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	<title>mord-aus-falsch-verstandener-ehre &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/mord-aus-falsch-verstandener-ehre/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "mord-aus-falsch-verstandener-ehre"</description>
	<pubDate>Sat, 26 Jul 2008 22:14:04 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Antwort an Gedankenverbrecher]]></title>
<link>http://schariagegner.wordpress.com/?p=199</link>
<pubDate>Tue, 26 Feb 2008 18:18:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>schariagegner</dc:creator>
<guid>http://schariagegner.wordpress.com/?p=199</guid>
<description><![CDATA[
Ein „Gedankenverbrecher“ 
zu Koran und Ehrenmord. 
Er erhielt zwei Antworten 
Ehrenmorde gab es]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;">
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#215868;">Ein „Gedankenverbrecher“ </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#215868;">zu Koran und Ehrenmord. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 48pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#215868;">Er erhielt zwei Antworten </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 12pt 35.4pt;"><span style="font-family:'Arial','sans-serif';">Ehrenmorde gab es in Deutschland schon seit Jahr und Tag…nur der Begriff dafür ist anders …bei uns heißt das Familiendrama und das gibt es bei uns an Weihnachten und anderen feierlichen Tagen … </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 12pt 35.4pt;"><span style="font-family:'Arial','sans-serif';">Den Koran lesen? Ihr solltet mal der größten Lüge der Menschheit auf die Schliche kommen … täglich beim Datum mal drauf achten, und 2008 Jahre zurückrechnen. Da fängt die Lüge doch schon an… es gibt unter den Muslimen wie auch bei den Christen Individuen, die es Faustdick hinter den Ohren haben: Also sollte man den Islam nicht mit allen Menschen die diese Glaubenskultur leben in einen Sack stecken … mal an die eigene Nase packen. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 12pt 35.4pt;"><span style="font-family:'Arial','sans-serif';">Die Kirche ist eine der reichsten Institutionen, ja man könnte sagen ein Netzwerk des Reichtums und ein Land weiter verhungern Menschen, wie kann das sein?!?!?! </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 12pt 35.45pt;"><span style="font-family:'Arial','sans-serif';">… man gibt Ihnen einen GOTT und man gibt Ihnen ein BUCH, und man kann sie hin und her manipulieren, bis hin zum Glaubenskrieg, welcher unschwer zu erkennen seit geraumer Zeit unter dem Vorwand 9/11 &#38; Propaganda anhält … </span></p>
<p><span style="font-family:'Bookman Old Style','serif';">gedankenverbrecher </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#e36c0a;">Antwort an Gedankenverbrecher</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 48pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#e36c0a;">von Jacques Auvergne</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Hallo Gedankenverbrecher, </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">das ist ja erst einmal eine These über die sich diskutieren lässt: Wie weit gibt es ’sozio-strukturelle Entsprechungen’ des europäischen “Familiendramas” mit dem orientalischen “Ehrenmord”? Einige Parallelen sind gegeben: Männergewalt gegen Frauen, oder: Die Frau als Besitz des Mannes misszuverstehen. Da wird dir wohl jeder Recht geben.<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Auch mit Kritik am so genannten Christentum oder vielmehr an der Kirche rennst du bei mir und bei vielen anderen offene Türen ein. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Grundsätzlich jedoch, und da nimmst du womöglich zu sehr die Rolle des verschnupften Einzelgängers ein der seine Hände in eitler Unschuld wäscht, grundsätzlich gibt es kein Machtvakuum. Auch kein ”religiöses”. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Zugleich ist der Mensch ein religiöses Wesen, der postmoderne Götterspötter betet halt die Aktienkurse an oder verehrt seine gelebte oder lediglich erwünschte Sexualität oder seinen blechernen Fetisch Auto. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Ja, leider ist Religion immer wieder von den jeweiligen Machthabern, von Schamanen- oder Priestercliquen wie auch von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder missbraucht worden, seit Jahrtausenden. Insofern ist deine Nennung von “2008″ ebenso richtig wie überflüssig. Jeder Papua-Stamm gebraucht und missbraucht in diesem Sinne Religion, die alten Griechen und Germanen taten dieses, künftige Religionen werden ihren Auftrag des Seelenführens missbrauchen, mehr oder weniger. Und auf dieses Maß der missbräuchlichen Gewalt wie auf seine Minimierung kommt es an. Religionskritik beziehungsweise Fundamentalismuskritik wird der Menschheit stets eine Notwendigkeit sein. Ablassgegner Martin Luther war Religionskritiker, Hexenprozesskritiker Graf Spee von Langenfeld desgleichen. (Sakrale oder säkulare) ‘Kastensysteme’, (sakrale) Klassensysteme mit “Menschen verschiedener Wertigkeit” müssen wir abbauen.<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Der Islam teilt Menschen in Klassen, seine Konzeptionen sind Dhimma (sozial), Dar al-Islam bzw. Dar al-Harb (territorial), sein Kerker ist die angeblich von Gott Allah gestiftete Scharia (politisch). Diesen Islam, es geht hier nicht um die Spiritualität muslimischer Individuen wie Irshad Manji oder Bassam Tibi, diesen - kollektivistischen, demokatiezerstörenden - Islam braucht die Welt allerdings nicht zu dulden (dulden, lateinisch = tolerieren).<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Zum Abbau von Scharia-Islam (”vom Gott gemachtes” Recht) und Fiqh-Islam (menschliche Rechtssprechung) brauchen wir Leute wie uns beide. Du solltest einmal das Buch von Professor Bassam Tibi lesen: “Der Islam und Deutschland - Muslime in Deutschland”. Oder Ex-Muslimin Mina Ahadi zuhören. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Religion missbrauchte die Gläubigen? Die ‘unsichtbaren Religionen’ Maoismus und Stalinismus taten dieses allerdings in womöglich noch höherem Ausmaß und ihr Tugendterror stand denen von (Robespierre oder) Calvin oder den Taliban in Nichts nach.<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">“Die das Beste wollen, werden das Gute verhindern” sagte einmal ein weiser Mensch. Insofern: Sei nicht ‘perfekt atheistisch’. Christen mögen sagen: Erkenne deine Schuld” (und minimiere sie, ergänzen wir wohl beide).<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Dass Bush mythologische Begrifflichkeiten wie “das Böse” in die Politik eingebracht hat ist sachlich richtig, bedauernswert und keine Meisterleistung der kulturellen Moderne: Ein Politiker in einem säkularen Staat darf von ‘unangemessen’ oder ‘nachteilig’ sprechen oder nötigenfalls von ’schlecht’, nicht jedoch von “böse”. Angesichts der Kreationisten und Evangelikalen könnte einem angst und bange werden. Kreationismus im Islam gibt es allerdings auch: Harun Yahya und sein antidarwinistischer ”Atlas der Schöpfung”.<br />
</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Lesetipp: Alice Schwarzer: Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Ein alter griechischer Philosoph soll aus der Stadt verbannt worden sein, weil er behauptet habe, die Sonne sei nichts als eine glühende Scheibe aus Metall und etwas größer als die Halbinsel Peloponnes. Die polytheistischen Priester Athens hatten plötzlich Sorge, überflüssig zu werden und sie intrigierten gegen den frühen Wissenschaftler. Tja, man erhält sich halt seine Klientel. Es gibt kein Machtvakuum. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Mische mit! Auch islamkritisch versteht sich, jedenfalls mit einem kantigen Profil, zu dem du dich bekennst. Gegenwärtig finde bei dir zu wenig Bekenntnis und zu viel Hass auf jede Struktur. Das sollte sich ändern. Dann lege auch den ebenso provokanten wie bezeichnend aalglatten Spitznamen ‘Gedankenverbrecher’ ab, der wohl nicht viel anderes als die persönlich recht risikolose Lust an verbalisiertem Zerstören bezeichnet. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Ayaan Hirsi Ali oder Robert Redeker verstecken sich … nicht vor den nervenden amerikanischen Neokons, sondern vor den unsere Toleranz einfordernden Freunden von Kalifat und Scharia. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 90pt;"><span style="font-family:'Bookman Old Style','serif';">Jacques Auvergne</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#e36c0a;">Antwort an Gedankenverbrecher</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 48pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#e36c0a;">von Ümmühan Karagözlü</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Hallo, gedankenverbrecher, </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">mir ist neu, dass es in Deutschland jemals einen Mord aus falsch verstandener Ehre gegeben haben soll. Wo bitte ist in Deutschland jemals eine Frau oder Mann ermordet worden, weil sie / er gegen Regeln der christlichen Religion oder Wertehierarchie der kulturellen Vormoderne verstoßen hat, es sei denn sie / er käme aus muslimischem Sozialisationshintergrund oder habe vor der Zeit der französischen Revolution gelebt. (Hexenverbrennung)</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem eine Frau umgebracht wurde, weil sie als Frau es gewagt hat, ohne Kopftuch das Haus zu verlassen und es vorzog, selber ihre Freunde auszusuchen. Hier wird keine junge alleinerziehende Mutter mit dem Tode bedroht, die eine selbstgewählte Berufsausbildung abschließt, die Gesellenprüfung zu besteht und sich auch ökonomisch auf eigene Füße zu stellt.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:6pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';"><a href="http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/26/fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/">http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/26/fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</a></span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Häusliche Gewalt, meist gegen Frauen und Kinder, da auch wieder vor allem gegen Mädchen, hat es tatsächlich schon immer gegeben, zu jeder Zeit, in allen Gesellschaften, auch an christlichen Feiertagen.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Menschen zu töten, aus welchen Motiven auch immer ist immer, ist ein fürchterliches Verbrechen, das als solches geahndet werden muss, doch ist es in der kulturellen Moderne nicht üblich, Morde aus falsch verstandener Ehre zu verteidigen und für moralisch vertretbar zu halten.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Gerade wenn man den Islam und die Muslime nicht in einen Topf werfen soll, ist es ratsam, Koran, Scharia und Sunna zu lesen, damit man sich ein Urteil bilden kann dass möglichst fair und objektiv ist. Auf meinem Blog</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';"><a href="http://schariagegner.wordpress.com//">http://schariagegner.wordpress.com/</a> </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Schariagegener findest du empfehlenswerte Internetadressen und Bücher.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Warum soll es für aufgeklärte, (selbst)kritische Menschen nicht möglich sein, sich selbst eine Meinung zu Religionen zu bilden und bedenkliche Inhalte, die gegen universelle Menschenrechte verstoßen, (die gibt es auch im Hinduismus, Christentum und Naturreligionen, vielleicht sogar in allen Religionen) kritisieren? Dazu muss man allerdings die einschlägigen Regelwerke kennen. Lesen bildet.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Wer die Regelwerke des Islams kennt weiß, dass es nur einen Islam geben kann, wer das nicht glauben will, lese die einschlägige Literatur, die Konzept und Philosophie beschreibt. Alle abweichenden Interpretationen sind Gotteslästerung, sogenannte MuslimInnen, die den Leitlinien aus Koran Scharia und Sunna nicht folgen, (z.B. Sunniten, Schiiten, Ismailiten, Ahmadiyya, Aleviten und Sufis) sind nach Scharia-Recht ApostatInnen und des Todes würdig.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Um diesen wegen ihres Glaubens und auch Nichtglaubens (ExmuslimInnen) Verfolgten beizustehen und sie zu unterstützen sowie um den universellen Menschenrechten weltweite Gültigkeit zu verschaffen, ist es unbedingt notwendig, zwischen Islam und Muslimen zu unterscheiden und auch deren Einzigartigkeit, Recht auf Selbstverwirklichung und Religionsfreiheit, auch negative Religionsfreiheit, zu respektieren und einzufordern.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Während ich den Islam und seine sogenannten heiligen Schriften und Regeln als Gleichheitsfeministin grundsätzlich kritisieren muss, halte ich es tatsächlich für wichtig, MuslimInnen ’nicht in einen Sack zu stecken’. Das gleiche gilt aus meiner Sicht auch für Gutmenschen, die nicht alle KulturrelativistInnen und EurozentrikerInnen sind, sondern manchmal leider leichtgläubig und einfach uninformiert.</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:6pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';"><a href="http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/09/integrationspoker-von-glucksspielern-und-taktierern/">http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/09/integrationspoker-von-glucksspielern-und-taktierern/</a></span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 6pt;"><span style="font-family:'Bookman Old Style','serif';">Ümmühan Karagözlü</span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt;"><span style="font-size:8pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';"><a href="http://schariagegner.wordpress.com//">http://schariagegner.wordpress.com/</a> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family:Arial;"> </span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[029. Der Fall Hatun Sürücü. Integration: Scharia oder Emanzipation?]]></title>
<link>http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/29/029-fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</link>
<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 20:46:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jacques Auvergne</dc:creator>
<guid>http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/29/029-fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</guid>
<description><![CDATA[029 
Patriarchat Islam 
Hatun 
Sürücü 
Gegen die 
Unkultur des Schweigens 
Ümmühan Karagözlü ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">029 </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:120pt;text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Patriarchat Islam </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:36pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#dddddd;">Hatun </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:60pt;text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:24pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">Sürücü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:18pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Gegen die </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:18pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Unkultur des Schweigens </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:11pt;line-height:115%;font-family:'Bookman Old Style';">Ümmühan Karagözlü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hatun Aynur Sürücü war das 5. von 8 Kindern der Familie Sürücü, das älteste Mädchen. Schon sehr früh war sie eine starke Persönlichkeit, die sich als Jugendliche das Recht nahm zu fragen, zu zweifeln und zu widersprechen. Ihr Vater behauptete, dass daran der demokratische Unterrichtsstil der Schule und der Kontakt zu den SchulkameradInnen schuld seien. Daher meldete er die erfolgreiche Schülerin in der 8.Klasse des Robert Koch Gymnasiums von der Schule ab, um sie bald darauf mit 16 Jahren an einen Cousin zwangszuverheiraten. Die Lehrer und die Schulleitung hinterfragten die Entscheidung, die Schulausbildung abzubrechen, nicht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Das Paar lebte bei der Familie des Mannes im kurdisch geprägten Teil Nordanatoliens in der Türkei, das die ehemalige Heimat der Brauteltern war. Wenn Hatun Aynur auch aus einer ähnlich streng patriarchal-muslimisch orientierten Familie stammte, hatte sie in Berlin wenigstens noch die ehemaligen MitschülerInnen und das Großstadtmilieu einer Weltmetropole, um ab und an der familiären Enge zu entfliehen. Hier, in der dörflichen Abgeschiedenheit der kurdischen Steppe hingegen war der Alltag ausschließlich durch die harte Handarbeit im Haus und auf dem Feld sowie die traditionellen Genderbilder und die vormodernen Regeln des Clans bestimmt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Jeder Tag glich dem anderen, man sah immer die gleichen Leute, die aus den gleichen Familienstrukturen kamen, man redete immer über die gleichen Themen. Für eine sehr junge Frau, die an hektische Betriebsamkeit, technischen Fortschritt, bunte Schaufenster, pünktliche, öffentliche Verkehrsmittel, Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebenswelten sowie ständigen Wandel gewöhnt war, eine schier unerträgliche Monotonie. Zu allem Überfluss wurde die jungendliche Ehefrau schwanger, bevor sie auch nur eine geringe Chance gehabt hätte, sich einzugewöhnen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Es dauerte daher nicht lange, da hatte sie sich so sehr mit ihrem Ehemann und dessen Familie zerstritten, dass die von schrecklichem Heimweh geplagte  werdende Mutter allen Mut zusammennahm, sich trennte und fluchtartig zu ihrer Ursprungsfamilie nach Deutschland zurückkehrte. Kurze Zeit später brachte Hatun Aynur ihren Sohn Can zur Welt. Für sie begann nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, weshalb sie sich selbst den zweiten Vornamen Aynur (Mondlicht, hell leuchtend wie der Mond) gab. Nach der Geburt lebte die junge Mutter für eine Weile gemeinsam mit dem Säugling im Haushalt ihrer Eltern. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Doch auch hier in Berlin schränkten die extrem traditionellen Ansichten über Familie, Mutterschaft, weibliche Lebensentwürfe und Geschlechterrollen die gläubige Muslima, jedoch selbstbewusste Persönlichkeit extrem ein. Besonders widerstrebte ihr die in diesen Familienstrukturen übliche Kontrolle unverheirateter Frauen. Konnte sie früher durch den Schulbesuch wenigstens zeitweise ausweichen, war sie jetzt, als ledige Mutter ohne Schutz ihres Ehemannes, den sie ohne einen von der Scharia erlaubten Entschuldigungsgrund verlassen hatte, sehr strengen Vorschriften ausgesetzt. Diese symbolischen Fesseln des Gefängnisses Familie konnte sie nicht auf Dauer ertragen, verließ auch ihre Ursprungsfamilie im Streit und zog mit ihrem Baby in ein Wohnheim für junge Mütter. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben wirklich frei von Überwachung und gängelnder Bevormundung, bemühte sich Hatun Aynur ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Brauchte sie zu Anfang noch psychologische und sozialpädagogische Unterstützung, gelang es ihr zunehmend besser, Eigenverantwortung zu übernehmen. Neuen Herausforderungen wie der Führerscheinprüfung stellte sie sich zunehmend selbstsicher, der bestandene Hauptschulabschluss, den sie nachgeholt hatte, war ein besonders wichtiger Meilenstein in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. War ihr langes, dichtes Haar sie zu diesem Zeitpunkt gänzlich bedeckt, lehnte sie von da ab das Tragen eines Kopftuches ab, verbannte die fußlangen Mäntel und unvorteilhaften Kittel in die Mottenkiste, kleidete sich modern, schminkte sich manchmal, schnitt die Haare kurz und tönte sie. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Nun fühlte sie sich stark genug, eine eigene Wohnung zu suchen, begann eine Lehre als Elektroinstallateurin und fand in dem von Männern dominierten Beruf schnell ihren Platz. Sie schloss die Lehre erfolgreich ab und stand Anfang 2005 sogar kurz vor ihrer Gesellenprüfung. Vier Jahre hatte sie trotz der zusätzlichen Belastung als berufstätige Hausfrau und allein erziehende Mutter durchgehalten, soviel Energie, Zielstrebigkeit und Lerneifer bringt nur jeder zweite Jugendliche trotz einfacherer Lebensumstände auf. Sie war so stolz auf sich, aus eigener Kraft ihr Leben zu meistern, dass sie auch ihre Familie an ihrer Freude Anteil nehmen lassen wollte und wieder Kontakt aufnahm, obwohl sie von Freunden gewarnt worden war. Es lag der mutigen Pionierin wirklich viel daran, von ihren Eltern und Geschwistern nicht als widerspenstige Rebellin und missratene Tochter/Schwester, sondern als eigenständiger, entscheidungsfähiger Mensch mit dem Anrecht auf eine individuelle Biographie akzeptiert zu werden. Sie ging daher das Risiko ein, die Schwestern hin und wieder zu sich einzuladen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Später gelang es ihr sogar, das Verhältnis zur Mutter zu bessern und sich mit ihr öfter in einem Cafe zu treffen. Sie hatte dann meist auch ihren Sohn mit. Nach einiger Zeit besuchte der Junge die Großeltern regelmäßig in deren Wohnung. Dass sie selbst, wenn sie Can brachte oder abholte nicht mit herauf kommen durfte, sondern vor der Tür draußen warten musste, kränkte sie zwar, doch nahm sie es hin und hoffte auf die Zukunft. Schließlich hatte sich in den letzten Monaten die Beziehung zu den Verwandten unerwartet positiv verändert, warum sollte da eine weitere Normalisierung ausgeschlossen sein? Diese Einschätzung war allerdings sehr optimistisch und ließ außer Acht, dass Menschen sich und ihre Einstellungen nur dann zu ändern bereit sind, wenn sie einen Gewinn darin sehen, sich die Mühe zu geben, Eingeübtes, leicht von der Hand Gehendes aufzugeben und Neues zu wagen. Hatun Aynurs Gewinn war Lebensqualität im Hier und Jetzt. Ein solcher, wie auch immer gearteter Bonus war für die Familie nicht sichtbar. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Can, mittlerweile fünf Jahre alt, war der stark an die Mutter gebundenen Kleinkindphase entwachsen. Seine Aufnahme in die ’muslimischen Männerwelten‘, symbolisiert durch das islamische Beschneidungsritual, die Sünnet, stand kurz bevor. Deshalb das starke Interesse der Familie an den Besuchen des Jungen, ein in diesem Moment besonders willkommenes Faustpfand für die Tradierung ihrer Lebenskonzepte. Das für konservativ denkende Muslime provokant individualistische Auftreten ihrer ältesten Tochter gefährdete die patriarchale Hierarchie und stellte die lebensfeindliche, ausschließlich auf die Freuden im Jenseits orientierte Auslegung des Islams in Frage. Die Gefühlskälte und Distanz, die ihr entgegen gebracht wurden, erleichterte einerseits den Umgang mit der Tochter / Schwester, die sie irgendwie doch liebten, andererseits resultierten sie aus der Verachtung ihrer Person. Zumindest der Vater und die älteren Brüder nahmen den häufigeren telefonischen und den meist auf die engsten weiblichen Verwandten beschränkten persönlichen Kontakt lediglich billigend in Kauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hatun Aynur hatte ihre Aufgabe als Söhnchenfabrik (Hirsi Ali) und Garantin einer natürlichen, gesunden psychischen und physischen Entwicklung des kleinen Can erfüllt. Als weiterhin wichtige Sozialisations- und Erziehungsinstanz ihres Sohnes und eventueller weiterer Nachkommen war die junge Frau nach Ansicht ihrer zahlreichen konservativen Verwandten denkbar ungeeignet. Die experimentierfreudige, junge Berlinerin weigerte sich selbstbewusst, die ihr im Clan verpflichtend zustehende Rolle in der kulturell-vormodernen, fundamentalistisch-religiösen Weise ihrer Eltern auszufüllen. Ohne traditionelle Rollenzuteilung, die ihrerseits dazu dient, überlieferte Verhaltensmuster und Handlungsoptionen weiterzugeben, eine damit nicht unwichtige Aufgabe jeder Frau im Patriarchat, war sie wertlos und sogar eine Bedrohung für die vormodernen Lebenskonzepte sowie deren Festigung. Sie war eine ständige Gefahr für die fetischisierte Familienehre. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die Sürücüs standen daher nicht nur durch den nordanatolischen Zweig ihres Clans unter hohem moralischem Druck. Ihr Selbstverständnis, das durch die Auslegung eines Islams, der das Leben nach dem Tod verklärt sowie durch die wörtlich umzusetzende Scharia geprägt wurde, hatte immens gelitten. Von der Richtigkeit und Allgemeingültigkeit ihrer fundamentalistischen Glaubensauslegung überzeugt, wiesen sie jede liberalere Deutung des Korans als Häresie weit von sich. Versetzt man sich in ihre Denkstrukturen, hätten sie tatsächlich in erzieherischer Hinsicht als Eltern und ältere Geschwister, auch die erziehen in muslimischen Familien, total versagt, aber auch als Gläubige, vor sich selbst, vor der muslimischen Gemeinde und vor Allah sich schwer versündigt. Es war ihnen nicht gelungen, die von ihnen gelebten Traditionen an ihre älteste Tochter weiter zu geben, damit die sie an ihre Kinder weitergibt. Da Frauen sowieso äußerst selten ins Paradies kommen, sie verbreiten Fitna und sind unrein, gefährdeten vor allem die Männer ihr ersehntes Ziel, das Paradies. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Als Hatun Aynur nach einer die Ehre beider Familien verletzenden, nicht durch die Scharia abgesegneten Trennung von ihrem Mann nun wieder in der Kreuzberger Community lebte, in der man die Eltern und Brüder natürlich gut kannte, und es wagte, nach der Geburt ihres Sohnes sich im Streit auch von ihnen, ihrer Ursprungsfamilie, zu trennen, um beruflich wie privat sehr neue  Wege zu gehen, erhöhte das die Unzufriedenheit und den moralischen Druck, dem die Familie sich selbst aussetzte, der aber auch von Außenstehenden an sie weitergegeben wurde. Hier war nicht nur die Ehre zweier Familien auf besonders respektlose Weise gekränkt worden, sondern die Ümmet (Umma), der Islam und damit Gott, ein Hadd-Vergehen, das laut Scharia die Tötung nach sich ziehen kann. Tatsächlich nahm spätestens mit der beginnenden Ablösung Cans aus dem alleinigen Schutz und Verantwortungsbereich seiner Mutter eine verhängnisvolle Entwicklung ihren kaum mehr aufzuhaltenden Ablauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Vermutlich hat der Familienrat, veranlasst durch die kurz bevorstehende finanzielle Unabhängigkeit bei Überreichung des Gesellenbriefes an die zielstrebige, integrationswillige junge Frau, in einer heimlich abgehaltenen Sitzung den baldigen Tod der 23jährigen beschlossen, deren einziges ’Vergehen’ es war, als Deutsche kurdischer Abstammung, sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft, zu leben wie eine Deutsche. Üblicherweise sind bei Morden wegen Hadd-Vergehen mehrere Verwandte, meist die Brüder, beteiligt. Das verteilt die Schuld auf mehrere Schultern, stärkt die verschworene Gemeinschaft, den Männerbund, und … macht voneinander abhängig: jeder Einzelne ist durch den anderen erpressbar. Meist meldet sich ein Minderjähriger oder gerade Achtzehnjähriger ’freiwillig’, das Verbrechen durchzuführen, weil Jugendliche und in der Regel auch noch Heranwachsende (bis 21) wegen der als geringer einzuschätzenden Einsichtsfähigkeit nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden und mit weniger harten Strafen zu rechnen haben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Nach den Ermittlungen der Polizei und den Aussagen in der folgenden Hauptverhandlung lief wahrscheinlich auch in diesem Fall alles nach dem alt bekannten Schema ab. Danach hat der älteste Bruder, Mutlu, die Pistole besorgt, der mittlere stand wohl Schmiere, der jüngste, Ayhan, gerade achtzehnjährig, hat seine Schwester erschossen. Warum Ayhan seine Freundin Melek, die er heiraten wollte, in das Mordkomplott einweihte, ist unbekannt. Vielleicht belastete ihn die Vorbereitung der Tat so sehr, dass er mit jemandem reden musste, dem er vertraute, vielleicht war es Taktik, weil Ehefrauen nicht aussagen müssen. Er fragte Melek, ob sie bereit sei, ihn nach der Tat zu heiraten und mit ihm gemeinsam Can, Hatun Aynurs kleinen Sohn, aufzuziehen. Wie die junge Berlinerin im späteren Prozess aussagte, meinte sie sich verhört zu haben. Der vor einer Sekunde noch so vertraute, geliebte junge Mann erschien ihr plötzlich völlig fremd. Sie musste sich verhört haben. Doch da zeigte ihr Ayhan die Einschusslöcher in dem alten Blechmülleimer. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Ihr angebeteter zukünftiger Ehemann ein Mörder? War der attraktive junge Mann, den sie anhimmelte, ein potentieller Schwesternmörder? Wollte er ihr mit den Löchern im Eimer beweisen, wie ernst es ihm mit dem Mord war? Wollte er sie gar einschüchtern? In welche Familie war sie im Begriff einzuheiraten? Sie wusste, wie strenggläubig die Sürücüs waren, doch die eigene Schwester zu töten, weil sie vorzog, wie eine Deutsche zu leben? Wer in der Familie wusste Bescheid, war Hatun Aynurs kleine Schwester Arzu, die damals ihre beste Freundin war und durch die sie Ayhan erst kennen gelernt hatte, eingeweiht? Wie oft sagt man wütend, die oder den könnte ich umbringen, führt die Tat jedoch nicht aus! Glaubhaft, dass Melek nicht wusste, was sie denken sollte. Total verzweifelt beschloss die junge Frau mit niemandem zu reden. Auch wagte sie nicht, Azur ins Vertrauen zu ziehen, Natürlich hätte sie sofort bei der Polizei aussagen müssen. Sie schwieg. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Vielleicht sagte sie auch nicht aus, weil sie schreckliche Angst um ihr eigenes Leben hatte, immerhin war der achtzehnjährige junge Mann in Besitz einer Schusswaffe und plante einen Mord. Würde man ihr überhaupt glauben? Welche Beweise hatte sie? Einen durchlöcherten Mülleimer? Lächerlich! Den kann jeder als Zielscheibe benutzt haben. Sie hatte weder gesehen, dass ihr künftiger Schwager Mutlu die Waffe besorgt hatte, noch war sie Augenzeugin bei den Schießübungen. Selbst wenn Ayhan persönlich den Müllbehälter verbotener Weise für Zielübungen zweckentfremdete, eine Tötungsabsicht ließ sich damit allein sicher nicht beweisen. Wie hätten die Sürücüs reagiert, wenn sie, die als zukünftige Schwiegertochter galt, auf Grund eines vagen Verdachtes ihren Sohn, der ihr, Meleks, zukünftiger Ehemann werden sollte, angezeigt hätte? Sicher hätte der Ehemann ’in spe’ seine künftige Braut verachtet. Wäre die Polizei in der Lage, sie zu schützen, wenn der Verdacht sich als stichhaltig erweisen würde? Ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein. Sie muss sehr verzweifelt gewesen sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Am 7. Februar 2005, kurz vor 21 Uhr wurde Hatun Aynur Sürücü an der Bushaltestelle vor ihrer Wohnung auf offener Straße durch 3 Schüsse aus nächster Nähe von ihrem Bruder Ayhan niedergeschossen und getötet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Man hatte alles bis aufs Kleinste geplant, wie wir wissen, war auch die Zukunft des kleinen Jungen geregelt. Am Tag nach dem Mord waren Ayhan und Melek verabredet. Wie die verzweifelte junge Frau, die vom gewaltsamen Tod Hatun Aynurs gehört hatte, später in der Verhandlung zugibt, habe sie zwar Böses ahnend, jedoch noch immer völlig ungläubig ihren Freund gefragt, ob er den Mordplan tatsächlich ausgeführt habe. Dieser gab die Tat zu. Nach der neuen goldenen Uhr gefragt, antwortete der Schwesternmörder, er habe den Wertgegenstand am Mordabend auf seinem Nachttisch gefunden. Was in diesem Moment in der jungen Frau vorgegangen sein muss, die um die Bedeutung eines solch kostbaren Geschenkes wusste, können wir nur ahnen. Sicher ist, dass sie noch größere Angst gehabt muss, weil sie immer noch nicht zur Polizei ging. Als sie wenige Tage nach dem Mord ihren damaligen Freund auf dessen Wunsch zur Polizei begleitete, wurde auch sie befragt. Sie sagte zunächst nicht alles, was sie wusste. Nur weil ihre Mutter, die Melek von der Polizei abholte, die, wie sie bei Gericht zu Protokoll gab, ihre Tochter noch nie in einem solch erbärmlichen Zustand, schneeweiß im Gesicht und total verstört, ausfragte, war die Jugendliche der emotionalen Belastung nicht mehr gewachsen und brach ihr Schweigen. Erst jetzt traute sich Melek, die volle Wahrheit auch der Polizei zu Protokoll zu geben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">In dem anschließenden Prozess vor dem Berliner Landgericht sagte die ehemalige Freundin des Täters, geschützt durch eine kugelsichere Weste und drei Polizeibeamte in Zivil, als Hauptbelastungszeugin aus. Alles, was wir über Tatvorbereitung und Tatmotiv wissen, haben wir wieder einmal zwei Frauen zu verdanken, die, obwohl ihr Leben total aus den Fugen geraten ist und sie im Zeugenschutzprogramm leben, den Mut aufbrachten, die Mauer des Schweigens zu brechen. und uns Einblick in eine Welt geben parallel zu unserer Welt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Solange die islamische Geistlichkeit nicht alternative Sichtweisen und sogar das Abtrünnig‑Werden aus der Religion ausdrücklich gestattet, so lange wird die islamische Wagenburg der Großfamilie ihren Kindern das Beschreiten eines eigenen Lebensweges untersagen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die kulturelle Moderne muss universelle Menschenrechte durchsetzen und darf Niemandem, auch keinem Kollektiv, Sonderrechte gewähren. Internationale Frauentage und Aktionstage gegen häusliche Gewalt dürfen keine Schaufensterveranstaltung sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:12pt;line-height:120%;font-family:'Bookman Old Style';">Ümmühan Karagözlü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;"><span> </span><span> </span></span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Ehrenmord von Mönchengladbach]]></title>
<link>http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/29/der-ehrenmord-von-monchengladbach/</link>
<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 16:41:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>schariagegner</dc:creator>
<guid>http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/29/der-ehrenmord-von-monchengladbach/</guid>
<description><![CDATA[Islamische Männer- und Frauenrollen.
Mord aus gekränkter Ehre? März 2007 
Rukiye und Derya 
Leben]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Islamische Männer- und Frauenrollen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:120pt;text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Mord aus gekränkter Ehre? März 2007 </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:18pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Rukiye und Derya </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:60pt;text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Leben am Niederrhein </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#4f81bd;">Ganz ungern besprochen: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold','sans-serif';color:#4f81bd;">ein rheinischer Doppelmord </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:72pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:'Bookman Old Style','serif';color:#4f81bd;">Von Jacques Auvergne </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;margin:0 0 12pt 106.3pt;"><span style="font-size:11pt;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Mehrere Fälle von islamisch-patriarchalischem so genanntem ’Ehrenmord’ sind uns wohl allen gut im Gedächtnis geblieben, vor allen Dingen der ’Ehrenmord’ an der kurdischen Berlinerin Hatun Sürücü, zu dem Ümmühan Karagözlü vom Netzwerk Schariagegner in den nächsten Tagen noch ein paar Zeilen schreiben wird. Doch ist über einen Ehrenmord bislang nicht so viel zu erfahren gewesen, nämlich über den Mönchengladbacher Doppelmord vom 09. März 2007. An diesem Tag erschoss Erol Peşter seine seit vier Jahren um Trennung bemühte Ex‑Ehefrau Rukiye und die gemeinsame Tochter Derya vor den Augen der zwei anderen gemeinsamen Kinder. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;margin:0 0 60pt 106.3pt;"><span style="font-size:11pt;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Die Behörden, Beratungsstellen, Verbände, Kirchen und Parteien der Stadt und der Region bemühten sich um Stillschweigen. Die Schaufensterveranstaltung Integration indes wird eifrig gepflegt </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Mönchengladbach‑Rheydt 2007, Ortsteil Bonnenbroich, Frankenstraße 8. Die vergessene westdeutsche Großstadt ist durch demographischen Wandel, den katastrophalen Niedergang der Textilindustrie und eine unverstandene Zuwanderung gekennzeichnet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Die Gruppe armseliger Mietskasernen in der Merowingerstraße, Salierstraße und Frankenstraße wird im Volksmund auch Papageienviertel genannt, doch weiß längst niemand mehr, ob es den papageienbunten Balkonverkleidungen liegt oder an der ethnisch bunt gemischten Zusammensetzung der Bewohner. Russlanddeutsche, Somalier, Kurden, Senegalesen und ärmliche Ureinwohner leben in ihren untereinander ebenso scharf abgegrenzten Milieus wie auch der gesamte Komplex in Richtung der alten aussterbenden Dorfkerne von Bonnenbroich‑Geneicken oder gar zum mittelständischen, reichen Viertel Hardterbroich‑Volksgarten bei aller räumlichen Nähe sozial abgekoppelt ist. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Eineinhalb Kilometer nur, doch vermutlich geht monatelang kein Mensch jemals den Weg von Volksgarten zum Papageienviertel. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">In diesen Tagen im November 2007 lief in der Großstadt Mönchengladbach der Prozess gegen den Ehrenmörder Erol Peşter an und einige Zeitungen berichteten kurz, im Wesentlichen aber soll der Ehrenmord sogar im Mönchengladbach‑Rheydt des Jahres 2007 selbst unbemerkt geblieben sein, so gut sind die Alteingesessenen ganz offensichtlich in der hohen Kunst des Wegsehens und Schweigens eingeübt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Erol Peşter wurde zwangsverheiratet, seine Frau Rukiye freilich ebenso. Man musste also zusammenleben, so, wie es die türkischstämmige muslimische Großfamilie so arrangiert hatte, zumal, wie in Zwangsheiratskreisen üblich, viel Geld geflossen sein wird. Erol Peşter indes misshandelte und vergewaltigte seine Frau ebenso wie seine Cousine über viele Jahre hinweg. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Für den 09. März 2007, war die Gerichtsverhandlung zum Sorgerecht für die drei Kinder anberaumt. Einen Tag also nach dem Weltfrauentag. Der als Misshandler und Vergewaltiger polizeilich gesuchte und in die benachbarten Niederlande geflüchtete Erol Peşter betrat seelenruhig und zum Schrecken von der Ex‑Ehefrau und ihrer Anwältin Gülsen Celebi den Gerichtssaal. Zwei Stunden später und drei Kilometer entfernt erschoss er Frau und Tochter, richtete beide kaltblütig und sorgsam geplant hin. Zwei Stunden oder 3.000 Jahre, drei Kilometer oder 3.000? In Nordrhein‑Westfalens Einwandererghettos herrscht eine andere Zeitrechnung, doch das hat die Mönchengladbacher Justiz im März 2007 übersehen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">November 2007. In Handschellen wird der glatzköpfig rasierte Erol Peşter in den Saal des polizeilich gesicherten Landgerichts geführt. Alle Besucher mussten durch zwei Ausweiskontrollen. Die Schwester der ermordeten Rukiye stellt sich diesen Minuten mit Entschiedenheit und Zivilcourage, sie, schwarzer Hosenanzug und hochgesteckte blonde Haare, nimmt die verspiegelte Brille ab und zeigt dem Mörder ihrer Schwester mutig ihr Gesicht. Zeigt damit also auch ihrem Schwager ihr Gesicht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Der Schwager als der Mörder, der ehrenmordende Schwager. In der Türkei, in der nahezu täglich ein Ehrenmord geschieht, nun wirklich nichts Ungewöhnliches. Für Westeuropäer jedoch etwas irritierend. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Offenes Haar, solch eine Frau hat womöglich ein eigenes Bankkonto und eine selbst bestimmte Sexualität. Schwarzer Hosenanzug, so könnte eine Karrierefrau gekleidet sein, die einer Arbeit nachgehen darf oder gar beruflich erfolgreicher ist als mancher Mann. Die anderen Frauen im Publikum indes tragen fromme lange Mäntel und fromme strenge Kopftücher. Der Islam spielt für sie also eine Rolle. Mantel und Kopftuch, womöglich sind diese Frauen traditionellen oder islamistischen Milieus zugehörig, die auf eine Berufstätigkeit oder sexuelle Selbstbestimmung ihrer Töchter und Frauen keinen großen Wert legen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Und Erol Peşter gehörte wohl solch einem Milieu ebenso an wie er es zu verewigen trachtete, jedenfalls erschoss er seine trennungswillige Frau in den Stunden nach der Sorgerechts‑Verhandlung des Familiengerichts, das zu betreten der polizeilich Gesuchte die Dreistheit hatte. Dann fuhr Erol Peşter zu dem ärmlichen Mönchengladbacher Mietshaus, der Wohnung seiner Ex‑Frau und wartete auf ihr Erscheinen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">In den letzten fünfzehn Monaten hat er oftmals an dieser Stelle auf sie gelauert, um sie einzuschüchtern. Das war Polizei und Jugendamt bekannt. Viele Nächte des Jahres 2006 verbrachte der Ex‑Ehemann im Auto vor dem Haus. Er konnte sich wohl mit dem auch mit der Scharia kaum in Übereinstimmung zu bringenden Trennungswunsch Rukiyes nicht abfinden, er fürchtete soziale Ächtung in seinem ebenso traditionalistischen wie fundamentalistischen Milieu. Oder mag im Vordergrund gestanden haben, dass er die Frau als Eigentum betrachtet? Es mag auch sein, dass Peşter sein Tun koranisch legitimiert hätte. Peşter schweigt dazu. Vielleicht hält er das deutsche Gericht für wenig zuständig. Die türkische Wagenburg Familie ist nicht säkular, nicht zu verstaatlichen. Das Gefängnis Familie ist Ehrensache. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Peşter schweigt zur Demokratie. Haben wir Demokraten ihm überhaupt erklärt, wie er hier in Deutschland leben kann, leben soll? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">März 2007. Der Mann wartet vor dem Haus, die Pistole unter der Jacke. Und richtig, da kam sie, seine Ex‑Ehefrau. Sein Besitz. Die Verhinderin seiner wiederherzustellenden muslimisch‑machistischen Ehre. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">November 2007. Der 39jährige Erol Peşter blickt nur selten zu seinen Verwandten hinüber. Er ist des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes angeklagt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">März 2007. Denn Erol Peşter hätte seinen damals zwölfjährigen Sohn Orkan ebenfalls erfolgreich getötet, wäre der Junge nicht in Todesfurcht und im Zickzack hinter geparkte Autos springend vor seinem Vater geflohen, weshalb der Schuss Orkan nicht traf. Peşter also schoss zuerst auf seine 38jährige Ex‑Frau Rukiye und soll, wie Augenzeugen berichten, einen Fuß auf die am Boden Liegende gesetzt haben und Rukiye noch zwei Mal in den Kopf geschossen haben. Mit einem Mobiltelephon versuchte die achtzehnjährige Tochter Derya die Polizei anzurufen. Die Ziffern 1, 1 und 0 konnte Derya noch tippen. 110, das wäre die deutsche Polizei gewesen. Da aber schoss der 39jährige dann auch auf seine Tochter, die allerdings noch ein paar Minuten lebte. Der neunjährigen Tochter gelang es, sich im Hausflur zu verstecken. Peşter flüchtete vom Tatort und Polizei und Notarzt kamen rasch, jedoch starb die achtzehnjährige Derya im Rettungshubschrauber auf dem Weg in die Notaufnahme. Eine Stunde nach der Tat stellte sich Peşter in 15 km Entfernung bei der Polzei der Stadt Viersen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Der Mörder Peşter selbst sagt, er habe die Tat aus Wut begangen, weil „keine Einigung erzielt worden war“, worüber auch immer, und weil er „die Kinder nicht der Frau überlassen“ wollte“, so jedenfalls konnte uns die Staatsanwaltschaft am 29.10.2007 erklären, die neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld eine zusätzliche Sicherungsverwahrung anstrebt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Rechtsanwältin Gülsen Celebi nennt die Tat einen „Mord aus falsch verstandener Ehre“: Erol Peşter, so Celebi weiter: „nahm die Scheidung und den Streit ums Sorgerecht sehr persönlich und fühlte sich aufgrund seiner traditionell geprägten Moral- und Ehrvorstellungen (…) und des Verhaltens seiner Frau verletzt und gedemütigt“. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Die Auslöschung der, so ließe sich sagen, ebenso antitürkischen wie antiislamischen Familie, war sie die letzte Möglichkeit, Erol Peşters Ehrbegriff beziehungsweise Gottesbegriff zu retten? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Allah dient eben nicht der Selbstverwirklichung sinnsuchender westeuropäischer Wohlstandsgören. Allah ist der Gott des Gefängnisses Familie. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Im Jahre 2003 wollte sich Rukiye von ihrem Mann endgültig trennen, was ihr aber nicht gelang: ihr Ex‑Ehemann zwang sie mit Gewalt dazu, mit ihm zusammenzuleben. Erst fünfzehn Monate vor dem Mord konnte sie ihn vor die Türe setzen, woraufhin Erol regelmäßig im Auto vor der Haustür übernachtete, was dem ebenso elenden wie dicht bevölkerten Häuserblock unmöglich entgangen sein kann. Erol bedrohte und schlug seine Ex‑Frau, die mehrfach in ein Frauenhaus flüchten musste. Der Psychoterror wurde also vom Straßenviertel des Mönchengladbacher ’Papageienviertels’ gedeckt, aus welchen Hoffnungen oder Ängsten auch immer. Obschon ja jede Beratungsstelle und Behörde längst Bescheid wusste. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Wir Demokratinnen und Demokraten können die Demokratie halt straßenzugweise nicht durchsetzen. Da wird sich wohl etwas ändern müssen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Rainer Pohlen und Gerd Meister, die beiden Verteidiger des ’ehrbaren Mörders’, verweisen auf den chronisch angeschlagenen seelischen Gesundheitszustand des Mandanten, der zeitweilig in psychiatrischer Behandlung gewesen sei und im Jahre 2000 einen Suizidversuch begangen habe. Dass sich Peşter über viele Wochen oder sogar wenige Monate hinweg vor dem Haus lauernd im Auto aufgehalten habe, möchten Pohlen und Meister als Indiz seelischer Überforderung oder sogar als Anzeichen einer Neurose verstanden wissen. Im Übrigen sei die Tat selbst im Affekt begangen worden. Doch einer psychologisch‑medizinischen Begutachtung in seiner Haftzeit hat sich der ’ängstliche’ Wohnungsbewacher und Todesschütze seit acht Monaten erfolgreich verweigert. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Auch ein Geständnis legte der 39jährige bislang nicht ab. Lothar Beckers, der Vorsitzender Richter, empfiehlt Peşter beides zu überdenken, gerade auch um seinen Kindern eine Aussage vor Gericht zu ersparen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Der in den Niederlanden gemeldete Peşter war seit dem 15. Februar polizeilich gesucht worden, seit drei Wochen vor der Tat also. Warum er in den Stunden vor dem Doppelmord vom 9. März nicht festgenommen wurde, namentlich in der einstündigen Gerichtsverhandlung, das ist offensichtlich auf ein Versagen von Justiz und Polizei zurückzuführen. Die türkischen Zeitungen verhöhnten dementsprechend auch die tapsige deutsche Justiz, ohne freilich eigene Mitverantwortung zu bekennen am immer noch oder schon wieder tonangebenden Ehrenmordmilieu des kleinasiatischen Islams, sei er nun kurdisch oder türkisch, dörflich oder AKP‑nah. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">In der Türkei kommen vermutlich 25 Ehrenmorde pro Monat vor, es findet also nahezu jeden Tag ein ’Ehrenmord’ irgendwo in dem 70 Millionen Bewohner zählenden riesigen Land mit seiner rasant wachsenden Bevölkerung statt. Die deutschen Touristen werden davon nicht viel mitbekommen, interessieren sich aber auch eher für Sonne, Strand und blauen Himmel an der türkischen Südküste. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Die ehtnischen Spannungen zwischen Kurden und Türken sind nicht bewältigt. Die regierende AKP benutzt die Vokabel Demokratie womöglich nur, um einen Gottesstaat auszurufen. Grund genug, so findet jedenfalls der SPD‑Politiker Günter Verheugen, die Türkei in die Europäische Union aufzunehmen. Verheugen wohnt auch nicht im Papageienviertel. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Deutschland 2007. Durchaus im Sinne des aus der Psychologie bekannten Just‑World‑Prinzips also befinden die oberflächlich empörten Politiker und Medien nun: „dieser Mord in Mönchengladbach hätte verhindert werden können“. Auch Nordrhein‑Westfalens Justizministerin Roswitha Müller‑Piepenkötter schließt sich dieser ebenso unumgänglichen wie wohlfeilen Dosis an Zerknirschtheit an. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Wir islamkritischen Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die wir täglich in und mit Familien aller Einwanderermilieus zu tun haben sind da zwar mindestens ebenso zweckoptimistisch, doch teilweise zu etwas mehr Mühsal bereit. Und zum Eingeständnis, schmerzlich festzustellen, dass inzwischen wohl zehntausende türkisch‑muslimische Familien in Deutschland leben, in denen die Moral des anatolischen Dorfes gilt, nicht die der demokratischen und modernen Emanzipation, in denen die Werber für Scharia und Kalifat erfolgreich sind, nicht diejenigen der säkularen Demokratie. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Es tickt eine Zeitbombe, die mit der Polarität ’hier der Eurozentriker, da der edle Wilde. Hier das kapitalistische Schuldigwerden, da der geheimnisvolle Orient’ nun wahrlich nicht zu erfolgreich bewältigen sein wird. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Doch, erfolgreich im Sinne von Milli Görüş und Muslimbruderschaft. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Europas und Deutschlands Demokratinnen und Demokraten haben auch gar nicht erst geworben. Professor Bassam Tibi wagte es, die Europäer aufzufordern, von sich selbst ebenso wie von den Einwandernden das Bekenntnis zur säkularen und demokratischen Leitkultur zu einfordern. Tibi jedoch brachte die Gutmenschen aus der Kinder- und Enkelgeneration der Achtundsechziger mit dem Begriff Leitkultur derartig aus der Fassung, dass sie ihn einfach totschwiegen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Vielleicht haben wir uns geschämt, für die Demokratie und damit gegen den vormodernen Scharia‑Islam zu werben. Die Kolonialzeit, Hitler, allemal Grund genug für eine geheuchelte Bescheidenheit, hinter der sich wohl nicht viel Anderes als Gleichgültigkeit versteckte. Grenzen überwindend, multikulturell. Für alles offen war man längst nicht mehr ganz dicht. Da kam der eine oder andere Wolf im Schafspelz gerade recht, der uns die Möglichkeit bot, im warmen masochistischen Schlamm der europäischen Schuld zu baden. Ach, was fühlt man sich gut, wenn man fremdenfreundlich Buße tut. Und, schwuppdiwupp, durfte die Islamische Föderation an Berliner Schulen Religionsunterricht erteilen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Es gibt kein Machtvakuum. Wir haben es der faschistischen Muslimbruderschaft bei der Erosion Europas so leicht gemacht, dass sie es bis haute kaum fassen kann. Europa franst aus. Da kommt es auf die Mitgliedschaft der Türkei auch nicht mehr an. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Jetzt reden wir uns ein, dass auch der Doppelmord von Mönchengladbach nur ein Einzelfall gewesen sei. Ob das falsch ist, können wir eigentlich nur herausfinden, wenn wir die europäische Außengrenze in das Quellgebiet von Tigris und Euphrat hinein verschieben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Erol und Rukiye Peşter wurden von ihren beiden Großfamilien verheiratet als Rukiye 15 Jahre alt war. Im Südosten der Türkei werden immer noch zwei Drittel aller Ehen abgesprochen, der Wille eines Menschen, wen er oder sie heiraten will oder ob er oder sie überhaupt heiraten will, zählt da nicht viel. Und wir in Europa, nicht in Moskau oder Minsk, wir in Westeuropa, die wir das persönliche Glück gehabt haben, halbwegs selbstbestimmt aufzuwachsen, haben wir den Einwanderern aus dem Geltungsbereich von Shari’a und Dhimma nichts anderes zu sagen als ’Der Intelligente passt sich an’? Ein Salman Rushdie musste nach London flüchten, kein Günther Grass nach Teheran. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Allein in Berlin wurden im Namen der ’verletzten Ehre’ zwischen November 2004 und März 2005 sechs Mädchen ermordet. Viele Europäerinnen und Europäer irritiert dabei auch die Frage, ob eine derartige Grausamkeit aus dem Islam an sich resultiert, aus dessen dörflicher Rückständigkeit oder aus seiner extremistischen Variante. Die wegweisenden Antworten auf diese Frage finden zu helfen, dazu haben couragierte Frauen wie Necla Kelek, Seyran Ateş oder Serap Çileli viel beigetragen. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, zwischen Traditionalismus, Islamismus und Islam nicht zu unterscheiden. Die Scharia hat auch niemand je in Frage gestellt, und der Hauptbestandteil der Scharia ist gerade das Ehestandsrecht. Allerdings ist es auch sinnvoll zu sagen, dass die Scharia dem Koran nicht Unrecht tut. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Ebenfalls ist es wohl richtig, dass die althergebrachte frauenverachtende Scharia mit Erol Peşters Mönchengladbacher Doppelmord ganz gut harmoniert. Traditioneller Islam heißt Frauenunterdrückung, Islamismus heißt das Selbe – und zwischen beidem bleibt derzeit leider kaum Spielraum. Jedenfalls sitzen den enigen demokratiebejahenden Muslimas und Muslimen die Hinterwäldler nicht weniger im Nacken als die Kalifatsfreunde aus dem politischen Islam. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Dass es einmal hoffnungsvolle Modernisierungen des Islams gegeben hat, beispielsweise mit der eine Demokratie theoretisch ermöglichenden konzeptionellen Trennung von Din und Daula, Religion und Staat durch den Theoretiker Abd al‑Raziq und seinen Lehrer Mohammad Abduh, die dann von der islamofaschistischen Bewegung der Muslimbruderschaft um ihren theokratischen Vordenker Sayyid Qutb überrollt wurden soll nicht vergessen sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Doch heute erinnere man sich an den Integrationsgipfel, zu dem die Bundesregierung am 12. Juli 2007 eingeladen hat und an die Begründung für die Absage der türkischen Islamverbände in buchstäblich letzter Minute? Diskriminierung, Diskriminierung, so schimpften die Ferngebliebenen. Der Grund: Die Bundesrepublik wollte das Nachzugsalter für Ehefrauen heraufsetzen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Einstweilen ist die Religion der Muslime sakraler Machismus. Ob in Anatolien oder in der AKP, ob hinterwäldlerisch oder islamverbandlich organisiert: Islam ist heiliger Frauenhass. Ayaan Hirsi Ali dokumentierte das mit ihrem Film Submission, woraufhin es Regisseur Theo van Gogh leider für übertrieben hielt, sich innerhalb seiner niederländischen Heimat zu verstecken. Auf offener Straße wurde Querkopf van Gogh von einem in Holland aufgewachsenen fanatisch religiösen Marokkaner hingerichtet, sorgsam vorbereitet und mit einem koranisch inspirierten Bekennerschreiben bedacht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Zurück nach Mönchengladbach: zwischen den Familien von Rukiye und Erol, so ist inzwischen bekannt geworden, gibt es seit Generationen immer neue Gewalttätigkeiten, gleichwohl werden immer wieder untereinander Verheiratungen beschlossen. Eine geopferte Tochter verändert die Höhe der nächsten paar Brautgelder, mehr steht nicht auf dem Spiel. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Islam sind 1,5 Milliarden Menschen. Islam kann recht Vieles sein. Doch auch die Ehe von Rukiye und Erol ist ein echtes Stück Islam. Erol der türkische Muslim ist genau so Opfer einer Zwangsverheiratung wie Rukiye, die allerdings sich aus ihrem scharia‑konformen Sklavinnendasein befreien wollte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Für den in diesen Wochen auf seine Verurteilung wartenden Ehrenmörder Erol Peşter war es offenbar nicht attraktiv, den Weg in einen gleichberechtigten Umgang mit dem anderen Geschlecht und in eine Sexualität jenseits des Vergewaltigens zu beschreiten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Zur Pistole jedoch konnte er greifen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:'Arial','sans-serif';color:#4f81bd;">Jacques Auvergne </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;color:#333399;"><span> </span></span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Für ein selbst bestimmtes Leben – nicht erst im Paradies.]]></title>
<link>http://schariagegner.wordpress.com/2007/11/26/fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</link>
<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 11:17:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>schariagegner</dc:creator>
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<description><![CDATA[
Gegen die Unkultur des Schweigens 
Hatun Aynur Sürücü war das 5. von 8 Kindern der Familie Sür]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;"><span style="font-size:16pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Gegen die Unkultur des Schweigens </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Hatun Aynur Sürücü war das 5. von 8 Kindern der Familie Sürücü, das älteste Mädchen. Schon sehr früh war sie eine starke Persönlichkeit, die sich als Jugendliche das Recht nahm zu fragen, zu zweifeln und zu widersprechen. Ihr Vater behauptete, dass daran der demokratische Unterrichtsstil der Schule und der Kontakt zu den SchulkameradInnen schuld seien. Daher meldete er die erfolgreiche Schülerin in der 8.Klasse des Robert Koch Gymnasiums von der Schule ab, um sie bald darauf mit 16 Jahren an einen Cousin zwangszuverheiraten. Die Lehrer und die Schulleitung hinterfragten die Entscheidung, die Schulausbildung abzubrechen, nicht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Das Paar lebte bei der Familie des Mannes im kurdisch geprägten Teil Nordanatoliens in der Türkei, das die ehemalige Heimat der Brauteltern war. Wenn Hatun Aynur auch aus einer ähnlich streng patriarchal-muslimisch orientierten Familie stammte, hatte sie in Berlin wenigstens noch die ehemaligen MitschülerInnen und das Großstadtmilieu einer Weltmetropole, um ab und an der familiären Enge zu entfliehen. Hier, in der dörflichen Abgeschiedenheit der kurdischen Steppe hingegen war der Alltag ausschließlich durch die harte Handarbeit im Haus und auf dem Feld sowie die traditionellen Genderbilder und die vormodernen Regeln des Clans bestimmt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Jeder Tag glich dem anderen, man sah immer die gleichen Leute, die aus den gleichen Familienstrukturen kamen, man redete immer über die gleichen Themen. Für eine sehr junge Frau, die an hektische Betriebsamkeit, technischen Fortschritt, bunte Schaufenster, pünktliche, öffentliche Verkehrsmittel, Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebenswelten sowie ständigen Wandel gewöhnt war, eine schier unerträgliche Monotonie. Zu allem Überfluss wurde die jungendliche Ehefrau schwanger, bevor sie auch nur eine geringe Chance gehabt hätte, sich einzugewöhnen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Es dauerte daher nicht lange, da hatte sie sich so sehr mit ihrem Ehemann und dessen Familie zerstritten, dass die von schrecklichem Heimweh geplagte <span> </span>werdende Mutter allen Mut zusammennahm, sich trennte und fluchtartig zu ihrer Ursprungsfamilie nach Deutschland zurückkehrte. Kurze Zeit später brachte Hatun Aynur ihren Sohn Can zur Welt. Für sie begann nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, weshalb sie sich selbst den zweiten Vornamen Aynur (Mondlicht, hell leuchtend wie der Mond) gab. Nach der Geburt lebte die junge Mutter für eine Weile gemeinsam mit dem Säugling im Haushalt ihrer Eltern. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Doch auch hier in Berlin schränkten die extrem traditionellen Ansichten über Familie, Mutterschaft, weibliche Lebensentwürfe und Geschlechterrollen die gläubige Muslima, jedoch selbstbewusste Persönlichkeit extrem ein. Besonders widerstrebte ihr die in diesen Familienstrukturen übliche Kontrolle unverheirateter Frauen. Konnte sie früher durch den Schulbesuch wenigstens zeitweise ausweichen, war sie jetzt, als ledige Mutter ohne Schutz ihres Ehemannes, den sie ohne einen von der Scharia erlaubten Entschuldigungsgrund verlassen hatte, sehr strengen Vorschriften ausgesetzt. Diese symbolischen Fesseln des Gefängnisses Familie konnte sie nicht auf Dauer ertragen, verließ auch ihre Ursprungsfamilie im Streit und zog mit ihrem Baby in ein Wohnheim für junge Mütter. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben wirklich frei von Überwachung und gängelnder Bevormundung, bemühte sich Hatun Aynur ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Brauchte sie zu Anfang noch psychologische und sozialpädagogische Unterstützung, gelang es ihr zunehmend besser, Eigenverantwortung zu übernehmen. Neuen Herausforderungen wie der Führerscheinprüfung stellte sie sich zunehmend selbstsicher, der bestandene Hauptschulabschluss, den sie nachgeholt hatte, war ein besonders wichtiger Meilenstein in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. War ihr langes, dichtes Haar sie zu diesem Zeitpunkt gänzlich bedeckt, lehnte sie von da ab das Tragen eines Kopftuches ab, verbannte die fußlangen Mäntel und unvorteilhaften Kittel in die Mottenkiste, kleidete sich modern, schminkte sich manchmal, schnitt die Haare kurz und tönte sie. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Nun fühlte sie sich stark genug, eine eigene Wohnung zu suchen, begann eine Lehre als Elektroinstallateurin und fand in dem von Männern dominierten Beruf schnell ihren Platz. Sie schloss die Lehre erfolgreich ab und stand Anfang 2005 sogar kurz vor ihrer Gesellenprüfung. Vier Jahre hatte sie trotz der zusätzlichen Belastung als berufstätige Hausfrau und allein erziehende Mutter durchgehalten, soviel Energie, Zielstrebigkeit und Lerneifer bringt nur jeder zweite Jugendliche trotz einfacherer Lebensumstände auf. Sie war so stolz auf sich, aus eigener Kraft ihr Leben zu meistern, dass sie auch ihre Familie an ihrer Freude Anteil nehmen lassen wollte und wieder Kontakt aufnahm, obwohl sie von Freunden gewarnt worden war. Es lag der mutigen Pionierin wirklich viel daran, von ihren Eltern und Geschwistern nicht als widerspenstige Rebellin und missratene Tochter/Schwester, sondern als eigenständiger, entscheidungsfähiger Mensch mit dem Anrecht auf eine individuelle Biographie akzeptiert zu werden. Sie ging daher das Risiko ein, die Schwestern hin und wieder zu sich einzuladen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Später gelang es ihr sogar, das Verhältnis zur Mutter zu bessern und sich mit ihr öfter in einem Cafe zu treffen. Sie hatte dann meist auch ihren Sohn mit. Nach einiger Zeit besuchte der Junge die Großeltern regelmäßig in deren Wohnung. Dass sie selbst, wenn sie Can brachte oder abholte nicht mit herauf kommen durfte, sondern vor der Tür draußen warten musste, kränkte sie zwar, doch nahm sie es hin und hoffte auf die Zukunft. Schließlich hatte sich in den letzten Monaten die Beziehung zu den Verwandten unerwartet positiv verändert, warum sollte da eine weitere Normalisierung ausgeschlossen sein? Diese Einschätzung war allerdings sehr optimistisch und ließ außer Acht, dass Menschen sich und ihre Einstellungen nur dann zu ändern bereit sind, wenn sie einen Gewinn darin sehen, sich die Mühe zu geben, Eingeübtes, leicht von der Hand Gehendes aufzugeben und Neues zu wagen. Hatun Aynurs Gewinn war Lebensqualität im Hier und Jetzt. Ein solcher, wie auch immer gearteter Bonus war für die Familie nicht sichtbar. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Can, mittlerweile fünf Jahre alt, war der stark an die Mutter gebundenen Kleinkindphase entwachsen. Seine Aufnahme in die ’muslimischen Männerwelten‘, symbolisiert durch das islamische Beschneidungsritual, die Sünnet, stand kurz bevor. Deshalb das starke Interesse der Familie an den Besuchen des Jungen, ein in diesem Moment besonders willkommenes Faustpfand für die Tradierung ihrer Lebenskonzepte. Das für konservativ denkende Muslime provokant individualistische Auftreten ihrer ältesten Tochter gefährdete die patriarchale Hierarchie und stellte die lebensfeindliche, ausschließlich auf die Freuden im Jenseits orientierte Auslegung des Islams in Frage. Die Gefühlskälte und Distanz, die ihr entgegen gebracht wurden, erleichterte einerseits den Umgang mit der Tochter / Schwester, die sie irgendwie doch liebten, andererseits resultierten sie aus der Verachtung ihrer Person. Zumindest der Vater und die älteren Brüder nahmen den häufigeren telefonischen und den meist auf die engsten weiblichen Verwandten beschränkten persönlichen Kontakt lediglich billigend in Kauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Hatun Aynur hatte ihre Aufgabe als Söhnchenfabrik (Hirsi Ali) und Garantin einer natürlichen, gesunden psychischen und physischen Entwicklung des kleinen Can erfüllt. Als weiterhin wichtige Sozialisations- und Erziehungsinstanz ihres Sohnes und eventueller weiterer Nachkommen war die junge Frau nach Ansicht ihrer zahlreichen konservativen Verwandten denkbar ungeeignet. Die experimentierfreudige, junge Berlinerin weigerte sich selbstbewusst, die ihr im Clan verpflichtend zustehende Rolle in der kulturell-vormodernen, fundamentalistisch-religiösen Weise ihrer Eltern auszufüllen. Ohne traditionelle Rollenzuteilung, die ihrerseits dazu dient, überlieferte Verhaltensmuster und Handlungsoptionen weiterzugeben, eine damit nicht unwichtige Aufgabe jeder Frau im Patriarchat, war sie wertlos und sogar eine Bedrohung für die vormodernen Lebenskonzepte sowie deren Festigung. Sie war eine ständige Gefahr für die fetischisierte Familienehre. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Die Sürücüs standen daher nicht nur durch den nordanatolischen Zweig ihres Clans unter hohem moralischem Druck. Ihr Selbstverständnis, das durch die Auslegung eines Islams, der das Leben nach dem Tod verklärt sowie durch die wörtlich umzusetzende Scharia geprägt wurde, hatte immens gelitten. Von der Richtigkeit und Allgemeingültigkeit ihrer fundamentalistischen Glaubensauslegung überzeugt, wiesen sie jede liberalere Deutung des Korans als Häresie weit von sich. Versetzt man sich in ihre Denkstrukturen, hätten sie tatsächlich in erzieherischer Hinsicht als Eltern und ältere Geschwister, auch die erziehen in muslimischen Familien, total versagt, aber auch als Gläubige, vor sich selbst, vor der muslimischen Gemeinde und vor Allah sich schwer versündigt. Es war ihnen nicht gelungen, die von ihnen gelebten Traditionen an ihre älteste Tochter weiter zu geben, damit die sie an ihre Kinder weitergibt. Da Frauen sowieso äußerst selten ins Paradies kommen, sie verbreiten Fitna und sind unrein, gefährdeten vor allem die Männer ihr ersehntes Ziel, das Paradies. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Als Hatun Aynur nach einer die Ehre beider Familien verletzenden, nicht durch die Scharia abgesegneten Trennung von ihrem Mann nun wieder in der Kreuzberger Community lebte, in der man die Eltern und Brüder natürlich gut kannte, und es wagte, nach der Geburt ihres Sohnes sich im Streit auch von ihnen, ihrer Ursprungsfamilie, zu trennen, um beruflich wie privat sehr neue <span> </span>Wege zu gehen, erhöhte das die Unzufriedenheit und den moralischen Druck, dem die Familie sich selbst aussetzte, der aber auch von Außenstehenden an sie weitergegeben wurde. Hier war nicht nur die Ehre zweier Familien auf besonders respektlose Weise gekränkt worden, sondern die Ümmet (Umma), der Islam und damit Gott, ein Hadd-Vergehen, das laut Scharia die Tötung nach sich ziehen kann. Tatsächlich nahm spätestens mit der beginnenden Ablösung Cans aus dem alleinigen Schutz und Verantwortungsbereich seiner Mutter eine verhängnisvolle Entwicklung ihren kaum mehr aufzuhaltenden Ablauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Vermutlich hat der Familienrat, veranlasst durch die kurz bevorstehende finanzielle Unabhängigkeit bei Überreichung des Gesellenbriefes an die zielstrebige, integrationswillige junge Frau, in einer heimlich abgehaltenen Sitzung den baldigen Tod der 23jährigen beschlossen, deren einziges ’Vergehen’ es war, als Deutsche kurdischer Abstammung, sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft, zu leben wie eine Deutsche. Üblicherweise sind bei Morden wegen Hadd-Vergehen mehrere Verwandte, meist die Brüder, beteiligt. Das verteilt die Schuld auf mehrere Schultern, stärkt die verschworene Gemeinschaft, den Männerbund, und … macht voneinander abhängig: jeder Einzelne ist durch den anderen erpressbar. Meist meldet sich ein Minderjähriger oder gerade Achtzehnjähriger ’freiwillig’, das Verbrechen durchzuführen, weil Jugendliche und in der Regel auch noch Heranwachsende (bis 21) wegen der als geringer einzuschätzenden Einsichtsfähigkeit nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden und mit weniger harten Strafen zu rechnen haben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Nach den Ermittlungen der Polizei und den Aussagen in der folgenden Hauptverhandlung lief wahrscheinlich auch in diesem Fall alles nach dem alt bekannten Schema ab. Danach hat der älteste Bruder, Mutlu, die Pistole besorgt, der mittlere stand wohl Schmiere, der jüngste, Ayhan, gerade achtzehnjährig, hat seine Schwester erschossen. Warum Ayhan seine Freundin Melek, die er heiraten wollte, in das Mordkomplott einweihte, ist unbekannt. Vielleicht belastete ihn die Vorbereitung der Tat so sehr, dass er mit jemandem reden musste, dem er vertraute, vielleicht war es Taktik, weil Ehefrauen nicht aussagen müssen. Er fragte Melek, ob sie bereit sei, ihn nach der Tat zu heiraten und mit ihm gemeinsam Can, Hatun Aynurs kleinen Sohn, aufzuziehen. Wie die junge Berlinerin im späteren Prozess aussagte, meinte sie sich verhört zu haben. Der vor einer Sekunde noch so vertraute, geliebte junge Mann erschien ihr plötzlich völlig fremd. Sie musste sich verhört haben. Doch da zeigte ihr Ayhan die Einschusslöcher in dem alten Blechmülleimer. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Ihr angebeteter zukünftiger Ehemann ein Mörder? War der attraktive junge Mann, den sie anhimmelte, ein potentieller Schwesternmörder? Wollte er ihr mit den Löchern im Eimer beweisen, wie ernst es ihm mit dem Mord war? Wollte er sie gar einschüchtern? In welche Familie war sie im Begriff einzuheiraten? Sie wusste, wie strenggläubig die Sürücüs waren, doch die eigene Schwester zu töten, weil sie vorzog, wie eine Deutsche zu leben? Wer in der Familie wusste Bescheid, war Hatun Aynurs kleine Schwester Arzu, die damals ihre beste Freundin war und durch die sie Ayhan erst kennen gelernt hatte, eingeweiht? Wie oft sagt man wütend, die oder den könnte ich umbringen, führt die Tat jedoch nicht aus! Glaubhaft, dass Melek nicht wusste, was sie denken sollte. Total verzweifelt beschloss die junge Frau mit niemandem zu reden. Auch wagte sie nicht, Azur ins Vertrauen zu ziehen, Natürlich hätte sie sofort bei der Polizei aussagen müssen. Sie schwieg. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Vielleicht sagte sie auch nicht aus, weil sie schreckliche Angst um ihr eigenes Leben hatte, immerhin war der achtzehnjährige junge Mann in Besitz einer Schusswaffe und plante einen Mord. Würde man ihr überhaupt glauben? Welche Beweise hatte sie? Einen durchlöcherten Mülleimer? Lächerlich! Den kann jeder als Zielscheibe benutzt haben. Sie hatte weder gesehen, dass ihr künftiger Schwager Mutlu die Waffe besorgt hatte, noch war sie Augenzeugin bei den Schießübungen. Selbst wenn Ayhan persönlich den Müllbehälter verbotener Weise für Zielübungen zweckentfremdete, eine Tötungsabsicht ließ sich damit allein sicher nicht beweisen. Wie hätten die Sürücüs reagiert, wenn sie, die als zukünftige Schwiegertochter galt, auf Grund eines vagen Verdachtes ihren Sohn, der ihr, Meleks, zukünftiger Ehemann werden sollte, angezeigt hätte? Sicher hätte der Ehemann ’in spe’ seine künftige Braut verachtet. Wäre die Polizei in der Lage, sie zu schützen, wenn der Verdacht sich als stichhaltig erweisen würde? Ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein. Sie muss sehr verzweifelt gewesen sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Am 7. Februar 2005, kurz vor 21 Uhr wurde Hatun Aynur Sürücü an der Bushaltestelle vor ihrer Wohnung auf offener Straße durch 3 Schüsse aus nächster Nähe von ihrem Bruder Ayhan niedergeschossen und getötet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Man hatte alles bis aufs Kleinste geplant, wie wir wissen, war auch die Zukunft des kleinen Jungen geregelt. Am Tag nach dem Mord waren Ayhan und Melek verabredet. Wie die verzweifelte junge Frau, die vom gewaltsamen Tod Hatun Aynurs gehört hatte, später in der Verhandlung zugibt, habe sie zwar Böses ahnend, jedoch noch immer völlig ungläubig ihren Freund gefragt, ob er den Mordplan tatsächlich ausgeführt habe. Dieser gab die Tat zu. Nach der neuen goldenen Uhr gefragt, antwortete der Schwesternmörder, er habe den Wertgegenstand am Mordabend auf seinem Nachttisch gefunden. Was in diesem Moment in der jungen Frau vorgegangen sein muss, die um die Bedeutung eines solch kostbaren Geschenkes wusste, können wir nur ahnen. Sicher ist, dass sie noch größere Angst gehabt muss, weil sie immer noch nicht zur Polizei ging. Als sie wenige Tage nach dem Mord ihren damaligen Freund auf dessen Wunsch zur Polizei begleitete, wurde auch sie befragt. Sie sagte zunächst nicht alles, was sie wusste. Nur weil ihre Mutter, die Melek von der Polizei abholte, die, wie sie bei Gericht zu Protokoll gab, ihre Tochter noch nie in einem solch erbärmlichen Zustand, schneeweiß im Gesicht und total verstört, ausfragte, war die Jugendliche der emotionalen Belastung nicht mehr gewachsen und brach ihr Schweigen. Erst jetzt traute sich Melek, die volle Wahrheit auch der Polizei zu Protokoll zu geben. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:120%;margin:0 0 18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">In dem anschließenden Prozess vor dem Berliner Landgericht sagte die ehemalige Freundin des Täters, geschützt durch eine kugelsichere Weste und drei Polizeibeamte in Zivil, als Hauptbelastungszeugin aus. Alles, was wir über Tatvorbereitung und Tatmotiv wissen, haben wir wieder einmal zwei Frauen zu verdanken, die, obwohl ihr Leben total aus den Fugen geraten ist und sie im Zeugenschutzprogramm leben, den Mut aufbrachten, die Mauer des Schweigens zu brechen. und uns Einblick in eine Welt geben parallel zu unserer Welt. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:120%;margin:0 0 18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Solange die islamische Geistlichkeit nicht alternative Sichtweisen und sogar das Abtrünnig‑Werden aus der Religion ausdrücklich gestattet, so lange wird die islamische Wagenburg der Großfamilie ihren Kindern das Beschreiten eines eigenen Lebensweges untersagen. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:120%;margin:0 0 18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Die kulturelle Moderne muss universelle Menschenrechte durchsetzen und darf Niemandem, auch keinem Kollektiv, Sonderrechte gewähren. Internationale Frauentage und Aktionstage gegen häusliche Gewalt dürfen keine Schaufensterveranstaltung sein. </span></p>
<p style="text-align:justify;line-height:120%;margin:0 0 18pt;"><span style="font-size:13pt;line-height:120%;font-family:Arial;color:#4f81bd;">Ümmühan Karagözlü<span> </span></span></p>
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