch gar nicht aufgeschrieben habe. Dazu folgt demnächst ein zweiter Teil.</em></p>
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