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	<title>nachtregen &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/nachtregen/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "nachtregen"</description>
	<pubDate>Sun, 12 Oct 2008 15:03:07 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Glassplitter im Hals]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=459</link>
<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 21:01:08 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich habe mich nach süßen Kuchenkrümeln und Kaffeeduft auf meiner Zunge gesehnt, doch bekommen hab]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mich nach süßen Kuchenkrümeln und Kaffeeduft auf meiner Zunge gesehnt, doch bekommen habe ich spitze Glasscherben. So fühlt es sich jedenfalls an, als ich neben dir sitze. Draußen fallen die Blätter reihenweise auf die Straße; manche Passanten verlieren kurz das Gleichgewicht, als sie auf die nassen Blätter treten, rudern aufgeregt mit den Armen. Irgendwie schaffen sie es, ihre müden Körper vor dem Fall zu bewahren. Nur ein junger Typ purzelt auf den harten Asphalt, landet jedoch sanft auf seinem Po. Er dreht sich um und flucht wie das Rumpelstilzchen. Zwei Mädchen, wahrscheinlich Schülerinnen, die etwas abseits stehen, lachen über ihn und halten sich leicht verlegen die Hände vor die Münder. Nur kurz stimme ich mit ihnen ein, bis mich die Realität zurückholt und ich dir ins Gesicht blicke. </p>
<p>Zu große Erwartungen. Heute. Oder immer? Ich weiß es nicht und stöhne meine Zweifel in die heiße Kaffeetasse, die sofort darin verdampfen. Warum? frage ich. Du schweigst. Sag was, bohre ich nach. Du schweigst. Mir scheint, als habe dir eben jemand einen festen Reißverschluss an deine Lippen befestigt, denn es gelingt mir nun nicht, ihn aufzuziehen. Du schweigst weiter und schaust aus dem Fenster. Der Purzeljunge ist weg und von den beiden Mädchen fehlt auch jede Spur. Plötzlich wird mir bewusst, dass sie bis eben noch mein einziger Halt gewesen waren. Jetzt fühle ich mich nackt, klein wie ein Mädchen, das noch in den Kindergarten geht und mit Puppen spielt. Ich stimme mit ein in dein unendliches Schweigen, doch wenn ich eins nicht will, dann ist es genau das. Das Kleinmachen und unterwürfig sein. </p>
<p>Wir hatten einen Plan heute, einen vollkommen anderen als den, den wir nun erlebten. Eine Egoistin hast du mich genannt, zu wenig würde ich nachdenken, keine Ideen mehr wie einst haben, stattdessen mich nur treiben lassen, mitziehen, antriebslos sein. Zunächst schüttelte ich eifrig den Kopf, bis ich das Echo bewusst wahrnahm. In der Tat, das bin ich. Ich würde lügen, wenn ich das von mir weisen würde. Wirklich realisiert habe ich es bislang nicht. Ich habe es verdrängt, wie sporadische Zahnschmerzen, die einen daran erinnern wollen, das dort ein Loch vorhanden ist. Ich verabscheue es genauso wie du, dass man dem Alltag die alleinige Herrschaft überlässt, aber manchmal geht es nicht anders, wenn die Zeit ein Dieb ist und die Tage zu kurz sind. Sag bitte, wie soll man da noch seinen Zauberhut an die entsprechende Stelle setzen, wenn der Kopf zu groß ist, zu voll mit Terminen und Gedanken, das man teilweise das Gefühl hat als hätte man zwei Kugeln auf dem Hals stecken? Hast du darauf eine Antwort? Nein. Oder doch: Dein Schweigen, das dich weiterhin umhüllt wie ein kalter Nebelmantel.</p>
<p>Mittlerweile ist es dunkel draußen. Der Regen hat nachgelassen, dafür hat sich ein starker Wind über die Stadt gelegt. Als Bote. Der Herbst ist nun tatsächlich da, egal, wie sehr ich mich noch dagegen wehre. Der Sommer gehört ebenso zur Vergangenheit wie meine Leichtigkeit, für die mich einst jeder beneidete. Einige verwechselten sie sogar mit Naivität.<br />
Ich wollte es nicht so, wie es nun ist; war mir der Gefahr bewusst und bin umso erstaunter, beinah erschrocken, gelähmt, dass ich mich eingeklemmt in der Mäusefalle wiederfinde. Es ging viel zu schnell, schneller als man atmen oder zwinkern kann. </p>
<p>Und du.<br />
Schweigst noch immer. </p>
<p>Einzig die Krümel auf den Tellern erinnern mich daran, das ich keine Glasscherben, sondern Kuchen gegessen habe.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Geschmack vom Meer]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=430</link>
<pubDate>Tue, 16 Sep 2008 21:12:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/09/16/der-geschmack-vom-meer/</guid>
<description><![CDATA[Ich denke die Tage oft an das eine Wort, das beim Aussprechen die Zunge charmant umgeht, als ahne es]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich denke die Tage oft an das eine Wort, das beim Aussprechen die Zunge charmant umgeht, als ahne es selbst wie unruhig es wirklich ist.</p>
<p>Veränderungen. </p>
<p>Da steht es nun ganz allein, hüpft im Kreis, selbstsicher und weiß nun tatsächlich nicht, wo es hin will. Zu frisch, zu ungewiss, zu aufregend.</p>
<p>Manche müden Geister werden spätestens jetzt wach, wischen sich die müden Augen und stellen viele Fragen: Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin? Warum tauchen sie auf? Wieso oftmals so plötzlich wie ein ungeduldiger Wind, der kurz vor einem großen Gewitter aufkommt? Ich habe mal wieder absolut keine Ahnung und doch vertraue ich mal wieder den Japanern, die da weise sagen: Das Leben ist ein Fluss. Nichts bleibt ewig so wie es ist. Auch wenn wir es uns oft wünschen, so sehr, dass wir alle persönlichen Sternschnuppen dafür einsetzen wollen, doch halt: Das Leben ist kein Wunschkonzert. </p>
<p>Vielleicht soll es aber auch nicht ewig so bleiben wie es ist, weil es irgendwann den Geruch von der Selbstverständlichkeit bekommt. Wir gewöhnen uns daran und wissen es am Ende des Tages nicht mehr zu schätzen. Obwohl wir uns natürlich stetig sagen, wie wertvoll das alles ist. Aber ist nicht auch die Sehnsucht diejenige, die uns in andere Sphären treibt? Am hellen Tag stehen wir an der Kreuzung vor den roten Männchen, hören die Autos nicht, sehen die Menschen nicht, sondern hören nur das Lied der Sehnsucht der Zukunft und der Vergangenheit. Vor unseren Augen flackert etwas Eigenes auf, tanzen Bilder an besondere Menschen, an besondere Augenblicke vorbei, wie sie einst gewesen sind, wie glücklich sie uns gemacht haben. Hätte es keine Veränderung gegeben, dann existierten diese Bilder nicht, würden wir nur ganz normal an der Ampel stehen wie die Frau neben uns mit dem tot frisierten Pudel und ihrem verbissenen Blick unter der faltigen Stirn.</p>
<p>So sehr es manchmal auch im Herzen sticht, liebe ich Veränderungen, weil sie einem erst das Gefühl geben, lebendig zu sein und sie hinterlassen so einen sonderbaren, leckeren Geschmack vom Meer auf der Zunge. </p>
<p>An Veränderungen reiben wir uns und wachsen enorm. Ich denke da gern an kleine Kletterpflanzen, die sich gegen die Widerstände fester Häuserwände durchsetzen. Erst langsam, doch im Laufe der Zeit, schneller, kommen sie dem Himmel einen Stück näher. Sicherlich bringen Veränderungen in ihren Tüten kleine Schatten mit, die uns frösteln lassen, doch gleichzeitig öffnen sie uns neue Türen, die wir bis dahin nicht gesehen haben. </p>
<p>Ich wäre heute nicht diejenige, wenn ich mich den Veränderungen so kompromisslos geöffnet hätte. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, das alles ganz einfach gewesen ist. Ich habe einige Opfer bringen müssen, Freunde zurückgelassen, Verbindungen gelöst, Leidenschaften weg radiert, doch nicht, weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich nicht mehr wollte und dem Geschmack vom Meer gefolgt bin. Mein Lebensbaum hat dadurch einige Blätter verloren, jämmerlich gestöhnt, doch im Laufe der Monate und Jahre neue Früchte erhalten. Und wenn ich will, sammle ich die Blätter einfach auf, die unter ihm liegen, vergesse das Jetzt und fliege lachend wie Pippi Langstrumpf mit ihnen in eine andere Zeit...</p>
<p>... Zeit ... – alles zu seiner Zeit...</p>
<p>... Und wenn es an der Zeit ist, seine Zelte abzubrechen, sollte man das tun und dem Ruf der Weite folgen. Augen zu, Gedanken weg und treiben lassen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Unsinn der Liebe]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=406</link>
<pubDate>Wed, 27 Aug 2008 22:54:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/08/27/der-unsinn-der-liebe/</guid>
<description><![CDATA[Es ist Schwachsinn, sagt das Herz. Und auch der Verstand beugt sich ausnahmsweise dem roten Wesen, d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist Schwachsinn, sagt das Herz. Und auch der Verstand beugt sich ausnahmsweise dem roten Wesen, das den Menschen zwischen der Brust sitzt. Ich möchte begreifen, erklären, antworten, aber mein Mund bleibt still und erinnert eher an einen satten Fisch im brausendem Atlantischen Ozean. Mir fehlen die Sätze und schlimmer noch die Taten. </p>
<p>Wenn es mir nicht gut ging, hast du bisher meine nassen Tränen aufgefangen und sie liebevoll trocken geföhnt, mich mit deiner Anwesenheit geerdet, mit deinem Optimismus und stärkenden Worten in den Hafen zurückgeholt, damit ich durchatmen, wieder zu mir selbst finden konnte. Dieses Mal halte ich deine Leine fest zwischen meinen Händen, versuche dein wackelndes Boot zu zähmen, bekomme jedoch schnell den Unterschied zwischen einem Gegenstand und einem jungen Hund zu spüren. </p>
<p>Ich höre dein unruhiges Atmen, das Stöhnen deiner Knochen.<br />
Ich sehe die Leere zwischen deinen Augen.<br />
Ich schmecke das Salz der Verzweiflung.</p>
<p>Lege meine Hände in deine, denn manchmal trösten Gesten mehr als irgendwelche Buchstaben, die versuchen im richtigen Moment das Richtige zu sagen und schnell dabei klingen als würden sie wie stumpfe Kreide an der Tafel kratzen.</p>
<p>Erwache im Morgengrauen vom Gesang der Amsel auf der Fensterbank, klaue ihre Stimme, weil sie so kraftvoll ist, dass sie sogar mein Bett zum Vibrieren bringt und werfe diese in deinen Briefkasten in der großen Hoffnung... </p>
<p>… dass der Unsinn der Liebe damit endlich zum Stillstand kommt, alles wieder gut wird und ich keine Singvögel mehr ihrer Stimme bestehlen muss.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Sprachlos glücklich sozusagen]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=310</link>
<pubDate>Mon, 16 Jun 2008 21:04:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/06/16/sprachlos-glucklich-sozusagen/</guid>
<description><![CDATA[Wie sieht wohl die Sehnsucht aus? Ich greife in den Berg von Buntstiften, die Augen geschlossen und ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sieht wohl die Sehnsucht aus? Ich greife in den Berg von Buntstiften, die Augen geschlossen und erhasche ein Rot. Es ist ein tiefes Rot, das an einen guten <span style="color:#800000;">Bordeaux</span> erinnert, also viel mehr ein Weinrot. Ich male eine kleine Landschaft, dazwischen zwei Strichmännchen: Das eine bist du, etwas größer als ich und das andere bin ich. Lustig, obwohl mir zum Weinen zumute ist.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Ich laufe durch die große Stadt, entdecke Plätze, die dich ebenso enzücken würden und jetzt am Abend - mein Blick aus dem Fenster. Der Fernsehturm strahlt mich in seinem silbernen Schein an und ich denke: Genau, hier links neben mir … wenn du da sitzen würdest. Es gibt so viele Dinge, die ich in deiner Gegenwart nicht erkären brauche, weil du das Gleiche empfindest. Sprachlos glücklich sozusagen.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Gerade in den letzten Wochen sehne ich mich so sehr nach dir, weil so viel um mich herum an dich, an unseren vergangenen Sommer erinnert. Irgendwann hatte ich vollkommen den Überblick verloren und all die Dinge der Ordnung halber notiert:</p>
<ul>
<li>Frischer <span style="color:#008000;">Rucola</span> (Jedes Mal, wenn ich ihn zupfe und wasche, spüre ich dich neben mir, erahne, dass du gerade deine leckere scharf-süße Vinegrette mischst. Wie habe ich deinen Küchentisch am Abend geliebt, immer kleine Leckereien. Aus wenig Großartiges gezaubert.)</li>
<li>Kalte <span style="color:#f7da07;">Zisch-Orange-Limonade</span> aus dem Bioladen (Die haben wir an den heißen Abenden getrunken, wenn uns der Wein über war.)</li>
<li><span style="color:#800000;">Rotwein</span> (Weißt du noch? Fast jeden Abend… Und jedes Mal schworen wir uns, nicht mehr, nicht mehr bald, um bald wieder bei einem Glas zusammenzusitzen.)</li>
<li>Der Duft von <span style="color:#800000;">Espresso</span> (Heute noch höre ich deine Maschine rattern.)</li>
<li>Ein Buch über <span style="color:#bd9341;">Rom</span> (Es fiel mir kürzlich in die Hände und summte dein Lied der Liebe zu dieser Stadt.)</li>
<li>Ein graues <span style="color:#6f908a;">Oberteil</span>, das ich mir die Tage gekauft habe, wobei ich dachte, dass es auch deins hätte gewesen sein können. (Wo wir doch so gern Klamotten getauscht haben, uns gegenseitig beraten: Geht das, ja?)</li>
<li>Laue, lange <span style="color:#e1771d;">Sommerabende</span>, die nicht enden wollen, die Kerze wird immer kürzer und verliert trotzdem nicht an ihrer Leuchtkraft. (Obwohl es Zeit ist, ins Bett zu gehen, überhört man die ermahnende Stimme.)</li>
<li>Die <span style="color:#ff00ff;">Brigitte</span> (Dein Mann hat sie dir vom Brötchenholen mitgebracht. So kleine Freuden zwischen dem Frühstück und Mittag, ach sie kommen mir verdammt bekannt vor.)</li>
<li><span style="color:#ff0000;">Erdbeeren</span> (Beinah täglich bist du aufs Feld und hast Körbe selbst gepflückt.)</li>
<li><span style="color:#993366;">Englischer Harem</span>  (Das Buch hast du mir im Frühling empfohlen und ich kann mich heute, wo ich es endlich lese, nicht lösen.)</li>
</ul>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Ich möchte es nicht aussprechen und doch manchmal bedauere ich, dass ich so spät geboren bin. Stell dir vor, nur 20 Jahre eher. Nicht, dass ich nicht dankbar bin, das wir uns überhaupt kennengelernt haben, aber in meinen Tagträumen habe ich mir das ausgemalt - die Strichmännchen gegen zwei junge Frauen ausgetauscht, die so viel mehr vom Leben wollen, als viele Artgenossinnen aus der Provinzstadt. Wir hätten bestimmt einige Dummheiten begangen, doch am Ende des Tages glücklich dagesessen, händchenhaltend und froh darüber, dass es jemanden gibt, der einem so ähnlich und nah ist, dass man sich zwicken muss, ob dies alles überhaupt wahr ist.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Mit meinem Lupenblick erkenne ich einiges, das uns verbindet.<br />
Von unserer Sensibilität abgesehen, denke ich da an schlichte, stilvolle Mode und unsere göttlichen, beinah knabenhaften Figuren, die uns automatisch Schnäppchen in unseren Größen bei H&#38;M bereithalten.<br />
Wunderbare, herausragende Bücher, jenseits der Bestsellerliste. Geschichten, die uns herausfordern und seelig stimmen.<br />
Unsere kindliche Begeisterung, die uns erhalten geblieben ist. Wir Zwei müssen ein Buch nicht erklären, sondern lassen stattdessen unsere Augen sprechen.<br />
Schöne Filme fernab des Mainstreams, die uns noch Stunden später beschäftigen und kleine Narben des Glücks hinterlassen.<br />
Die Schusseligkeit, die uns schon so manch blauen Zeh beschert hat oder Dinge, die wir übersahen, weil wir mit unseren Gedanken wieder ganz woanders waren.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Bevor ich euer Gast auf Zeit war, wollte ich keine Kinder. Es schien mir alles so unvereinbar, zu viel, zu laut. Ganz davon abgesehen, dass ich noch nicht dafür bereit war und bin, wenngleich ich allmählich auf die 30 zugehe. Einige Schulfreundinnen haben längst ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Ich freue mich für sie, doch ich fühlte mich fehl am Platze, bis zum Zeitpunkt, als ich bei euch war. Dein erstes Kind hast du mit Mitte Dreißig bekommen, wo viele stöhnend die Hände um den Kopf legen und rufen: Zu spät. Nix da, rufe ich heute. Schaut euch diese Frau hier an. Die hat es geschafft, zwei Kinder und was für zauberhafte Geschöpfe. Eine kleine Sonne und ein kleiner Mond. Eure Familie bewegt sich fernab jeglicher Klischees, die mich ermüden. Wenn sich heute Schatten auf mein Gemüt legen wegen dieser Fortpflanzungsgeschichte, denke ich an eure Familie und alles ist gut, warm und geborgen fühle ich mich dann. Keine Hast, sondern Zeit, ausreichend, um zu sortieren und anzukommen.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Wenn du von deiner Erschöpfung berichtest, du dich am liebsten in ein Erdloch vergraben möchtest, sage ich: Ja, ich verstehe.<br />
Wenn du eine tiefe Sehnsucht nach dem Alleinsein verspürst, fast beschämend manchmal, sage ich: Ja, ich verstehe.<br />
Wenn du von deinen Zweifeln und Ängsten sprichst, die Nacht mit der Sonne vertauschst, sage ich: Ja, ich verstehe.<br />
Wenn du glücklich über ein Buch sprichst, dass dich bis in deine hintersten Herzkammern kitzelt, sage ich: Ja, ich verstehe.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Wahnsinn, du könntest meine große Schwester sein oder fast Mutter, aber du bist nichts von beiden, sondern meine Freundin, eine ganz besondere, mit der ich mich immer verbunden fühle werde.<br />
Wir beide saßen letztes Jahr ganz schön im Mist, es stank und raubte uns den Atem, aber wir haben uns nicht kaputt machen lassen, uns gegenseitig an den Haaren gezogen, wenn eine kurz davor war in den Brunnen zu fallen. Das hat mir so viel Halt gegeben, wie es selbst der beste Klebstoff nicht schaffen würde.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>Es ist schon komisch, da draußen existieren tausende von Menschen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden findet, der genau zu einem passt? Eben. Und wenn es dann doch passiert, grenzt das schon an Wunder. Wir sind zwei Seelenmenschen, die sich einfach begegnen mussten.</p>
<p>Kürzlich las ich diesen Satz:</p>
<p>Ewig dein<br />
Ewig mein<br />
Ewig uns.</p>
<p>Ich habe mir erlaubt, diese Wörter für uns zu klauen und auf dem längsten Sonnenstrahl einzumeißeln. So können wir immer dorthin fliegen, alles hinter uns lassen und glücklich sein, wie wir es gewöhnt sind: sprachlos glücklich sozusagen. </p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Philosophie des Schmerzes]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=311</link>
<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 21:16:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/06/13/die-philosophie-des-schmerzes/</guid>
<description><![CDATA[Der Schmerz hat viele Formen, weißt du?
Nein, ich kenne nur den einen, wenn ich mich stoße oder hi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Der Schmerz hat viele Formen, weißt du?</p>
<p>Nein, ich kenne nur den einen, wenn ich mich stoße oder hinfalle. Oder wenn ich krank bin und schrecklich Halsweh habe.</p>
<p>Da hast du Recht, auch der gehört dazu, aber ich meine noch einen anderen, wenn man traurig ist und einem selbst die liebste Limonade nicht schmeckt.</p>
<p>Das ist auch Schmerz?</p>
<p>Im gewissen Sinne ja, meine Liebe. Dann weint das Herz und dein Bauch füllt sich mit salzigen Tränen. </p>
<p>Ja, das kenne ich. Oh, wie weh das tut. </p>
<p>Aber auch das gehört dazu wie ein Jauchzen, das du vor Glückseligkeit herausschreist. Das sind die Zeiten eines Menschens, die schmerzhaft sind, man keinen Eingang und keinen Ausgang findet. Es scheint dann, als gäbe es nur Häuser mit geschlossenen Fenstern, ohne Türen.</p>
<p>Aber warum muss das so sein? Wenn es uns nicht gut geht dabei?</p>
<p>Weil uns solche Momente erden. Wir landen mit unseren Füßen wieder auf dem Boden, sehen uns, wie wir sind, was wir haben. Und ganz wichtig, solche Schmerzen machen uns am Ende stärker. Sicherlich dauert das, aber wenn du das überwunden hast, manchmal kann es nur einige Tage und ein anderes Mal Monate dauern, gehst du ganz anders in die große weite Welt hinaus. </p>
<p>Das ist anders, als wenn ich mich gestoßen habe, warum?</p>
<p>Weil es aus dem Inneren kommt, hier her, aus deiner Seele und deinem Herzen. Das ist viel tiefer als eine Schürfwunde. </p>
<p>Gehören also Glück und Unglück zusammen, ja?</p>
<p>Genau, sie bilden eine kleine Symbiose, also eine Einheit, der Eine kann nicht ohne den Anderen. Schau, wie der Tag und die Nacht. Allein wären sie langweilig… stell dir vor, wenn es immer hell wäre. </p>
<p>So was wäre echt total doof. Ohne Sonnenuntergänge und so. </p>
<p>Stimmt. </p>
<p>Das sind die Formen von denen du gesprochen hast?</p>
<p>Ja, nenn sie die Philosophie des Schmerzes.</p>
<p>Das hört sich irgendwie anders an, nicht so hart.</p>
<p>Fast zärtlich, so als würde ich dich wie jetzt streicheln.</p>
<p>Ja, so und nicht anders.</p>
<p>Also hab keine Angst, Kleines. </p>
<p>Jetzt nicht mehr. </p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das Leben spielt seine eigene Melodie]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=300</link>
<pubDate>Thu, 29 May 2008 21:54:01 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/05/29/das-leben-spielt-seine-eigene-melodie/</guid>
<description><![CDATA[Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, denke ich besonders oft an eine Freundin. Warum genau jetz]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, denke ich besonders oft an eine Freundin. Warum genau jetzt? Vielleicht, weil ich den Geschmack vom Abschied schon auf meiner Zunge ertaste und mich das Ganze an eine Salzstange erinnert, die sich nicht auflösen will. Uns verbindet so Einiges: Berlin, Theater, Literatur, Kunst, Kaffee, Wein, Pfefferminztee, der Norden. Gleichzeitig schwebt ein dunkles Geheimnis über den Köpfen, das wir bis heute verschweigen.</p>
<p>Kennengelernt haben wir uns während eines Studienfaches, das wir beide als schwarzen Fleck in unserem Lebenslauf benennen und es deshalb raffiniert ausradiert haben. Heute noch prusten wir los, wenn wir daran zurückdenken. Und doch hätte es diese Stelle nicht gegeben, würden wir uns gar nicht kennen. Schon komisch das Leben, denke ich mal wieder.<br />
Es brauchte nicht viele Worte, bis der Bann gebrochen war. Sehr schnell schwänzten wir die Seminare, tranken stattdessen Kaffee und lachten mit der Sonne um die Wette. Eines Nachmittags tauchte eine Frage in meinem Kopf auf. Ich war ganz aufgeregt, wollte es nicht aussprechen, rief sie an und sagte:<br />
Du, ich muss mit dir reden.<br />
Ach, wie schön, ich auch, sagte sie.<br />
Als wir uns gegenüber saßen, schmiegte sich der Kaffeedampf müde in die kalten Fliesen über der Spüle, kehrte bald mit frischem Elan zurück, blieb dann an den Tassen hängen und uns verdeckte er die roten, aufgeregten Gesichter.<br />
Und? fragte sie im Nebel.<br />
Na ja, ich dachte, du bist unzufrieden mit deiner WG und ich mit meiner überteuerten Wohnung… wollen wir nicht…<br />
Sie lachte und sagte: Das Gleiche wollte ich dich auch fragen. </p>
<p>Das Glück brachte uns nach einem langen Marathon tatsächlich schneller als erwartet die Traumwohnung. Am Rande von Prenzlauer Berg, frisch renoviert, perfekte Zimmeraufteilung, im obersten Stockwerk, bezahlbar.<br />
Ich erinnere mich noch ganz genau, dass am Tag, an dem wir einzogen, die Sonne brannte. Es war Mai, der Winter lag hinter uns, während der Sommer sein verführerisches Lächeln ausetzte und lechzte. Es war höllisch heiß, folglich lief uns der Schweiß nur so runter und unsere Schuhe badeten unfreiwillig in kleinen Seen aus Salzkristallen.<br />
Schon damals mochte ich ihren kühlen Stil. Alles weiß, schlicht und die schöne Bauhauslampe auf ihrem Schreibtisch ließ mich jedes Mal vor Freude erschaudern. Ich mag es gar nicht sagen, aber ich habe sie oft in ihrem Zimmer besucht, nur um die wunderbare Lampe zu sehen, weil ihr Anblick mich so berührte, etwas in mir weckte, von dessen Existenz ich bis dahin noch gar nichts gewusste hatte. Meine Möbel sahen eher aus wie zusammengewürfelte Puzzleteile. In gewissem Maße spiegelten sie mein Ich wieder: ein Wirrwarr an Gedanken und Gefühlen. An meinen Wänden hingen keine Bilder, dafür einige Fragezeichen, die mir nachts ihre Lieder sangen.</p>
<p>Die Sonne strahlte auch Wochen danach weiterhin wie ein treuer Gefährte, doch es zogen allmählich dunkle Wolken auf, die wir zunächst übersahen. Für mich brach eine schwierige Zeit an, denn das Studium schlauchte mich und es gefiel mir von Tag zu Tag weniger. Sie kam mit den Semesterferien nicht klar, vergrub sich in ihrem Zimmer, die Kapuze tief im Gesicht. Die Zeit davor war auch nicht einfach gewesen. Im ganzen Klausurenstress wechselten wir kaum ein Wort miteinander, gingen uns förmlich aus dem Weg. Manchmal sprach sie mehr mit ihrem guten Freund, obwohl ich dabei war. Das tat sehr weh. Eines Abends erschrak ich im Kerzenlicht, denn ich hatte Angst vor ihr, Angst davor, wenn sie heim kommt, Angst vor ihrer Laune. Und dann tauchte ein junger Mann auf, der ihren Sinn für Warterei auf die äußerste Probe stellte. Unsere Wohnung glänzte noch immer in einer gewissen Schönheit, die man nicht wagt anzufassen, aus Vorsicht, sie durch eine ungünstige Handbewegung kaputt zu machen, aber die Bewohner erinnerten an Wände von denen der Putz längst abgeblättert war. Sie waren Schatten ihrer Selbst geworden und krochen am Boden. Kalt, distanziert, gefühllos.<br />
Ich machte durch meine spontane, manchmal naive Art noch alles schlimmer, an dem Tag, als ich ihr eröffnete, dass ich ausziehen wolle und schon Nachmieter gefunden hatte. Sie ging, ohne ein Wort zu sagen in ihr Zimmer, schmiss die Tür und blieb dort. Ich glaube, in der Nacht löste sich unsere Wohnung im Salz der Tränen auf. Einzig der Mond legte seinen kalten Mantel um unsere erhitzten Herzen.</p>
<p>Im Nachhinein ohrfeige ich mich dafür, dass ich so war wie ich war, wir nicht öfter mit einander sprachen, ich statt mit Vorwürfen nicht einfach meinen Arm um sie gelegt habe… Einiges wäre anders verlaufen und doch weiß ich: Wir sind zu sehr zwei Individualistinnen, zwei Querköpfe, anspruchsvolle Charaktere, die ihren gegenseitigen Abstand brauchen, um nicht zu ersticken. Es würde heute auch nicht besser laufen.<br />
Einige Freundschaften zerbrechen nach solchen Aktionen. Ich habe es in meinem Bekanntenkreis selbst erlebt. Lange Zeit hielten auch wir uns nach dem Auszug bedeckt. Mir blieben einzig allein die Erinnerungen an die lustigen Parties, denn sie kannte etliche Leute in Berlin und die wiederum brachten viele andere mit. Und an die Abende, wo wir bei Kerzenschein in unserer kalten Küche saßen, ihre Art, meinen Namen auszusprechen, Tage, an denen wir unsere Sonnenbrillen nicht absetzten und bei heißen Gläsern mit Pfefferminztee in einem Abbruchcafé saßen, dabei gemeinsam in der Melancholie schwammen…</p>
<p>Bis wir uns vor zwei Jahren wiedersahen. Da tauschte ich die Erinnerungen aus oder halt nein, sie bekamen eine andere Farbe. Sie hatte ebenso wie ich ihr Studium geschmissen und war in den Ernst des Berufslebens zurückgekehrt. Während wir an unseren Limonaden nuckelten, merkte ich: Wir waren erwachsene junge Frauen geworden, die ihr Ziel endlich gefunden hatten. Lange saßen wir an dem Nachmittag zusammen, bald musste ich wieder los, weil ich noch in einer anderen Stadt wohnte.<br />
Nun bin ich hier her zurückgekehrt, habe mich eingelebt und nenne auch ihren Namen, wenn ich von meinen Freundinnen in Berlin spreche. Wir sind reifer geworden, haben uns weiterentwickelt und ignorieren einfach diese eine Geschichte. Nun könnte alles so schön sein, ein zweiter Versuch, es kommt mir vor, als stünde ich auf einer Leiter greife nach einem roten Apfel und rutsche ab, denn ausgerechnet jetzt packt sie Kartons und bereitet sich auf ihren Umzug nach Holland vor. </p>
<p>Auch das ist das Leben, denke ich. Es bewahrt dich nicht vor Veränderungen und Abschiede. Sie kommen angeschlendert, ohne dich vorher zu fragen, ob du damit einverstanden bist oder nicht. Es spielt seine eigene Melodie und du sitzt auf dem Balkon, deine Beine baumeln, du guckst zum Mond, in der Hoffnung, er möge hinter seinem Grinsen eine passene Antwort hervorzaubern. </p>
<p>Während ich noch den silbernen Schein auf meinem Kopf spüre, weiß ich eins genau: Heute finde ich in meinem Herzen nicht nur die Erinnerungen von damals, sondern dich, so wie du bist und immer sein wirst. </p>
<p>Viel Glück, meine Liebe. Und wenn es sein soll, sehen wir uns wieder.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[La chat noir]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=246</link>
<pubDate>Mon, 12 May 2008 13:38:56 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/05/12/la-chat-noir/</guid>
<description><![CDATA[Prolog
Erst die vergangenen Tage las ich bei Ada Mitsou einen Text über die Melancholie, fand ihn s]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Prolog<br />
</strong>Erst die vergangenen Tage las ich bei <a href="http://noamitsou.wordpress.com/2008/05/06/ich-bin-die-die-sich-zuruck-sehnt/">Ada Mitsou </a>einen Text über die Melancholie, fand ihn so schön, dass ich mir auch Gedanken über das Thema gemacht habe oder sagen wir, es war viel mein Geist, der zu mir sprach, angestoßen von der Seele, die leise sang.</p>
<p><strong>Die geschmeidige Katze der Melancholie</strong><br />
Wir können es nicht ändern, dass wir sind wie wir sind. Die Götter haben uns eine sehr empfindsame Seele geschenkt und es ist gut so. An manchen Tagen jedoch wollen wir sie in den Papierkorb zu den anderen zerknüllten Zetteln werfen. Es scheint, sie mache genau dann alles kaputt, was wir gerade aufgebaut haben. Die geschmeidige Katze der Melancholie - la chat noir - springt über den sauberen Tisch, schmeißt die Vase der blühenden Gedanken um und legt frech ihren Schwanz um unsere heitere Seele, während wir tiefer fallen als uns lieb ist.<br />
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<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/la_chat_noir.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-247 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/la_chat_noir.jpg?w=300" alt="" width="300" height="218" /></a></p>
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Genau dann möchtest du dich an einem Seil festhalten, das dich aus dem Schatten des Brunnens zieht. Irgendwie ist es komisch, dass la chat noir keine Rücksicht darauf nimmt, wie das Wetter ist. Eigentlich müsste sie erscheinen, wenn es regnet oder der Himmel seinen grauen Anzug trägt, aber nein, sie kommt angeschlendet mit ihrem Hut in der einen Pfote und den Schirm in der anderen, auch wenn die Sonne über unseren Köpfen scheint. Alle andere Menschen um uns herum sind glücklich - sie erwecken mit ihren Lachen zumindest den Eindruck - und du sitzt da, ziehst deine Sonnenbrille immer weiter ins aufgewühlte Gesicht und möchtest am liebsten die ganze Zeit weinen. Obwohl du keinen richtigen Grund dazu hast. Die Traurigkeit ist einfach da wie die Spatzen, die vom Boden Brotkrümel aufpicken.</p>
<p>Manchmal ist es anstrengend oder gar ermüdend eine Freundin der chat noir zu sein. Schnell vertauschen wir die Gefühle in uns, fühlen uns einsam, obwohl wir es nicht wirklich sind. Aber genau dann sind wir wie kleine Mädchen oder Jungs, die im Schoße der Mutter liegen wollen. Im Innersten jedoch kennen wir uns und die Kraft, die wir später daraus schöpfen werden; in den Momenten sind wir uns so nah wie sonst nie, ohne Make-up oder Krawatte. Andere, die la chat noir nicht kennen, haben Angst vor uns, denken, wir seien depressiv und zu nichts in der Lage. Was für ein Quatsch! Die einen haben Magengeschwüre, andere kämpfen mit hohen Blutdruck oder Herzrasen. Wir spüren in hektischen Zeiten eben einen Blues in uns, der an dunkle Nächte, an schwarze Katzen erinnert, die miauzend auf der Dachrinne sitzen und zum Mond sprechen.</p>
<p>Dass wir la chat noir an unserer Seite wissen, macht uns zu ganz besonderen Menschen. Wir sind keine Weicheier etwa wie einige aufgeblasene Zeitgenossen meinen, sondern wunderbar-schillernden Paradiesvögel, die sich in Ruhe auf ihren nächsten Flug vorbereiten.<br />
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<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/paradiesvogel.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-249 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/paradiesvogel.jpg?w=200" alt="" width="200" height="274" /></a></p>
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</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Besuch der schwarzen Dame]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=183</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 21:05:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Sie setzt sich auf mein Herz, vollkommen unerwartet und ich weiß nicht, wohin mit ihr. Die schwarze]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Sie setzt sich auf mein Herz, vollkommen unerwartet und ich weiß nicht, wohin mit ihr. Die schwarze Dame erscheint oft dann, wenn man am wenigsten mit ihr rechnet. Eben noch sprang ich wie ein junges Reh durch die Wohnung, sammelte die Regentropfen, die von draußen durchs Fenster kamen, säuberlich ein, um die Blumen damit zu gießen. Nun schlüpft die Melancholie durch meinen Mund, sickert in langsamen Schüben in meine Seele, verweilt dort.</p>
<p>Ich schaue dich an und du fragst mich was, aber ich verstehe nichts, ich bin taubstumm eingehüllt in den tiefen Mantel des Schweigens, während sich die Tränen winden, als könnten sie sich nicht entscheiden, ob sie laufen sollen oder nicht.<br />
Der einzige Halt, so scheint mir, sind die Tasten des Rechners und die Buchstaben, die selbstständig auf und ab tanzen. Ich vergesse das Denken, gebe mich ganz der Dunkelheit hin.<br />
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<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/04/melancholie.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-182" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/04/melancholie.jpg" alt="" width="238" height="300" /></a></p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<br />
“Tanz, tanz, du süßer Schmerz, bedien dich an dem, wonach du durstest. Ich weiß, dass dich viele Menschen unterdrücken wollen, sie suchen nach einer Stopp-Taste, finden sie oft nicht und betäuben dich schließlich. Bei mir bist du aber sicher, denn ich akzeptiere dich, du gehörst genauso zu mir wie mein Atem. Du bist so ergiebig, wenn man dich versteht, eine wahre Quelle für uns sensible und kreativen Wesen. Wir schätzen dich, fühlen deinen Rhythmus und bewegen uns dazu, auch falls es sein muss bis zum Morgengrauen, wenn die ersten Sonnenstrahlen unsere schattigen Augen überstrahlen. Genau dann stehen wir mit freiem Herzen vor dir, küssen dich und sagen: Goodbye.”</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Angekommen]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=163</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 07:29:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das ist die Geschichte, die ich nie erzählen wollte, als ich noch in meiner heimatlichen Provinz le]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist die Geschichte, die ich nie erzählen wollte, als ich noch in meiner heimatlichen Provinz lebte. Damals hätten sie noch mehr mit dem Finger auf mich gezeigt und gerufen: "Guck mal, das ist die, du weißt schon."</p>
<p>Vor vielen Jahren, als junges Mädchen, zelebrierte ich mein Anderssein mit ungewöhnlichen Klamotten. Normales war mir schon immer suspekt gewesen und ich fand es genauso langweilig wie eine kalte Tasse Kamillentee. Ich wollte keine faden Jeanshosen tragen, sondern tauschte sie gegen silberfarbene Satinhosen oder farbig-gestreifte Miniröcke ein, die mich an glückliche Regenbogen am halb verregneten Himmel erinnerten. Meine Haare spielten wöchentlich mit Tönungen, schwammen mal hier im Kaminrot, dort im Rouge Noir, wenngleich mir meine Mama sagte: "Kind, mit den Farben siehst du noch blasser aus als du sowieso schon bist." Mir war es, ehrlich gesagt, egal, denn die Farben erzählten mir von dieser anderen Freiheit, nach der ich mich so sehr sehnte.</p>
<p>Natürlich blieb das Abgrenzen nie ohne Folgen. Ich erinnere mich noch, wie schnell ich errötete, wenn ich durch die Fußgängerzone schlenderte, stets spürte ich die aufdringlichen, bohrenden Blicke der anderen auf dem Rücken und verfluchte mich dafür, nicht eine von ihnen zu sein. Einfach mit dem zufrieden zu sein, was ich hatte. Dieses Gefühl, nicht in die Menge zugehören, setzte mir manchmal doch arg zu. Das Alltägliche musste für mich nicht immer unbedingt etwas Überraschendes, etwas Zauberhaftes in seinen Taschen versteckt halten, es war etwas anderes, Elementares, nach dem ich mit meinen neugierigen Augen Ausschau hielt. Häufig saß ich mit meinen damaligen Schulfreundinnen zusammen, alle waren lieb und nett zu mir, ihr herzliches Gelächter hängt noch heute in den Ohren, und doch ertappte ich mich oft dabei, wie allein ich mich fühlte und dass ich an den gemeinsamen Abenden wegflog, weil ich es vor bibbernder Kälte im Herzen nicht mehr aushielt. Und so begab ich mich auf die Suche nach einem Ort, wo ich ähnliche Menschen wie mich finden sollte. Meine Seele erhob sich ganz vorsichtig, fast geräuschlos, flog durch das Cocktailglas und suchte nach diesem Anderen, ein Paralleluniversum, das mir noch näher zu sein schien als mein eigener Hund, der bis in die Nacht auf mich wartete. </p>
<p>Würde ich es je finden? fragte ich mich und lehnte später, als ich allein in meinem Zimmer zurückkehrte und bis zum kleinen Zeh fror, den Kopf an das kalte Fenster mit dem Blick in die klare Nacht, hinauf zu den Sternen, die mich an beiden Armen festhielten. Ich hoffte und wünschte es. Die salzigen Tränen in meinem Kopfkissen versprachen es mir einige Stunden danach kurz vorm Morgengrauen: "Irgendwann wirst du es bekommen, Kleines. Glaub nur daran und vor allem: Glaub an dich."</p>
<p>Und eines Tages geschah es. Eine Nacht in Hamburg. Vollkommen unerwartet, wie so vieles im Leben. Ich saß mit meinen Freundinnen in einer dieser hippen Bars und spielte mit meinen Haaren. Da tauchte er aus dem Nichts auf. Ganz in Schwarz. Eine Halbglatze, ein spitzer Bart und ich spürte, wie sich eine Gänsehaut über meinem Körper bis in die hinterste Ecke des Herzens zog. Eigentlich interessierten mich damals keine anderen Männer, weil ich mit jemandem zusammen war, aber Glück sah anders aus, sollte ich in dieser Nacht feststellen. Jeder aus meinem Familien- und Freundeskreis sagte mir, wie toll der damalige Freund war, der mir jeden Goldschatz ausgrub, wenn ich es nur wollte, aber keiner ahnte, wie einsam ich mich oft in seinen Armen fühlte. Da war in vielen Situationen kein Verstandenwerden. Ich erinnere mich beispielsweise an einen Kinobesuch, der mich innerlich so aufgewühlt hatte, dass ich schreien wollte, und ich scharrte stattdessen mit den Füßen auf den Boden als würde er einen aufdringlichen Juckreiz verspüren und hätte mich darum gebeten, ihn zu kratzen. Meine Gedanken wollten rausfliegen, hinein in ein weiches Netz, doch sie fielen gegen einen harten, kalten Stein. Er konnte nichts dafür, ich spürte, wie sehr ihn das beschäftigte, aber es passt nun mal nicht jede Mutter auf eine Schraube - so sehr man es sich auch manchmal wünschte. Gegen so genannte Wellenlängebrüche half auch nicht der beste Gipsverband. Ich brauchte leider viel zu lange, um zu verstehen und habe damit jemanden sehr weh getan.</p>
<p>"Darf ich?" fragte der Men in Black.<br />
"Gern", antwortete ich und er setzte sich neben mich.<br />
"Du hast wunderschöne Hände", sagte er.<br />
"Meine Hände?"<br />
"Ja."<br />
"Das hat mir noch nie jemand gesagt. Dankeschön. Außer meine Mama, die meint, ich hätte mit den langen Fingern auch gut Frauenärztin werden können."<br />
Er lachte und bot mir eine Zigarette an, die viel zu edel klang dafür, dass sie ja eigentlich böse zu unser Lunge war.<br />
"Silk Cut."<br />
"Kenne ich nicht."<br />
"Aus England."<br />
"Ich rauche nicht mehr, aber danke."<br />
Und dort sah ich es, dieses Funkeln hinter seiner Iris. Ohne, dass ich etwas tat, nahm sie meine Hand, streichelte sie sanft, küsste mich und zog mich an den Ort, den ich so lange vergeblich gesucht hatte. Da war so eine Vertrautheit, die an den Bauch der eigenen Mutter erinnerte, ohne irgendwelche Erklärungen, sie war einfach da.</p>
<p>Wir sprachen viel in der Nacht. Über uns breitete sich ein Zauber aus, so heimlich, dass wir gar nicht bemerkten, wie kleine Feen uns unauffällig funkelnde Kronen auf die Häupter setzen, die goldig im matten Licht leuchteten und wir vergaßen alle anderen um uns herum. Zum ersten Mal hatte ich das wirkliche Gefühl, nicht allein zu sein in dieser lauten schnellen Welt. Ich kannte diesen Menschen nur ein paar Stunden und es kam mir vor, als wären wir uns nie fremd gewesen.</p>
<p>Ich war angekommen.</p>
<p>Heute küsst er mich jeden Morgen wach und sagt:<br />
"Hab keine Angst davor anders zu sein. Menschen wie uns braucht die Welt, denn wir sind das Salz in der Suppe."<br />
Es wäre eine Lüge von mir zu behaupten, dass mir das Anderssein mittlerweile leichter fällt, aber ich bin nicht mehr allein damit, ich habe jemanden an meiner Seite, der mich auffängt, wenn ich ein Loch übersehe und Wellenlängebrüche habe ich seit unserer Begegnung nie mehr erlebt.</p>
<p>Wenn ich jetzt in den Nachthimmel schaue, friere ich nicht mehr am kalten Fenster und mein Atem geht wesentlich ruhiger.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verlorene Königskinder ]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=130</link>
<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 20:46:49 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Du könntest meine Schwester sein. Du bist wie sie sechs Jahre älter als ich und mir heute Nacht ve]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Du könntest meine Schwester sein. Du bist wie sie sechs Jahre älter als ich und mir heute Nacht verdammt nah, so nah, dass ich Gänsehaut bekomme und feuchte Augen. Ich schaue tiefer in den Nachthimmel, um meine wahren Gefühle zu verbergen, suche nach leuchtenden Sternen, an denen ich mich festhalten kann.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du bist traurig, so sehr, dass es dir dein Herz zerreißt und die eine Hälfte ins Weinglas fällt wie eine Wimper, die sich spontan vom Lid löst. Dort schwimmt sie nun, die eine Scheibe und weiß nicht so recht, was sie machen soll. Obenbleiben? Untergehen? Die Antwort kennt der Wind, höre ich in den leicht gebogenen Muscheln meiner Ohren. Und wenn nicht der Wind die Lösung kennt, dann nur du. Ich jedenfalls nicht, denn du bist du und ich bin ich.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du hast etwas gemacht, dass bei vielen Frauen auf kein Verständnis trifft. Zum zweiten Mal, sagst du. Das ist nicht gut und so schon gar nicht, doch ich stelle mich nach hinten und lasse meinen Schatten urteilen. Er krabbelt auf deinen Arm, weiter auf die Schulter, in den Mund und hüpft geschickt zwischen deine Zähne durch deinen Rachen in deine Speiseröhre. Von da aus rutscht er weiter durch die Lunge und biegt vorher nach links ab in die Kammern, die mit weichen rotem Plüsch gefüllt sind.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du sagst, du hast zwei Seiten in dir und kannst dich nicht so recht für eine der beiden entscheiden. Das erwartet keiner von dir. Ich glaube viel mehr, ohne mich mit einem Doktortitel zu schmücken, dass du die eine Seite nicht zulassen möchtest. Mit einer gewissen Überheblichkeit schiebst du sie sachte von dir und tust, als würde es sie gar nicht geben, fast so als wäre sie eine Narbe, die du krampfhaft versuchst, jeden Morgen zu überschminken, doch Lügen, dass weißt du selbst, haben nicht lange Bestand. Irgendwann lösen sie sich auf wie der Nebel, der zwischen Morgentau und Mittagssonne in den Blättern verdampft.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du suchst die Schuld bei dir, was in erster Instanz richtig und korrekt ist. Du bist Täterin, er das Opfer. Und dennoch möchte ich die Tatsache nicht wegwischen, dass in eine Beziehung immer zwei Parteien gehören. Einige sprechen hier gern von der ausführenden und andere von der entgegennehmenden Seite. Aktiv und Passiv. Soll und Haben. Plus und Minus. Aus der Ferne konnte ich durch mein Fernglas folgendes sehen.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du hast dich formen, dich zu der machen lassen, wie er es wollte und hast dabei auf Sachen verzichtet, die dir Spaß machen. Genau das ist das Todesurteil für jede Beziehung, so steht es nicht nur in zahlreichen Ratgebern geschrieben, so berichtet auch das Leben. Warum zerbröseln irgendwann einige Lieben? Weil man sich auseinandergelebt hat, klar, aber auch, weil man versucht hat, dem anderen durch dem gerecht zu werden, wie er oder sie es wünschte.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Du bist ähnlich wie ich zu früh erwachsen geworden, folglich fällt es nicht immer leicht, uns fallen zu lassen, weil wir den schweren Rucksack der Verantwortung nicht absetzen wollen, was wiederum eine Kette an Reaktionen mit sich zieht, ohne uns darüber bewusst zu sein.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Wir sind stark und wissen es nicht.<br />
Wir haben Rückgrat und kennen es nicht.<br />
Wir sind hin- und hergerissen und wollen es nicht.<br />
Wir sind wir und uns manchmal fremd im Spiegel.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Irgendwo dazwischen treffen wir uns im Schein des silbernen Mondes, in der schwimmenden Hoffnung, dass alles in unserem eigenen Kartenhaus seinen richtigen Platz einnimmt. Und in alldem, was uns manchmal wie Chaos erscheint, suchen wir nach den passenden Kronen wie die verlorenen Königskinder.</font></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Konservierte Tränen]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/03/20/konservierte-tranen/</link>
<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 23:43:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich sehe dich an und weiß nicht, was ich machen soll. Aus einem Reflex heraus möchte ich deine Tr]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Ich sehe dich an und weiß nicht, was ich machen soll. Aus einem Reflex heraus möchte ich deine Tränen, die dir wie Bäche über dein hübsches Gesicht kullern, auffangen und meine von den Tulpen leergetrunkene Vase füllen. Also reiche ich dir statt eines Taschentuchs ein leeres, hohes Glas.<br />
</font><font size="2" face="Verdana">Was machst du? fragst du.<br />
Deine Tränen sammeln.<br />
Warum?<br />
Ich möchte sie für dich konservieren. (Dass mit der Vase verschweige ich.)<br />
Und?<br />
Gleich ins Tiefkühlfach stellen, vorher natürlich in die Tüte für Eiswürfel umfüllen.<br />
Aber warum? fragst du erneut.<br />
Als Dokument, als Beweis sozusagen.<br />
Warum?<br />
Hast du kein anderes Fragewort?<br />
Wieso?<br />
Ich möchte dir, wenn du später, anders über das Thema denken wirst, dir die Wahrheit zeigen, die du mir heute Abend offenbarst.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"></font><font size="2" face="Verdana"></font><font size="2" face="Verdana">Dein Mund steht offen, deine Augen formen sich zu kleinen Schlitzen und erinnern mich an eine wütendende Japanerin, die nicht den passenden Obi zu ihrem Kimono finden kann.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><br />
</font><font size="2" face="Verdana">Du machst dich über mich lustig.<br />
Nein, ich bin offen und ehrlich. Ich meine, du beschwert dich immer, weshalb du immer in die gleichen Fallen tappst. Und am Ende sitzt du vor mir, erschöpft und vollkommen fertig mit der Welt und mit dir, weißt weder ein noch aus, verfluchst dich, knabberst an deinen Fingernägeln, drehst dir Locken in die Haare und wunderst dich, warum - das übrigens dein Lieblingswort sein muss - es dir ständig widerfahren muss.<br />
Ich verstehe nicht.<br />
Hallo? Sind wir nicht auf der Welt, um zu lernen? Um aus Fehlern eine weise Erfahrung zu sammeln, um das nächste Mal nicht in die gleich Falle zu tappen?</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Es sind mindestens vier Monate her, dass wir so zusammen saßen. Du hast dich damals im Kerzenschein über mich später lustig gemacht, hast dich versucht im Eifer des Gefechts zu retten, mir geschworen, dass du nie wieder den Fehler begehen wirst. Nun lege ich den Telefonhörer auf und warte auf dich, wie immer, danach und ich frage mich: Wann wird es jemals anders sein? Deine Tränen ruhen in meinem Tiefkühlfach, einmal habe ich sie tatsächlich mit den wirklichen Eiswürfeln vertauscht und wunderte mich, dass der Gin salzig schmeckte.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Es klingelt. Das Glas steht schon auf seinem Platz. Und das Warum klein zusammengeknüllt daneben.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/tranen.jpg" title="tranen.jpg"></p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/tranen.thumbnail.jpg" alt="tranen.jpg" /></div>
<p></a></font></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das laute Echo der Farbe Schwarz]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/02/25/das-laute-echo-der-farbe-schwarz/</link>
<pubDate>Mon, 25 Feb 2008 19:09:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Sie liebt traurige Geschichten. Warum, wieso und woher die tiefe Sehnsucht dafür rührt, weiß sie ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Sie liebt traurige Geschichten. Warum, wieso und woher die tiefe Sehnsucht dafür rührt, weiß sie nicht. Und eigentlich wäre ihr die Leidenschaft nie wirklich aufgefallen, wenn eine Freundin sie kürzlich nicht mit der Nase darauf gestoßen hätte. Die Begeisterung für die Tristesse ist für sie so selbstverständlich wie der der tägliche Schluck aus der Teetasse zum Frühstück.<br />
Muss ich mir ernsthafte Sorgen um dich machen? fragte die Freundin.<br />
Ach, eigentlich nicht, sagte sie und lächelte.</font><font size="2" face="Verdana">Wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, ist es nichts wirklich Außergewöhnliches. Einige Menschen würden es wahrscheinlich nie ganz nachempfinden können und so tief man ihr auch in die Augen schauen würde, die Antwort käme nie zum Vorschein. Es mag einen manchmal vielleicht an das vergebliche Suchen nach vierblättrigen Kleeblättern auf einer großen Wiese am Waldesrand erinnern.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Schon als Kind war sie kein gewöhnliches Mädchen, das mit Puppen spielte oder Pferde liebte. Rosa hasste sie wie die Pest und all die anderen doofen Mädchenfarben. Noch heute denkt sie gern an den Moment zurück, als sie sich ihr erstes eigenes Geld beim Eisladen verdient und kurze Zeit später die zarten farbigen Sachen gegen Schwarzes ausgetauscht hatte. Zunächst beäugte ihre Mutter sie mit einem kritischen Blick, ließ sie aber machen, als sie erleichtert feststellte, dass ihre Tochter kein schwarzes Mädchen wurde, wie die anderen, die sich regelmäßig am Wochenende abends auf dem Rathausplatz trafen.<br />
</font><font size="2" face="Verdana">Ich bin doch kein Gothik-Girl, Mama, sagte sie.<br />
Gossick-was?<br />
Gothik ist eine Subkultur der Post-Punk- und Dark-Wave-Bewegung aus den 70er Jahren.</font><font face="Times New Roman"> </font><font size="2" face="Verdana">Sie grenzen sich durch ihr Aussehen von der Masse ab und zeigen irgendwie auch so ihren Protest gegen die Gesellschaft. Mit der Farbe Schwarz signalisieren sie ihre, ja nennen wir es, Todessehnsucht. Das sind in der Regel sehr intelligente Menschen, die sich von der Welt nicht verstanden fühlen und sich zusammenfinden. Im Grunde sind sie nicht so böse wie sie aussehen, ganz im Gegenteil, oftmals sind es sehr sensible Wesen, die es im Leben nicht leicht hatten und in der schwarzen Szene eine Familie finden, bei der sie sich geborgen fühlen.<br />
</font><font size="2" face="Verdana">Schlaues Mädchen.</font><font size="2" face="Verdana"><br />
Ach, Mama, nun komm mir bitte nicht so. Ich habe mir oft solche Fragen anhören müssen, gerade in der Anfangszeit von meinen Freundinnen.<br />
Von Sylvia und Clara?<br />
Ja, auch von denen. Ich mag die Farbe, weil sie mir am besten steht, mich dem Stilbewusstsein näher bringt und außerdem sieht man da nicht meine Schweißflecken, du weißt ja.<br />
Du kennst meine Meinung dazu. Das kommt von deinem Deo.<br />
Ja, Mama, mag sein und lass uns bitte nicht über das leidige Thema reden. Du wolltest die Anwort auf Gothik und damit ist es nun gut, ja?<br />
Ja.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Manchmal verstand sie ihre Tochter nicht und sie machte ihr ein bisschen Angst. Dieses Eigenbrödleresche. Die anderen Freundinnen hatten längst einen Freund und sie noch nicht. Wenn die Mutter sie darauf ansprach, bekam sie stets den gleichen Satz zu hören:</font><font size="2" face="Verdana">Ich habe meine besonderen Ansprüche und möchte nicht irgendeinen dahergelaufenen Jungen nehmen, nur damit ich einen Freund habe. Und die ich wollte, wollen mich nicht.</font><font size="2" face="Verdana"> </font><font size="2" face="Verdana">Was ihre Mutter nicht wusste, war, dass sie sich mit einem unglücklichen Händchen die Jungs aussuchte, die etwas älter waren, nicht zwei Jahre, sondern ab fünf aufwärts. Das Komplizierte an der Sache war: Vom Äußeren glich sie Mädchen, die jünger waren als sie. Wie es jedoch im Inneren aussah, wollten die Männer dann schon nicht mehr wissen. So war das eben in der Kleinstadt. Irgendwie wurde da auch auf eine Art Inzest betrieben, dachte sie. Jeder kannte jeden und es sprach sich schnell herum, wenn was passierte oder es zu Kopulationen kamen. Deshalb zählte sie mit 18 Jahren die Monate, bis sie ihre Sachen packen und weggehen konnte aus dem Mief, der nicht nur streng nach Kuh, sondern zusätzlich nach einem proletigen Parfum roch, das es mit dem Schweißgeruch konkurrenzlos aufnehmen konnte. In der Kleinstadt am Meer war alles so oberflächlich wie eine Eisfläche. Es gab kaum einen, der gern Löcher graben und nach Schätzen unter dem Gefrorenen suchen wollte. Das wiederum war ein Grund mehr, warum sie abends selten ausgegangen war. Oft drehte sich alles um das Haben und nicht um das Sein. Diese Tatsache musste sie leider mit Tränen in den Augen unter die schweren Akten der Schmerzen ablegen.</font><font size="2" face="Verdana"> </font><font size="2" face="Verdana">Vielleicht mag da auch der Grund für die Liebe zur dunklen Macht liegen, weil sie eben nicht durchschaubar war. Die Hauptpersonen in ihren Büchern trugen stets schwere Päckchen mit sich, doch irgendwie schafften sie es häufig daraus eine Stärke zu ziehen, auch wenn es nicht immer gut ausging. Das juckte sie herzlich wenig, nein, es bewegte sie auf eine ganze besondere Weise. Das Leben war schließlich auch kein Honigschlecken. Bücher waren für sie eine Art Spiegel, in dem sie sich sah, einiges hinterfragte und manchmal die eigenen Dinge aus einem neuen Blickwinkel betrachtete. Was sollte sie bitteschön mit Lovestories, von denen man von vorne herein ahnte, wie gut sie ausgingen? Unterhalten lassen konnte man sich eben so gut vom Fernsehen oder vom Kino. Obwohl sie dort ebenso auswählte. Für sie musste jede Sekunde des Lebens tatsächlich sein, sie wollte spüren, dass sie lebte und lehnte das Sich-Berieseln-Lassen kategorisch ab. Dazu war ihr Geist zu hungrig und die Neugier auf die Welt hinter dem Horizont am Ende des Meeres zu groß.</font><font size="2" face="Verdana">Es gibt Menschen, die sind von Natur aus Sonnengemüter, optimistisch veranlagt und es gibt Menschen, die tragen von sich aus eine Melancholie im Herzen. Das kann man der ersten Sorte nicht immer ganz begreiflich machen, weil viele bei dem Wort Melancholie zurückschrecken, als hätten sie gerade leibhaftig ein Gespenst vor sich vorrüberziehen sehen. Einige vertauschen in ihrer Eile schnell die Melancholie mit Depression. So ein Quatsch. Regen ist ja auch nicht automatisch Schnee, da liegen einige Welten dazwischen, wenngleich sie aus dem gleichen Grundstoff, dem Wasser, bestehen. Sicherlich neigen einige Melancholiker zu dunklen Phasen, das liegt vor allem daran, dass es sehr sensible Menschen sind, die viel aufnehmen und verarbeiten wollen. Sie stoßen öfter an ihre Grenzen und gleichzeitig sind es häufig diejenigen, denen wir großartige Bücher, Bilder und Filme verdanken.</font><font size="2" face="Verdana">Sind es nicht die traurigen Songs, die uns besonders berühren? Sind es nicht die Gedichte, gefüllt von Zweifeln, die nicht nahtlos an uns vorbeiziehen? Sind es nicht die Filme, die den harten Alltag dokumentieren, die uns am meistern aufwühlen? Warum? Weil sie menschlich, ehrlich und wahrhaftig sind. Weshalb mögen wir beispielsweise die Kommissarin Bella Block, gespielt von Hannelore Hoger, aus dem ZDF? Weil sie nicht immer strahlend daherläuft, sich durch ein künstliches Lächeln schmückt, sondern ganz sie selbst ist und dazu gehören eben auch nachdenkliche Abende, die sie vorzugsweise mit dem Wein teilt.</p>
<p>Nein, sie sträubt sich nicht dagegen, dass sie ein sensibles Wesen ist, das zu häufig von ihrer emotionalen Seite gelenkt wird. Mittlerweile hat sie den dunklen Vogel in ihrem Herzen einen guten Platz zu gewiesen. Zu schön sieht er aus und zu köstlich klingen seine Lieder. Und doch bewegt es sie, dass die Menschen vor der Farbe Schwarz gleich aufheulen wie Hunde, denen man aus Versehen auf den Schwanz getreten hat. Sie lacht. Klar, denkt sie, die Farbe macht den Leuten Angst, weil sie sich nicht einordnen können und viele verbinden damit auch den Tod, wobei Tod ja eigentlich nichts Schlimmes ist, denn er gehört zum Leben dazu wie die Geburt. Alles ist im Fluss und nicht endlich. Die Buddhisten haben es längst erkannt.</p>
<p>Wohin sie die Farbe und die Leidenschaft der Tristesse wieder getragen hat, denkt sie, lacht aus voller Kraft und zieht den Reißverschluss ihrer Jacke nach oben, während sie ihrer eigenen Tochter entgegenläuft, die aussieht wie ein Rabe, der zu viel vom bunten Malkasten genascht hat.</p>
<p></font></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nachtschattengewächs]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/02/22/nachtschattengewachs/</link>
<pubDate>Fri, 22 Feb 2008 22:38:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.de.wordpress.com/2008/02/22/nachtschattengewachs/</guid>
<description><![CDATA[Lange hatte sie das zarte Leben auf der Fensterbank nicht gegossen. Es waren viel mehr die Regentrop]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Lange hatte sie das zarte Leben auf der Fensterbank nicht gegossen. Es waren viel mehr die Regentropfen, die durch die Spalten hindurch auf die grünen Inseln sprangen und von der Welt da draußen berichteten. Irgendwie erinnerten die Tropfen an kleine Sternschnuppen, die mit ihren goldigen Zacken ein Hauch von Esprit als eigene Visitenkarten hinterließen. Manchmal übernahm auch der runde Ballon am Nachthimmel das Ruder. So wuchs die Pflanze Nacht für Nacht im silbernen Schein des Mondes, still und heimlich trank sie durstig von dem Licht, das sie für sich brauchte. Man hätte sie gar nicht wahrgenommen, wenn es nicht in regelmäßigen Abständen die kleinen Seufzer von der Fensterbank gegeben hätte. Doch irgendwann brauchen alle Lebewesen richtige Nahrung, bei der Fauna und Flora sind es das Wasser und beim Menschen die Abwechslung.</p>
<p>Zu spüren, dass man wirklich lebt und ein Teil des großen Ganzen ist, dass einem täglich ins Fenster fliegt. Kein passiver Zuschauer, sondern aktiver Schauspieler.</p>
<p>Sie raffte sich auf, schaltete den Fernseher aus und begann mit der Maskerade. Gierig wie eine hungrige Bärin tunkte sie ihre Finger in den Lidschattentopf, edle Substanz. Kein billiger Scheiß, sondern richtig gute Farbe von Mac. Noch zwei Jahre später erfreute sie sich an dem teuren Puder, der ihre Augen zum Strahlen brachte. Damit malte sie ihre Augen an und täuschte alle, die ihren Blick suchten. Das bisschen Grün, was sich in der blau-grauen Iris versteckte, zog sie hervor, geschickt und liebevoll wie eine Malerin, die nur das Beste für ihr Bild will. Wenn doch mehr Frauen von dem Zauber Gebrauch machen würden, dann würde die Welt glanzvoller im Schein des Grauen hervorgehen und die Männern, ach ja, die Männer, würden es den Damen danken, dachte sie.</p>
<p>Die künstlichen Wimpern hatte sie sich irgendwann während der Faschingszeit gekauft und holte sie nur zu besonderen Anlässen heraus. Es ist eigentlich so einfach, sagte sie zu Herbie ihrem kleinen Plüschfrosch im Bad. Er pfiff freudig sein Lied vom tiefen Moor und sagte aufgeregt:</p>
<p>Mademoiselle, von mir aus könnten Sie öfter ausgehen.</p>
<p>Kleiner Charmeur, antwortete sie und übermalte die Röte mit dem Make-up. Sie verstand überhaupt nicht, wie einige Frauen Stunden im Bad verbrachten, bei ihr dauerte es maximal 15 Minuten. Tsss. Nun ja, ich bin nicht die anderen, sondern ich bin die einen.</p>
<p>Die ersten Regentropfen platschten gegen das Fenster und der Sturm hatte zugenommen. Für einen kurzen Augenblick, dachte sie, nein und schob den Gedanken schnell beiseite wie die roten Hausschuhe, die im Weg standen. Sie schlüpfte in ihre enge Jeans und dankte dem Gott, wie so oft, für ihre knabenhafte Figur. Der kleine Buddhabauch verlieh ihr das richtige Weibliche. Sie zog das elegante schwarze Sommerkleid darüber und griff ihren Gürtel. Es konnte losgehen.</p>
<p>Das Nachtschattengewächs hatte genügend Wasser.</p>
<p>Im Nachhinein fragte sie sich natürlich, was sie eigentlich erwartet hatte. Die angekündigte Gästeliste hätte sie ja schon vorher belehren müssen. Aber, nein Mademoisselle wollte ja nicht hören. Und nun stand sie da neben ihren wichtigen Freundinnen inmitten der noch wichtigeren Leute.</p>
<p>Die Mode ist zu Gast in der Stadt, hieß es in den Tageszeitungen und im lokalen Fernsehsender. Dazu hatten auch mehrere Clubs ihre Tore geöffnet, die sonst nur am Dienstag oder Donnerstag on stage waren. Sie wusste, warum sie dieses Nachtleben nach ihrer Rückkehr in die große Stadt gemieden hatte. Jeder war schöner besser und klüger sowieso. Wie so oft fand sie sich im Clubwesen wieder und dachte nach, viel zu viel. Ihre eine gute Freundin hätte ihr jetzt natürlich an der Nase gezogen. Wie gut, dass sie in weiter Ferne war.</p>
<p>Ganz abschalten konnte sie selten und hier schon gar nicht.</p>
<p>Was versprachen sich die Menschen eigentlich, wenn sie alle gleich aussahen? Wo ist die Individualität hin? Man kann es doch mit kleinen Dingen erreichen, warum schaffte es die Allgmeinheit nicht? Sie schämte sich in ihrer grauen Röhrenjeans, hätte sie mal ihre dunekelblaue Hose angezogen, dann würde sie auffallen. Ihre Perlenkette und das silberne Haarband rettete sie vor dem Absturz in die Masse.</p>
<p>Irgendwann nach einigen Drinks, setzte ihr Kopf aus und sie ließ alles hinter sich. Vollkommen frei schwebte sie auf die halbvolle Tanzfläche und flog mit ihren Beinen davon, lauschte den Bässen und lenkte ihre Beine zu dem richtigen Rhythmus hin. Später, einige volle Minutenzeiger in etwa, sah sie nur noch das Blinken über ihr und ganz hinten in der Ecke stand ihre Pflanze, ihr Nachtschattengewächs, das flüsterte: Es ist gut so, wie es ist.</p>
<p><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/nachtschatten.jpg" title="nachtschatten.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/nachtschatten.jpg" alt="nachtschatten.jpg" /></a></p>
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<title><![CDATA[Erst die 100 % bei mir und dann irgendwann kommt der Rest]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/01/19/erst-die-100-bei-mir-und-dann-irgendwann-kommt-der-rest/</link>
<pubDate>Sat, 19 Jan 2008 22:44:32 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Abend hat längst seine Jungfräulichkeit verloren. Unsere Münder zappeln wie hungrige Bienen, ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Der Abend hat längst seine Jungfräulichkeit verloren. Unsere Münder zappeln wie hungrige Bienen, die es kaum erwarten können von ihrem eigenen Honig zu schlemmen. Und zum Alkoholpegel mag ich hier mich gar nicht weiter äußern. Doch von dem einen Moment, der den ganzen Abend in eine andere Richtung schubst, ganz vorsichtig, zart und liebevoll legt sich über den Sturm plötzlich eine Stille des Friedens wie man sie heutzutage nur noch sehr selten findet.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Ich habe für mich beschlossen, dass ich nur mit mir glücklich sein kann. Soll heißen, ich hole mir da draußen meine 100 Prozent und sehe meinen Monsieur wie eine Urlaubsinsel.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Für den Bruchteil einer Sekunde erschrecke ich, solche Gedanken von dir zu hören, weil ich dich bisher anders eingeschätzt habe. Eine junge Frau auf der stetigen Suche nach irgendwas. Nun, meine liebe Madame, bist du fündig geworden und ich freue mich so sehr, dass ich es herausschreien möchte wie ein Säugling, das gerade aus dem Bauch der Mutter gepresst worden ist. Stattdessen nehme ich im Stillen deine Hand und lächele, weil du etwas gesagt hast, das gerade richtig gut in mein Lebenspuzzle passt.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Manche Einsichten kommen erst später, aber wenn sie da sind wärmen sie einen so sehr wie die starke Sonne im Juli.</font></p>
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<title><![CDATA[Der Schlaf ist wie ein Dieb, er ist schneller weg als man ihn kriegen kann. ]]></title>
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<pubDate>Sat, 19 Jan 2008 22:39:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[ 
Er ist abgehauen, einfach so, mitten in der Nacht. Wohin weiß man nicht. Der Polzist auf der Wac]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/01/feder.jpg" title="feder.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/01/feder.thumbnail.jpg" alt="feder.jpg" /></a><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Er ist abgehauen, einfach so, mitten in der Nacht. Wohin weiß man nicht. Der Polzist auf der Wache schüttelt seinen Kopf und fragt mich, ob ich es wirklich ernst meine. In einem Moment der Unaufmerksamkeit dreht er sich zu seinen Kollegen und ich ertappe sie beim Schmunzeln. Jawohl, und ob ich es ernst meine Herr… Wiegand, antwortert er. Herr Wiegand, sage ich und blicke ihm eiskalt in die Augen.</font><font size="2" face="Verdana">Wissen Sie überhaupt, was es bedeutet, wenn Menschen nicht richtig schlafen können oder im Morgengrauen vor dem Wecker aufwachen und sich unruhig im Bett hin und her wälzen? Nein, antwortet er geschwind. Er falle jeden Abend ins Bett und wenn es nach ihm ginge, müsste die Nacht ein paar Stunden mehr haben. Ich könne es ja mal mit Berufen versuchen, die ihre Tätigkeiten in die spä<a href="http://monfiwi.wordpress.com/"><u><font size="2" color="#0000ff" face="Verdana">ten</font></u></a><font size="2" face="Verdana"> Abendstunde hin verlegen.<br />
Ich </font><a href="http://monfiwi.wordpress.com/"><u><font size="2" color="#0000ff" face="Verdana">will</font></u></a><font size="2" face="Verdana"> keinen anderen Job, Herr Wiegand, sondern eine Anzeige. Ich muss ihn damit sehr verärgert haben, denn plötzlich sagt er: Na gut, dann kommen sie mal mit.</font><font size="2" face="Verdana">Der Grund der Anzeige, bitte.<br />
Schlafentzug, der wiederum zur Angespanntheit und Nervösität führt. Außerdem ist ein unausgeschlafener Mensch gereizter als ein ausgeschlafener und kann damit auch zur Gefährdung der Bevölkerung werden.<br />
Alter.<br />
Über 2000 Jahre.<br />
Aussehen.<br />
Weich wie eine Feder und weiß wie Schnee. Es handelt sich um eine weibliche Person, auch wenn der Artikel anderers verspricht.<br />
Wo haben Sie den Schlaf zuletzt gesehen?<br />
Vor acht Wochen in meinem Schlafzimmer. Da ist er mitten in der Nacht mit einem Wolfsgeheul zum Mond gestiegen.</font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana"> </font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Herr Wiegand tippt emsig, lacht manchmal und zieht dann ein Blatt Papier hervor. Lesen Sie es bitte noch mal durch und unterschreiben Sie unten rechts.<br />
Gesagt, getan.<br />
Ach Herr Wiegand, noch etwas, setzen Sie bitte oben folgenden Satz ganz fett dazu:<br />
<b>Der Schlaf ist wie ein Dieb, er ist schneller weg als man ihn kriegen kann.</b></font></font></p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Wenn das warme Herz im kalten Meer des Abschieds ertrinkt]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/01/19/wenn-das-warme-herz-im-kalten-meer-des-abschieds-ertrinkt/</link>
<pubDate>Sat, 19 Jan 2008 22:29:23 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Erscheint einem die Welt auf einmal so klein und man selber so groß. Genau dann treffen einem die w]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Erscheint einem die Welt auf einmal so klein und man selber so groß. Genau dann treffen einem die weichen Regentropfen besonders hart im Gesicht und die Menschen um einen herum fühlen sich an wie nervige Bazillen, die gemein gegen das Immunsystem stoßen. Das Herz piekst, der Atem geht flach, die Augen schwimmen. Irgendwie ist genau dann alles doof auf dieser Welt.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Jetzt sind sie doch da: die Tränen des Abschieds. Bis vor ein paar Minuten stand ich mit dir in der Vorhalle des Flughafens, habe dich gedrückt deine warme Hand gehalten und gewartet bis du durch die Sicherheitsschleusen kamst. Du reihtest dich ein in die lange Schlange der Wartenden, doch ich konnte nicht länger dort stehen, dem traurigen Schauspiel zusehen und bin frühzeitig verschwunden. Dein Handkuss liegt noch immer auf meinem glühendem Gesicht, die Traurigkeit schlucke ich mit der Bionade hinunter, heute schmeckt sie nicht fruchtig, sondern seltsam salzig.</font><font size="2" face="Verdana"> </font><font size="2" face="Verdana">Ich weiß, Abschiede gehören zum Leben wie das Wiedersehen und schon der schlaue Coelho <a href="http://monfiwi.wordpress.com/"><u><font size="2" color="#0000ff" face="Verdana">hat</font></u></a><font size="2" face="Verdana"> einst geschrieben, dass sich die Menschen zu häufig von dem Abschied vereinnahmen lassen statt sich über die gemeinsame Zeit und das baldige Treffen zu freuen. Weisheiten sind manchmal gute Ratgeber, dennoch sind sie nicht oft alltagstauglich und für so Pessimisten wie ich es bin mehr Schein als sein. Mal ehrlich, wir müssen die Antworten auf die Fragen in uns selber finden nicht durch weichgespülte Texte von Autoren, die damit Profit schlagen.</font><font size="2" face="Verdana">Vielleicht schmerzt mich der Abschied auch so, weil wir uns schon so viele Jahre kennen. Gemeinsam sind wir uns einst als unsichere Azubis begegnet, haben beide gespürt, dass das nie unser Job sein wird und dass wir sensible Seelen sind, die darauf gewartet haben, sich in dem lauten Krach des Alltags zu begegnen.</font></font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Am Ende zeigt einem der große Schmerz des Abschieds einem immer, wie wichtig einen der Mensch ist. Es ist die innigste Weise des Zusammenseins, sagte einst Hans Kudszus. Mit genau dem tiefen Gefühl, sage ich Goodbye und freue mich schon heute auf unser Wiedersehen in ein paar Monaten. <font size="2" face="Verdana"></font></font></font></p>
]]></content:encoded>
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