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	<title>kalenderblatter &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/kalenderblatter/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "kalenderblatter"</description>
	<pubDate>Wed, 08 Oct 2008 09:39:03 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[...Where'd All The Good People Go?]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/?p=599</link>
<pubDate>Sat, 04 Oct 2008 20:07:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2008/10/04/whered-all-the-good-people-go/</guid>
<description><![CDATA[Heute vor einem Jahr – do you remember?
Wisst ihr noch?
Heute auf den Tag genau vor einem Jahr gab]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Heute vor einem Jahr – do you remember?</strong></em></p>
<p><img src="http://hegewald.files.wordpress.com/2007/10/free-burma-banner-5-vklein.jpg" alt="Free Burma!" align="left" hspace="8" width="110" />Wisst ihr noch?</p>
<p>Heute auf den Tag genau vor einem Jahr gab es neben vielen Real-Live-Bekundungen auch in der internationalen Blogosphäre einen großen und herzwarmen <a href="http://freeburma.stots.de/doku.php?id=official_wiki">Akt der Solidarität</a> für ein kleines gebeuteltes Volk, von dem viele damals vielleicht zum ersten Mal ergoogelten, wo dieses Land überhaupt liegt.</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/DRRLND5Bdro'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/DRRLND5Bdro&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p>Dem Aufruf “One blogpost for Burma” folgten damals in einer konzertierten Aktion tausende Blogger über Ländergrenzen und Ozeane hinweg.</p>
<p>Erinnert ihr Euch? Die Regierung und das Militär von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Myanmar">Myanmar (Burma, Birma)</a> erstickten damals die friedlichen Proteste der Mönche in den Safrankutten und verzweifelter Menschen in diesem Vielvölkerstaat gegen Hunger und Repressionen und für ein freies Burma mit Terror und Blut. Und der Bloggertag der moralischen Unterstützung, dessen stringente Organisation über engagierte Aktivisten und deren Netzwerke mich schwer beeindruckte, stieß allerorten auf offene Augen und Ohren. - Wenn man mal von den <span style="text-decoration:line-through;">paar nörgelnden</span> kritischen Stimmen absieht, die den Organisatoren und dem solidarisch geeinten Bloggervolk Aktionismus, Einäugigkeit hinsichtlich des Elends der Welt und was weiß ich noch vorwarfen...</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/0heX0k8pnB0'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/0heX0k8pnB0&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p>Es ist still geworden um die Ereignisse und die Situation in Burma. Nicht z u still? Gar totenstill?</p>
<p>Oh, falls es einer nicht weiß, es hat sich nicht viel geändert dort, nachdem der Widerstand und Protest der Septembertage von 2007 durch die Diktatoren gebrochen wurden. Schon gar nicht zum Besseren, nachdem  zu allem Überfluss der <a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,551541,00.html">Zyklon Nargis</a> auch Myanmar heimgesucht und verheerende Zerstörungen hinterlassen hat. (Hand aufs Herz, wer hat bei <a href="http://www.aktion-deutschland-hilft.de/adh_artikel_14/hilfseinsaetze_29/zyklon_birma_myanmar_335/zyklon_birma_myanmar_7383.php">Deutschland hilft</a> mitgemacht und für die Opfer gespendet?) Das Land ist weitgehend nach außen abgeschirmt, auch der Zugang zum www. Viele der damals Verhafteten sitzen immer noch in den Gefängnissen, viele Mönche und Dissidenten sind verschwunden, getötet, hinter die Grenzen der Nachbarstaaten oder weit weg geflohen oder untergetaucht. Der Hunger, Zwangsarbeit und  Repressionen – es gibt sie immer noch. Mit dem unter Einschüchterung und Druck abgehaltenen Referendum über eine Verfassung - von deren Ausarbeitung die Opposition ausgeschlossen war  - hat die Militärdiktatur im Mai 2008 ihre Macht festklopfen lassen. Scheinheilige 'Schönheitskorrekturen' der Machthaber sollen die Weltöffentlichkeit täuschen...</p>
<p>Um an diese Informationen zu kommen, muss man heuer schon ein bisschen im Netz kramen. Man stößt auf Burma-Seiten, auf denen man hin- und her gerissen  zwischen Besorgnis und Enttäuschung, ja, sogar eigenem schlechten Gewissen, seit Herbst 2007 keine Aktivitäten mehr verzeichnet. Ja, es ist still geworden...(Das letzte deutliche Lebenszeichen der Free-Burma-Initiative vom vorigen Jahr habe ich als Umfrage zur Aktion vom 4. Oktober 2007 in Erinnerung. Und die Free-Burma-Banner sind von den meisten Blogs mit der Zeit wieder verschwunden.)</p>
<p>Totenstill? Nein, ganz so ist es nicht. Es gibt – auch in Deutschland – viele Aktivisten, die sich unermüdlich für die Menschen in Burma einsetzen, zum Beispiel <a href="http://www.tdh.de/content/meldungen/20080924_burma_proteste.htm">hier</a> oder <a href="http://www.asienhaus.de/index.php?LINK=15&#38;ULINK=5&#38;UULINK=2">hier</a> oder <a href="http://www.burmabureaugermany.com/index.php?id=20&#38;L=1">hier</a>. Ein <a href="http://birmaberichterstattung.blogspot.com/">Schweizer Journalist</a> hört nicht auf, über die Situation dort zu berichten, ebenso das zweisprachige (Englisch und Burmesisch) Online-Magazin <a href="http://burmadigest.info/">BURMA DIGEST</a>.</p>
<p>Das aus den USA agierende web-Projekt <a href="http://www.avaaz.org/">Avaaz.org</a> unter der Leitung des kanadischen Weltbürgers <a href="http://www.youtube.com/watch?v=epz703S3LCQ">Ricken Patel</a> mobilisiert via www erfolgreich eine internationale Community. (Danke an <a href="http://stefan888.wordpress.com/2008/06/06/burma-bereits-13-millionen-euro-durch-internet-spenden/">stefan888</a> für den erhellenden Blog-Beitrag.)</p>
<p>Und trotzdem beschleicht mich immer wieder das Gefühl, als hätten die Kritiker und Skeptiker der Bloggeraktion “Free Burma” von vor einem Jahr irgendwie Recht behalten – was meint i h r? Bauen die Menschen dort - und überall in der Welt - nicht weiter und immer wieder auf uns? Müssen wir nicht mehr tun?</p>
<p>Ach ja, und verdächtigt jetzt wen ihr wollt des Gutmenschentums. Ich jedenfalls bin ins Grübeln geraten – und sollte ein besserer werden, glaube ich. Und wäre ich es dann einmal, empfände ich diesen Verdacht als eine Ehre...</p>
<p><a href="http://www.avaaz.org/en/stand_with_burma/"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/10/free-burma-barf.jpg" alt="Free Burma" title="free-burma-barf" width="235" height="365" class="size-full wp-image-613" align="right" /></a></p>
<blockquote><p><strong>Glittering Saffron</strong><br />
<em>(by NAY YU, <a href="http://burmadigest.info/2008/09/11/glittering-saffron/">via BURMA DIGEST</a>)</em></p>
<p>Where are those voices of ‘Metta’?<br />
While the Evils still in power<br />
Where are those Saffron power?<br />
Glittering in the sky<br />
Deep in our mind<br />
Though Evils rule our land<br />
With their bloody hands.<br />
Where are those ‘Sons of Buddha’?<br />
While the guns still pointing our hearts<br />
Where are those ‘Peaceful Walks’?<br />
Glittering beyond the horizon<br />
Still shining for the by-gone<br />
Though Evils rule our land<br />
With thier bloody hands.</p></blockquote>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/43VyrUFEyNo'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/43VyrUFEyNo&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p><em>Quellen: Bild "Free Burma" - <a href="http://flickr.com/photos/stuckcarboy/1522653793/">StuCkCaRBoy</a>; Videos via Youtube (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=DRRLND5Bdro">1</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0heX0k8pnB0&#38;feature=related">2</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=43VyrUFEyNo&#38;feature=related">3: Song von Jack Johnson: "Where'd All The Good People Go"</a>.)</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Everyone I know goes away in the end...]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/?p=550</link>
<pubDate>Fri, 12 Sep 2008 21:56:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2008/09/12/everyone-i-know-goes-away-in-the-end/</guid>
<description><![CDATA[
latte-Wohnen ist manchmal ganz schön anstrengend.
Ich bin genervt. Denn mein Herr Unter-Nachbar, 1]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><img title="buchstabe-p" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/buchstabe-p.gif" alt="" width="64" align="left" /><br />
latte-Wohnen ist manchmal ganz schön anstrengend.</p>
<p>Ich bin genervt. Denn mein Herr Unter-Nachbar, 10. Stock, links, hämmert mir seit einer geschlagenen Stunde mit allen Reglern auf rechts geschlagene Klampfe, geblasenes Blech und den verheerenden <a href="http://www.youtube.com/watch?v=EdSnkSqrXGw&#38;feature=related">Ring-of-Fire-Ohrwurm</a> durch die Zimmerdecke – also seine, die mein Fußboden ist. Rauf und runter, immer wieder von vorne. Himmel! Was macht der am Freitagabend – üben für 'ne Karaoke-Show??</p>
<p>Ich überlege, ob ich ihn mit einem kräftigen Schlag gegen das Heizungsrohr an Paragraph 1 der HVO (=Hochhausverkehrsordnung) – der da lautet: Zimmerlautstärke und gegenseitige Rücksichtnahme – erinnern soll, und schalte, sozusagen als Fluchtversuch vor dieser ohrwürmelnden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Boas">Boa Constrictor</a>, das Radio ein.</p>
<p>Es laufen die Nachrichten... <strong></strong><strong>„Heute vor fünf Jahren starb der amerikanische Countrysänger Johnny Cash.“</strong> ----------------</p>
<p>Hmmm... wenn das nicht Grund und Alibi genug ist für was <a href="http://www.lyrics007.com/Johnny%20Cash%20Lyrics/Hurt%20Lyrics.html">Legendäres</a> (und Regler nach rechts):</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/AO9dbmJ_2zU'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/AO9dbmJ_2zU&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p>... und diesen einmaligen Clip (sorry, die bessere Version lässt sich leider grad nicht embedden :( )... und ein bisschen sentimentale Wehmut – durfte der alte Man in Black sich mit <em>der</em> Stimme einfach so davonmachen? Aber wer weiß, wer sagt uns denn, dass nur ELVIS LEBT...? ;)</p>
<p>Jahaaa, da musst du jetzt a u c h durch, Herr Nachbar.</p>
<p>Ruhe weiter in Frieden, <a href="http://www.johnnycash.com/">Johnny</a>.<br />
We'll find a way...<a href="http://www.g-m-n.de/JohnnyCash/"><img class="size-full wp-image-552" title="johnny_machs-gut-man-in-black" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/johnny_machs-gut-man-in-black.jpg" alt="Machs gut, Man in Black!" hspace="8" width="230" height="240" align="left" /></a></p>
<p><em>Bild: <a href="http://www.rito.de/News/Johnny_Cash_EPK_online_2.html">via</a>. Video: <a href="http://www.youtube.com/user/beachbuggy">youtube</a>.</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[El Cantor oder Der andere 11. September]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/?p=502</link>
<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 21:45:23 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2008/09/11/el-cantor-oder-der-andere-11-september/</guid>
<description><![CDATA[Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muß.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schr]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left;"><em>Wie schwer ist das Singen,<br />
wenn ich den Schrecken singen muß.<br />
Den Schrecken, den ich lebe,<br />
den Schrecken, den ich sterbe.<br />
Mich selbst unter so vielen sehen<br />
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,<br />
in denen Schweigen und Schreie<br />
das Ende meines Gesanges sind.<br />
Was ich sehe, habe ich nie gesehen.<br />
Was ich gefühlt habe und was ich fühle,<br />
wird den Augenblick erschaffen...<br />
</em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%ADctor_Jara">Victor Jara</a>. Aus seinem <a href="http://www.acampitelli.com/victor_jara_letztes_gedicht.htm">letzten Gedicht</a>, <a href="http://www.sreyes.org/vjlast.htm">geschrieben</a><br />
kurz vor seiner Ermordung im Estadio de Chile.)</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-508" title="e-1" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/e-1.gif" alt="" width="51" height="57" />in heller Spätsommermorgen. Die Sonne hat nicht mehr die Kraft wie vor ein paar Wochen. Sie ist sanft und ein bisschen müde geworden,  aber sie gießt uns noch Wärme auf die Haut, weiches Licht in jeden Winkel und eine Stimmung in uns, die sich nach Abschied anfühlt. Solche Tage nennen wir Altweibersommer, goldenen Herbst,  Indian Summer oder wer weiß wie sonst noch. Ich liebe ihre melancholische Schönheit.</p>
<p>Jener 11. September war so ein Tag, glaube ich mich zu erinnern. ---</p>
<p>Bis die Flugzeuge durch den Himmel donnerten, die... nein, nicht in zwei Türme rasten,<br />
sondern Bomben auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moneda">Moneda</a>, den Sitz ihrer demokratischen Regierung, warfen;</p>
<p>bis faschistische Militärs, unterstützt vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Central_Intelligence_Agency">Geheimdienst einer Weltmacht</a>, die den Verlust ihres Einflusses und ein neues Kuba fürchtete, ein Land und seine junge Demokratie in Blut und Terror ertränkten;</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=lGtCeyu9hxQ"><img class="size-medium wp-image-513" title="chile-allende" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/chile-allende.jpg?w=300" alt="S. Allende" vspace="8" width="320" height="255" align="right" /></a></p>
<p>bis die Putschisten den vom Volk gewählten Präsidenten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salvador_Allende">Salvador Allende</a> und tausende  unschuldiger Landsleute ermordeten;<br />
bis sie eine grausame Diktatur errichteten, die Hoffnung von Millionen Menschen dieses Volkes auf ein besseres und friedliches Leben für Jahre erstickten - erschossen, erschlugen;<br />
bis sie Bücher verbrannten und die Stimme ihrer Poeten zum Schweigen brachten.</p>
<p>In diesem Land, das uns näher war als je zuvor, näher als der ferne Kontinent, auf dem es liegt. An diesem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Putsch_in_Chile">11. September 1973</a>. Heute vor 35 Jahren. In Chile.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=6qXkXTaZiXg"><img class="size-medium wp-image-521" title="victor-jara1spieg" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/victor-jara1spieg.jpg?w=206" alt="El Cantor" hspace="8" vspace="8" width="206" height="320" align="left" /></a>Vor ein paar Tagen wurde ich auf besondere Weise an dieses Datum erinnert, dessen Bilder sich ins Hirn eingebrannt haben: ich erhielt per E-Mail eine Einladung zu einem Konzert für Victor Jara.  Leider kann ich sie nicht wahrnehmen. Doch es war Grund genug, wieder einmal seine Lieder zu hören.</p>
<p>Victor Jara, der große Dichter und Volkssänger und glühende Kämpfer für ein freies Chile, Mitbegründer der Bewegung Nueva Canción Chilena. Er setzte seine Gabe bewusst für seine Überzeugungen ein. Seine Waffe war die Gitarre. Sein Porträt schaute gemeinsam mit dem Salvador Allendes von den Plakaten der linken <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unidad_Popular">Unidad Popular</a>. Keiner sang in seinen Liedern so wie er die Sprache des einfachen Volkes. Es liebte ihn für all das und verehrte ihn so sehr wie seine Gegner ihn dafür hassten und fürchteten.</p>
<p>Die erkannten und ergriffen ihn am 12. September in der Universität von Santiago, wo er sich mit einigen seiner Studenten versteckt hielt, trieben ihn mit Schlägen und zusammen mit 5000 anderen Gefangenen in das “Estadio de Chile”. Um den Gefährten gegen die tagelangen Grausamkeiten Mut zu machen, begann er zu singen. Die Soldaten brachen und zerschlugen ihm die Hände, damit er nicht mehr spielen konnte. Sie verhöhnten ihn, er solle doch singen, wenn er ein Sänger sei. Und Victor – sang: die Hymne der Unidad Popular (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=BVlNB_7HqbI&#38;feature=related">“Venceremos”</a>). Da prügelten sie ihn wütend zusammen und erschossen ihn <a href="http://www.youtube.com/watch?v=nGYxd_W2akA"><img class="alignnone size-full wp-image-524" title="hande" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/hande.jpg" alt="" hspace="8" vspace="8" width="260" height="250" align="left" /></a>zuletzt mit einer Maschinengewehrsalve, wahrscheinlich am 16. September 1973 - sein genauer Todestag ist nicht bekannt.</p>
<p>“Seine Mörder haben die Macht seiner Lieder unterschätzt”, sagte seine Frau Joan einmal.  Das Chile, für das er gekämpft und gesungen hat, wird ihn und diese Lieder nie vergessen, singt sie bis auf den heutigen Tag. Wie die bekannten Folkgruppen <a href="http://www.inti-illimani.cl/">Inti Illmani</a> und <a href="http://www.myspace.com/quilapayun">Quilapayún</a> beispielsweise, deren Profilierung Victor in ihrer Anfangszeit noch selbst unterstützte.</p>
<p>Viele internationale Künstler und namhafte Sängerkollegen haben Victor Jara, seinem Leben und Sterben in ihren Liedern ein Denkmal gesetzt, so die russische Chansonette<br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=M92lKkx9DhM">Shanna Bitschewskaja</a>, die deutsche Folkband <a href="http://www.superlyrics.de/301929/songtext/a/a.html">Zupfgeigenhansel</a> und der Liedermacher <a href="http://deu.anarchopedia.org/Hannes_Wader/Victor_Jara">Hannes Wader</a>. Besonders anrührend finde ich die englischsprachige Ballade nach einem <a href="http://www.nomorelyrics.net/arlo_guthrie-lyrics/276812-victor_jara-lyrics.html">Text</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arlo_Guthrie">Arlo Guthrie</a>, selbst Sänger und Sohn der Folk-Legende Woody Guthrie, in der Interpretation des Australoschotten <a href="http://www.alistairhulett.com/">Alistair Hulett</a>:</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/yCGkXP8PCgE'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/yCGkXP8PCgE&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p>(Die Zupfgeigenhansel-Version scheint mir übrigens an den <a href="http://www.nomorelyrics.net/arlo_guthrie-lyrics/276812-victor_jara-lyrics.html">Guthrie-Text</a> angelehnt zu sein.)</p>
<p>Victor Jaras Stimme selbst trifft dich auch heute noch mitten ins Herz, treibt <em>mir</em> - immer noch - manchmal Tränen in die Augen.</p>
<p>Wer seine Lieder nicht kennt und/oder einmal echte südamerikanische Folkmusik hören will, die nichts, aber auch gar nichts mit den allbekannten Fußgängerzonen-Verschnitten zu tun hat, der stöbere mal in diesem Beitrag oder den Youtublichkeiten oder – viel besser - tue sich die <a href="http://www.amazon.de/Complete-Victor-Jara/dp/B000024CDH/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=music&#38;qid=1221156512&#38;sr=8-1">Victor-Jara-Complete</a> an. Glaubt mir, ihr werdet es nicht bereuen; der Viertelhunni für 4(!) CDs mit seinen wichtigsten Liedern ist ein wahres Schnäppchen und jeder der 92 Songs das Anhören wert. Umso mehr, als seine Texte und Übersetzungen davon schwer zu finden sind und der Box ein umfängliches Booklet mit wundervollen solchen beiliegt. Ihr findet in der Edition nicht nur seine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=VQJhk6e0I9g">Revolutionssongs</a>, sondern auch so bezaubernde Liebeslieder wie das  <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ONIZuiUKPII">“Te recuerdo, Amanda”</a> (An dich denke ich, Amanda) für seine Frau, das vertonte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=iuKetWfVagg">Poem 15</a> des großen Pablo Neruda (der auch wenige Tage nach dem Militärputsch von 1973 gestorben ist) oder Volksliedgut, von dem man manchmal gar nicht wusste, dass es chilenisches ist.</p>
<p>Das ebenfalls enthaltene “Manifiesto” (wunderbar poetisch) kann man als eine Art Credo oder auch Vermächtnis des Sängers verstehen:</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/en8yqVxuT-U'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/en8yqVxuT-U&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<blockquote><p><strong>Manifiesto (1973)</strong></p>
<p>Ich singe nicht, um zu singen,<br />
weil ich eine schöne Stimme habe,<br />
ich singe, weil die Gitarre<br />
tiefen Sinn und Verstand hat.</p>
<p>Sie hat das Herz von Erde<br />
und Flügel eines Täubchens.<br />
Sie ist wie geweihtes Wasser,<br />
ist Segnung, Glorie und Leid:</p>
<p>Hier stimme ich mein Lied an,<br />
wie Violeta es sagen würde.<br />
Die Arbeiterin Gitarre<br />
hat einen Duft nach Frühling.</p>
<p>Sie ist nicht Gitarre der Reichen,<br />
dazu gibt sie sich nicht her.<br />
Mein Lied steigt auf die Baugerüste,<br />
um hoch zu den Sternen zu fliegen.</p>
<p>Der Gesang hat einen Sinn,<br />
tönt er in den Adern des Sängers,<br />
der auch noch beim Sterben<br />
die Wahrheit offen heraussingt.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=HDMcuCSBvvw"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/requiemvictorjara.jpg?w=300" alt="Requiem Victor Jara_w_mattheuer " title="requiemvictorjara" width="300" height="267" class="size-medium wp-image-533" align="right" /></a>Weder flüchtigen Schmeichel<br />
noch fremden Lobgesang,<br />
sondern den Gesang einer Lerche<br />
bis tief auf den Grund der Erde,</p>
<p>wohin alles gelangt<br />
und wo alles beginnt.<br />
Hat der Gesang Mut bewiesen,<br />
wird er immer neues Leben haben.</p></blockquote>
<p>Und für den Fall, dass jemand mehr über diesen charismatischen Barden und Menschen erfahren will: Joan Jara, Victors Witwe, hat ein Buch über ihn geschrieben, das 1986 unter dem Titel <a href="http://www.amazon.de/Victor-unvollendetes-Lied-Joan-Jara/dp/3353000437/ref=sr_1_11?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1221156512&#38;sr=8-11">“Victor. Ein unvollendetes Lied”</a> bei Volk und Welt erschienen ist. (Ich hab natürlich d i e s e Ausgabe, doch wenn ich mich nicht total irre, ist es der selbe Inhalt, den btb anderthalb Jahrzehnte später als <a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_b?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&#38;url=search-alias%3Dstripbooks&#38;field-keywords=joan+jara+das+letzte+lied&#38;x=0&#38;y=0">“Das letzte Lied”</a> herausgebracht hat.) Sie ist keine professionelle Autorin, doch niemand kannte ihn so gut wie sie – vielleicht macht gerade diese Kombination das Bändchen so wertvoll.</p>
<p>P.S. Im September 2003, lange 30 Jahre nach dem Militärputsch,  erhielt das Estadio de Chile den Namen Victor Jara. Gegen nur einen einzigen der Verantwortlichen für seine Ermordung wurde (erst 2004) Anklage erhoben. Der Verräter an seinem Präsidenten Salvador Allende, Putschistenführer und spätere Diktator, General Augusto Pinochet, wurde nie zur Verantwortung gezogen und starb als alter Mann 2006 friedlich und offenbar ruhigen Gewissens dahin. Dem chilenischen Volk gelang es erst 1988, das Militärregime per Volksabstimmung zu beseitigen. Und hat sich von den Folgen der grausamen Diktatur <a href="http://iley.de/index.php?pageID=20000000&#38;article=00000117">bis heute nicht erholt</a>.</p>
<p><a href="http://www.emmemm.de/chile1973/"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/09/chile-graffiti.gif" alt="Viva Chile!" title="chile-graffiti" width="500" height="250" class="size-full wp-image-535" /></a></p>
<p><em>Bilder: Hände. Coverfoto der Audio-CD <a href="http://www.amazon.de/Pongo-en-Tus-Manos-Abiertas/dp/B000098YLN/ref=sr_1_31?ie=UTF8&#38;s=music&#38;qid=1221239278&#38;sr=1-31">Pongo en Tus Manos Abiertas</a>. Requiem für Victor Jara - Wolfgang Mattheuer, 1973. Der Rest: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de">creative commons Lizenz</a>. Musik-Videos: <a href="http://www.youtube.com/user/sparky2086">sparky2086</a> und <a href="http://www.youtube.com/user/yecolennon">yekolennon</a>, youtube.<br />
</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein Liebeslied für Dshamilja]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/?p=404</link>
<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 03:38:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2008/06/13/ein-liebeslied-fur-dshamilja/</guid>
<description><![CDATA[&#8230;und einem alten Kirgisen zum Abschied

ennt eigentlich noch jemand diese unsäglichen Fortset]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>...und einem alten Kirgisen zum Abschied</strong><br />
</em></p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-405" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/06/buchstabe-k.gif?w=40" alt="" width="40" height="41" align="left" />ennt eigentlich noch jemand diese unsäglichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fortsetzungsroman">Fortsetzungsromane</a>, die dereinst in jeder regionalen Tageszeitung geradezu obligatorisch waren? Und gibts die eigentlich heute noch, nun ja, außer bei der <a href="http://www.tvspielfilm.de/multimedia/news/g/grimmeonlineaward?object_id=6228">FAZ</a> vielleicht? Ich hab sie immer gehasst, diese häppchenweisen Verabreichungen von - durchaus auch guter - Literatur mit deren willkürlicher Interruptio nach knallhart festgetackertem Spaltenvolumen. Die meinem angeborenen Lesehunger und meinen Lesegewohnheiten total zuwider liefen. Und hab sie trotzdem immer wieder gelesen, weil man nicht immer gleich und so einfach an die Bücher kam.</p>
<p><a href="http://www.welt.de/kultur/article2088313/Perestroikadichter__Tschingis_Aitmatow_tot.html"><img class="alignleft size-medium wp-image-406" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/06/aitmatow-portrat.jpg?w=150" alt="Tschingis Aitmatow" hspace="8" width="150" height="220" /></a>Wieso mir das jetzt einfällt?<br />
Eine <a href="http://www.mdr.de/mdr-aktuell/5574728.html">aktuelle Meldung</a> vor drei Tagen erinnerte mich wieder an die avantgardistische Veröffentlichung des <a href="http://www.amazon.de/wei%C3%9Fe-Dampfer-Tschingis-Aitmatow/dp/3518456105/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1213241975&#38;sr=1-2">“Weißen Dampfers”</a> von Tschingis Aitmatow in unserer familienpräferierten Haus- und Hofzeitung, den ich mir seinerzeit auf diese Weise angetan und erst als gebundene Ausgabe innig und tränengetauft ins Herz geschlossen habe.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tschynggys_Aitmatow">Aitmatow</a>. Geboren 1928 unter Nomaden in den Weiten der kirgisischen Steppe. Sein Name erinnert an einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">blutrünstigen Mongolenkhan</a>, der lange vor seiner Zeit die halbe Welt erobert, Bibliotheken verbrannt und ganze Völker mitsamt ihrer jahrhundertealten Kultur verheert und vernichtet hat. Doch er selbst war einer, der die Märchen und Mythen seiner Heimat in seine Geschichten wob, die er über und unter uns brachte. Und ein ewiger (real)poetischer Streiter gegen die Zerstörung der Natur und des Menschen.</p>
<p>Ein real<em>politischer</em> war er auch zeit seines Lebens – in bereits ehrwürdigem Alter wurde er zum Vertreter der Perestroika, vor allem der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glasnost">Glasnost</a> in ihr. Obwohl er das irgendwie schon immer war. International ist er auch als Initiator des <a href="http://www.centralasia-southcaucasus.com/index.php?Itemid=5&#38;id=4&#38;option=com_content&#38;task=view">Issyk-Kul-Forums</a> bekannt geworden und bis vor kurzem war er gar noch Botschafter von Kirgistan in Frankreich und den Benelux-Staaten.</p>
<p><a href="http://www.h-k-kuehn.de/aita.htm"><img class="alignleft size-medium wp-image-408" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/06/dshamlja-bei-amazon2.jpg?w=173" alt="Dshamilja" hspace="8" width="230" height="420" /></a>Aitmatow gehörte noch zur Kriegsgeneration. Und der Krieg, der ihn und seine Zeitgenossen tief geprägt hat, geistert durch viele seiner frühen Erzählungen – so durch die anrührende Geschichte vom Schicksal und Verlust einer Mutter in <a href="http://www.amazon.de/Weg-Schnitters-Tschingis-Aitmatow/dp/3888970164">“Der Weg des Schnitters”</a>, bekannt auch unter dem Titel “Goldspur der Garben” (eine Schande btw, zu welchen Preisen heutzutag große Literatur bei amazon verhökert wird, nicht?). Seine späten Werke haben, obwohl sie wie alle seiner Schöpfungen das uns exotische Kirgistan als Ort der Handlung nie verlassen, zunehmend die großen Fragen des Mensch-Seins, unserer Welt und Umwelt (<a href="http://www.sehzeichen.net/Kramkiste/aitmatow.htm">"Der Tag zieht den Jahrhundertweg"</a>, <a href="http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20070321">”Der Schneeleopard”</a>), ja auch die Suche nach neuen Propheten (<a href="http://www.amazon.de/Die-Richtstatt-Tschingis-Aitmatow/dp/3353002618/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1213137705&#38;sr=8-1">“Die Richtstatt”</a>) zum Thema. <em>[Anmerkung: Unser Ulrich Plenzdorf, jaja, der Vater von "Paul und Paula" und Edgar Wibeau, hat nach letzterem unter dem Titel <a href="http://www.berliner-schauspielschule.de/woelfe.htm">"Zeit der Wölfe"</a> und nach "Der Tag zieht den Jahrhundertweg" ("Ein Tag, länger als ein Leben") zwei Theaterstücke geschrieben, veröffentlicht bei <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=11638">Suhrkamp</a>.]</em></p>
<p>Doch berühmt geworden ist Tschingis Aitmatow schon mit seiner ersten Erzählung <a href="http://www.amazon.de/UT-Nr-1-Dshamilja-Tschingis-Aitmatow/dp/329320001X">“Dshamilja”</a>, später auch verfilmt, einer in ihrer Poesie und Emotionalität bezaubernden Liebesgeschichte. Sein französischer Schreiberkollege <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Aragon">Louis Aragon</a> nannte sie “die schönste Liebesgeschichte der Welt”. Und sie braucht es nicht, dass Hinz und Kunz darauf herumbeten, dass sie an DDR-Schulen Pflichtlektüre war...</p>
<p>Anlässlich seines diesjährigen runden Geburtstags haben seine Landsleute ihm zu Ehren 2008 zum Aitmatow-Jahr ausgerufen - im kommenden Dezember wäre Tschingis Aitmatow 80 Jahre alt geworden. Und noch im Mai war er bei Dreharbeiten zu einem Film im Wolgagebiet. Dort erkrankte er – und nun ist er am Dienstag in einer Nürnberger Klinik gestorben.</p>
<p>Ich liebe den Zauber, die große Poesie und Menschlichkeit und die lebendige Kraft, die aus seinen Geschichten atmen. Sie werden uns bleiben.</p>
<p>Der deutsche Barde Hannes Wader hat <a href="http://de.youtube.com/watch?v=S1-mvfkcoYY">ein Lied über Dshamiljas Liebe</a> geschrieben – und gesungen:</p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/S1-mvfkcoYY'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/S1-mvfkcoYY&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p>Sei es ein Abschiedslied für Tschingis Aitmatow...</p>
<p><a href="http://www.chris-on-the-bike.de/kashi_g"><img class="aligncenter size-medium wp-image-409" src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/06/aitmatow.jpg?w=300" alt="Er zog den Jahrhundertweg" vspace="8" width="550" height="180" /></a></p>
<p><em>Bild- und sonstige Verwendungen: "Dshamilja" - amazon; Hannes Wader "Am Fluss" - <a href="http://de.youtube.com/watch?v=S1-mvfkcoYY">youtube</a>; der Rest - creative commons Lizenz.</em></p>
<p><strong><em>Edit 1. Juli 2008:</em></strong><br />
<em>Übrigens bin ich mit Herrn <a href="http://www.kurdmania.com/Forum-top-Cengiz-Aytmatov-Tschingis-Aitmatow-12-12-1928-10-06-2008--2942-start-msg21161.html#msg21161">Amos</a> vom <a href="http://www.kurdmania.com/">Kurdistan-Portal</a> (btw ein Dankeschön an dieser Stelle) vollkommen einer Meinung, dass das Video zum Wader-Lied mit seinen bayerischen Landschaften einen schmerzlichen Stilbruch zum musikalisch-thematischen Inhalt darstellt. Stimmt, vielleicht hätte ich das explizit erwähnen sollen. Ich konnte im Net nur leider keine andere Aufnahme auftreiben. Der wohlwollende Aitmatow- und Kirgistan-Freund schließe also die Augen und stelle sich dazu <a href="http://digeda.gs/kg01/de/galerie.shtml?songkol2bishkek">kirgisische Weiten</a> vor.... </em>:)</p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Karbid und Sauerampfer]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/?p=372</link>
<pubDate>Fri, 14 Mar 2008 04:17:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2008/03/14/karbid-und-sauerampfer/</guid>
<description><![CDATA[&#8230; ist nicht, wie Uneingeweihte vielleicht glauben mögen,eine neue Belagskomposition für Vege]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/Karbid-Sauerampfer-Erwin-Geschonneck/dp/B00006RYO1/ref=pd_bbs_sr_1?ie=UTF8&#38;s=dvd&#38;qid=1205466714&#38;sr=1-1"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/03/karbid-und-sauerampfer-cover-sw.jpg" alt="karbid und sauerampfer cover" align="left" vspace="8" width="200" /></a>... ist nicht, wie Uneingeweihte vielleicht glauben mögen,eine neue Belagskomposition für Vegetarierpizza, sondern der Titel eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karbid_und_Sauerampfer">DEFA-Films von 1963</a>. In dem fand die späte Entdeckung eines der fürderhin charismatischsten und erfolgreichsten Mimen des (ost)deutschen Films als Charakterkomiker statt – <a href="http://www.defa-stiftung.de/index.html?http://www.defa-stiftung.de/05.veroeffentlichungen/biografien/ines_walk/veroeff_biogr_Geschonneck.html">Erwin Geschonneck</a>.</p>
<p>Die Umklammerung des kleinen <i><b>ost-</b></i> ist in diesem Falle völlig korrekt, denn wir sprechen hier von einer über sechzigjährigen Schauspielerkarriere des Mannes. Die 1932 mit einer Statistenrolle in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kuhle_Wampe">"Kuhle Wampe"</a> begann, einem Film aus dem Proletariermilieu, an dessen Drehbuch <a href="http://www.exil-archiv.de/html/biografien/brecht.htm">Bertolt Brecht</a> höchstpersönlich mitgestrickt und in dem der große Brecht- und Arbeitersänger <a href="http://www.ernst-busch.de/">Ernst Busch</a> eine Hauptrolle gespielt hat. Die 1995 zu Ende ging mit einem Regiewerk des <a href="http://www.prisma.de/person.html?pid=matti_geschonneck&#38;page=2">Geschonneck-Sohnes Matti</a>, der seinen Vater zu seiner letzten Rolle überredete und ihm den alten Querkopf auf den Leib schrieb (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matulla_und_Busch">"Matulla und Busch"</a>).</p>
<p>Dazwischen liegen mehrere Jahre Theaterarbeit unter Brecht am <a href="http://www.rbb-online.de/_/karte/beitrag_jsp/key=4571109.html">Berliner Ensemble</a>, eine Unzahl von DEFA-Produktionen, das Leben eines antifaschistischen und stets offen kritischen Geistes, eine enorme Popularität als Künstler und als Mensch in der DDR.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Das-kalte-Herz-%2B-Audio-CD/dp/B000SLTLBA/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#38;s=dvd&#38;qid=1205467902&#38;sr=1-2"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/03/k-kalteherz-04.jpg" alt="Huuu… Holländer-Michel" align="right" hspace="8" width="280" /></a>Das Repertoire seiner Rollen ist gigantisch:<br />
Er begeisterte sein Publikum auf der Bühne und auf der Leinwand. Gab den Chauffeur des besoffenen Herrn Puntila oder den von seinen Verfehlungen gebeutelten Dorfrichter Adam genauso überzeugend wie den Kommandeur der Internationalen Brigaden im Spanienkrieg, den Opa Meschka oder den Wehrmachtsoffizier. Die Zahl der Minderjährigen, die sich auch heute noch – wie Anfang der Fünfziger schon ihre Großeltern – vor dem Holländer-Michel-Geschonneck der Hauff-Märchen-Verfilmung  <a href="http://www.rbb-online.de/_/karte/beitrag_jsp/key=4571109.html">"Das kalte Herz"</a> gruseln, ist Legion. Sein Lagerältester und KZ-Häftling Walter Krämer in <a href="http://www.defa-sternstunden.de/filme/nacktwoelfe.htm">"Nackt unter Wölfen"</a> nach dem berühmten <a href="http://www.amazon.de/Nackt-unter-W%C3%B6lfen-Bruno-Apitz/dp/3746614201">Apitz-Roman</a> hat irgendwo mit Geschonnecks eigenem Leben und Überleben zu tun: er selbst war mehrere Jahre als politischer Häftling in Neuengamme und gehörte zu den wenigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cap_Arcona#Versenkung_der_Cap_Arcona">Überlebenden der "Cap Arkona"</a>. Und der Frank-Beyer-Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_der_L%C3%BCgner_%281974%29">"Jakob der Lügner"</a> nach der <a href="http://www.amazon.de/Jakob-L%C3%BCgner-Jurek-Becker/dp/3518372742/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1205463245&#38;sr=1-1">Jurek-Becker-Vorlage</a>, in dem er den jüdischen <a href="http://youtube.com/watch?v=ixYqScprbTw">Friseur Kowalski</a> spielt, brachte es sogar zu einer Oscar-Nominierung.</p>
<p>Einige Jahre lang hatte ich die Vermutung, dass seine <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2006/dezember.html">Strittmatter-Lesungen</a> auf sein Äußeres abfärbten, damals lief ich dauernd Gefahr, die zwei auf Bildern zu verwechseln. Und seit letzten Mittwoch hege ich die stille Hoffnung, dass irgendwer sich sich mal erbarmt, die <a href="http://www.amazon.de/Meiner-Welt-Musikkassette-Erwin-Geschonneck/dp/B00005ASWM">hoffnungslos vergriffene Edition</a> seiner mit Berliner Schnauze im Bänkelsänger-Sound gesungenen <a href="http://www.ddr-hoerspiele.net/lp/aus-meiner-welt.html">Lieder</a> endlich wieder herauszubringen.</p>
<p>Die 'Schnauze' war aus der Ackerstraße – dort ist er aufgewachsen, der Arbeiterjunge Erwin. So sprachen ihn die Leute an: Erwin. "Was allerdings nicht verhindern wird, dass bei der großen Feier zu seinem 90. Geburtstag - am 27. Dezember 1996 im Fernsehturm am Alexanderplatz - ein überforderter Moderator mit ganz falscher Assoziation dem eintreffenden Jubilar ein 'Willkommen, Erich!' entgegenschmettert." (<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/seite_3/732576.html">Zitat Berliner Zeitung</a>)</p>
<p>Er wurde für seine Kunst mit Preisen zuhauf – und zu Recht – bekränzt, der letzte große war der Deutsche Filmpreis 1993.</p>
<p><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/03/100ster-geburtstag-mopo-foto-ddp.jpg" alt="erwins 100_geburtstag" align="left" hspace="8" vspace="8" width="240" />In dem von mir geklauten Titel<strike>-Song</strike>-Film ist Held Kalle <strike>Geschonneck</strike> mit neun Fässern Sauerampfer ,  Quatsch, Karbid per Anhalter durch die... nachkriegsdeutschen Lande unterwegs. Das Zeugs - lebenswichtig für Wiederaufbauarbeiten der zerbombten Dresdner Zigarettenfabrik, so man das Wort <i>lebenswichtig</i> beim Erfolg derartiger Arbeiten auch nur annähernd passend finden kann. Ob und wieviel Geschonneck selber im richtigen Leben geraucht hat, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Auf manchen Bildern sieht man ihn mit Tabakspfeife, auf einem Foto seines 100. Geburtstages mit einer Riesenzigarre in der Hand. Falls er hat, dann hat <i>i h m</i> jedenfalls solches nicht übermäßig geschadet. Er ist 101 Jahre alt geworden.(Und man unterstelle mir damit nur ja keine Respektlosigkeit.) Ein stolzes Alter – und ein erfülltes Leben. In seinem Berufsstand schlägt ihn damit wohl nur der <a href="http://www.n-tv.de/888795.html">Jopi Heesters</a>.</p>
<p>Am Mittwoch ist <a href="http://www.morgenpost.de/appl/bildershow/index.php?id=http%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fberlin%2Farticle1791012.xmli&#38;action=view">Erwin Geschonneck</a>  friedlich in Berlin gestorben.</p>
<p>Er war einer von den ganz Großen...</p>
<p>P.S. Dem geneigten Leser lege ich mit Wärme den gut geschriebenen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/seite_3/732576.html">Nachruf in der Berliner Zeitung</a> ans Herze, ebenso die <a href="http://www.amazon.de/Erwin-Geschonneck-Die-DEFA-Film-DVDs/dp/B000KF0FDM/ref=pd_bbs_sr_1?ie=UTF8&#38;s=dvd&#38;qid=1205366826&#38;sr=8-1">Geschonneck DEFA-Edition</a>, die zumindest schon mal zum Kennenlernen für die <strike>Wessis</strike> bisher Unbedarften geeignet ist.<br />
<a href="http://www.amazon.de/Erwin-Geschonneck-Bei-keine-Stars/dp/B000NDJMGM/ref=sr_1_7?ie=UTF8&#38;s=music&#38;qid=1205366826&#38;sr=8-7">&#60;  <img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2008/03/astameinengelchen-filmmuseum-potsdam.jpg" alt="e_geschonneck in asta mein engelchen" vspace="10" width="500" /></a></p>
<p><i>Bilder: Karbid und Sauerampfer-Cover: via <a href="http://www.amazon.de/ref=bd_d/028-4250431-7471739">amazon.de</a>; Holländer-Michel: <a href="http://www.progress-film.de/de/index.php">Progress Film-Verleih</a>; 100. Geburtstag: Foto ddp via <a href="http://www.morgenpost.de/content/2006/12/29/feuilleton/873904.html">Berliner Morgenpost</a>; 42 - der ganze Rest: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de">Creative commons</a>.</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Haus Vater, Heine und – Heino?]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/2007/12/13/haus-vater-heine-und-%e2%80%93-heino/</link>
<pubDate>Thu, 13 Dec 2007 04:04:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2007/12/13/haus-vater-heine-und-%e2%80%93-heino/</guid>
<description><![CDATA[Oder: So Tage zum KinderDichterkriegen
Heute vor zehn Jahren, am letzten runden Geburtstag, den er e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><b>Oder: So Tage zum <strike>Kinder</strike>Dichterkriegen</b></p>
<p><a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20060702104526"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/12/gernhardt_christian-schmidt_riesenmaschine.jpg" alt="Robert Gernhardt in der Riesenmaschine" align="left" hspace="8" width="210" /></a>Heute vor zehn Jahren, am letzten runden Geburtstag, den er erleben durfte,<br />
führte er ein Gespräch mit seinem Schöpfer:</p>
<blockquote><p>"Schier sechzig Jahr auf deiner Welt -<br />
bekomme ich jetzt Schmerzensgeld?“<br />
„Mein Kind, mir geht dein Wunsch zu Herzen:<br />
Geld hab ich keines. Doch kriegst du Schmerzen!“</p></blockquote>
<p>Mussten ausgerechnet diesmal dessen Versprechungen in Erfüllung gehen – wo ER es sonst nicht immer gerad' so genau damit nimmt?</p>
<p><a href="http://www.wdr.de/themen/kultur/literatur/gernhardt/060111.jhtml?rubrikenstyle=heine"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/12/gernhardts-heine-zeichnung-form.jpg" alt="Heine? Das weiß Gott alleine" align="right" hspace="8" width="240" /></a>Doch ein Geburtstag soll kein Tag zum Trauern sein, das hätt' er nicht gewollt, der Robert Gernhardt, nicht er. Wenigstens auf einem lachenden Auge hätte er bestanden. Und er war stolz, dass er diesen Tag mit einem teilte, der auch für seine Kunst nicht ohne Folgen blieb. Und einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Heine-Preis_%28Stadt_D%C3%BCsseldorf%29">Preis</a> seinen Namen lieh, mit dem er im Jahre 2004 bekränzt wurde - <a href="http://www.heinrich-heine.net/haupt.htm">Heinrich Heine</a> hätte heute auf seinen höchstpersönlichen 210. bechern können.</p>
<p>Obwohl... Heines Geburtsdatum ist ja immer noch umstritten. Nicht so für Robert Gernhardt. Auf eine diesbezügliche Frage in einem <a href="http://www.wdr.de/themen/kultur/literatur/heine_heinrich/gernhardt_interview.jhtml">Interview mit dem WDR</a> über seinen großen Kollegen anlässlich dessen 150. Todestages 2006 antwortete er:</p>
<blockquote><p>Da habe ich mich drauf eingestellt, und daran gewöhnt, dass wir am selben Tag Geburtstag haben. Mein Geburtsdatum ist klar, das ist der 13.12. Wäre Heines nicht klar, wär's sehr schade, denn Heino hat auch am 13.12. Geburtstag. Und wenn Heine und Heino nicht am selben Tag Geburtstag haben, dann geht ein Treppenwitz der deutschen Kulturgeschichte den Bach runter und das wäre nicht zu wünschen...</p></blockquote>
<p><a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E3F9DD94E0D0D4C87A4C5343A9FD7FE4D~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/12/spater-spagat-kl.jpg" alt="Spagat zwischen Leben und Tod" align="left" hspace="8" width="220" /></a>Er hat bis zuletzt dafür gesorgt, dass wir ihn nicht vergessen - was wir eh nicht hätten können. Hinterließ noch schnell neben allem anderen zwei Bücher: sein „Später Spagat“ (wird im Juni 2008 neu aufgelegt) - in Versen und dem auf Gernhardtsche Art verbrämten Wissen um das, was kommt - wird uns 'Hinterbliebenen' von <a href="http://www.einseitig.info/html/content.php?txtid=556">einseitig.info</a> eindringlich ans Herz gelegt, das letzte Stückchen Prosa nicht weniger innig von <a href="http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article774537/Das_letzte_Buch_von_Robert_Gernhardt.html">Uwe Wittstock auf Welt Online</a>. Die Kurzbeschreibung zu <a href="http://www.amazon.de/Denken-wir-uns-Robert-Gernhardt/dp/3100255100/ref=pd_bxgy_b_img_b">„Denken wir uns“</a> bei amazon beglückt Gernhardt-Fans nochmal anrührend damit, wie sehr er bei ihnen war. Er</p>
<blockquote><p>...lädt den Leser noch einmal in die von ihm ver- und bedichtete Welt ein: in den verschatteten Lesesaal einer toskanischen Abtei nahe Montaio, ans Weltgericht, vor dem Norbert Gamsbart Rede und Antwort stehen muss, in Jan Vermeers Atelier nach Delft und immer wieder in die Mainmetropole, in die Runde dreier Freunde, die sich mit "Geschichtsrosinen aus dem Lebenskuchen" zu überbieten versuchen. Vor allem aber ist dieser Band eine letzte Hommage des Dichters an seine Leser: "Denken wir uns euch, das Salz der Erde nicht nur, sondern den Dünger jedweder Kunst. An wen wollten wir uns denn wenden, wenn es euch nicht gäbe?"</p></blockquote>
<p><a href="http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&#38;xid=2264&#38;kapitel=6&#38;cHash=e1a9ad652b2#gb_found"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/12/gernhardt-erkaltete-negerinnegerin.jpg" alt="Ringelnatz’s Erkältete Negerin" align="right" hspace="8" width="200" /></a>Und ich, ich würde sonstwas darum geben, wenn sich mir die Gelegenheit zum „Tod-Lachen“ böte. Nana, keine Panik – so titelt die FR-online zur <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?sid=48fcc5ef50e15087678a8b84460ba35c&#38;em_cnt=1257572">Ausstellung</a>  "Robert Gernhardt - die letzten Bilder", die heute passend zu diesem Tag im Historischen Museum in Frankfurt eröffnet wird und dort bis zum 2. März 2008 zu sehen ist. Dieses Date mit seinen Zeichnungen und Versen – ich bin sicher, es wird für viele ein Lachen unter Tränen sein:</p>
<blockquote><p>Im Schatten der von mir gepflanzten Pinien<br />
will ich den letzten Gast, den Tod, erwarten:<br />
"Komm, tritt getrost in den besagten Garten<br />
ich kann es nur begrüßen, daß die Linien<br />
sich unser beider Wege endlich scheiden.<br />
Das Leben spielte mit gezinkten Karten.<br />
Ein solcher Gegner lehrte selbst die Harten:<br />
Erleben, das meint eigentlich Erleiden."</p>
<p>Da sprach der Tod: "Ich wollt' mich grad entfernen.<br />
Du schienst so glücklich unter deinen Bäumen,<br />
daß ich mir dachte: Laß ihn weiterleben.<br />
Sonst nehm ich nur. Dem will ich etwas geben.<br />
Dein Jammer riß mich jäh aus meinen Träumen.<br />
Nun sollst du das Ersterben kennenlernen."</p></blockquote>
<p>Heute wäre Robert Gernhardt 70 Jahre alt geworden...</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Die-Wahrheit-%C3%BCber-Arnold-Hau/dp/3596132304"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/12/gernhardt-sw-wide.jpg" alt="Hau’s Vater" vspace="8" width="520" /></a></p>
<p><i>Bilder: Robert Gernhardt: Selbstporträt via <a href="http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20060702104526">Christian Y. Schmidt, Riesenmaschine</a>; R. Gernhardt: Heine? - Das weiß Gott alleine! via <a href="http://www.wdr.de/themen/kultur/literatur/heine_heinrich/gernhardt_interview.jhtml">wdr.de</a>; R. Gernhardt: Grafik zu J. Ringelnatz' Abendgebet einer erkälteten Negerin, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de">Creative Commons</a>.</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Luftschiffe überm Lustschloss?]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/2007/11/26/luftschiffe-uberm-lustschloss/</link>
<pubDate>Sun, 25 Nov 2007 22:56:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2007/11/26/luftschiffe-uberm-lustschloss/</guid>
<description><![CDATA[ Ein vergessenes Kapitel Berliner Geschichte
ls ich jüngstens unversehens in die Träumereien zweie]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p> <strong>Ein vergessenes Kapitel Berliner Geschichte</strong></p>
<p><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/buchstabe_a.gif" alt="buchstabe_a.gif" align="left" width="80" />ls ich jüngstens unversehens in die Träumereien zweier ausgewachsener <a href="http://sprechblase.wordpress.com/2007/11/22/luftschiffe-reloaded/">Blogger</a>-<a href="http://www.schockwellenreiter.de/2007/11/22.html#demZeppelinGehrtDieZukunft">Kerle</a> von der Wiederkehr der Luftschifffahrt surfte, fingen meine kleinen grauen Zellen an zu rotieren: da war doch was...</p>
<p><a href="http://www.jules-verne-club.de/index.html"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/jules-verne-luftschiff.jpg" alt="Fliegen mit Jules Verne" align="right" vspace="8" width="200" /></a>Die Himmelszigarren faszinieren mich ja schon, seitdem ich als kleine Zopfliese mit den abenteuerlichen <a href="http://www.wdr.de/tv/q21/1437.0.phtml">Erfindungen eines Jules Verne</a> <strike>in 80 Tagen</strike> um die Welt gereist bin. Und wenn heute gelegentlich so ein gasgefülltes Riesenteil  mit gedämpftem Brummen – meist mit einem Monster-Werbebanner geschmückt – über die Stadt schwebt, wer legt da nicht den Kopf in den Nacken und hält ehrfürchtig inne? Und wünscht sich, dort oben zu sein – oder?</p>
<p>Aber wer weiß heute schon noch, dass in Berlin, im heutigen Marzahn-Hellersdorf, ein Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde? Vom einstigen Herrn des Biesdorfer Schlosses nämlich.</p>
<p>Für Ortsunkundige sei erwähnt, dass <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Biesdorf">Biesdorf</a> eines der fünf Dörfer ist, <strike>über die ich schon längst mal was schreiben wollte </strike>aus denen der Bezirk Marzahn Hellersdorf heute besteht. Und das <a href="http://www.linie7.de/cp11.htm">Biesdorfer Schloss</a>... sorry, es war nie ein Lustschloss, genau genommen war es sogar niemals ein Schloss (obwohl jeder es so nennt), sondern eher ein hochherrschaftlicher Landsitz im Stil der italienischen Renaissance. Es liegt an der B1 in Richtung Frankfurt/Oder. Und wenn ihr stadtauswärts fahrt, kommt ihr ein paar Kilometer vor der östlichen Stadtgrenze daran vorbei, also an dem, was nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges davon übrig geblieben ist. Aber davon später einmal.</p>
<p><a href="http://www.zeppelin-museum.de/TEXT_Wechsel.HTM#LS"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/wilhelm-von-siemens.jpg" alt="Wilhelm von Siemens" align="left" hspace="8" width="180" /></a>Vom Ende des 19. bis in das 20. Jahrhundert hinein gehörte Schloss Biesdorf der Familie von Siemens. Der Begründer des allbekannten Imperiums, <a href="http://www.urania-potsdam.de/geschichte/siemens.htm">Werner von Siemens</a>, hatte es 1889 als Sommersitz für seinen Sohn Wilhelm erworben. Und eben jener <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_von_Siemens">Wilhelm von Siemens</a> ließ auf dem Gelände des heutigen Verschiebebahnhofs Wuhlheide – das damals noch gar nicht zu Berlin gehörte -  <a href="http://www.pilotundluftschiff.de/Siemens.htm">eine Luftschiffhalle</a> bauen. 1909 fertiggestellt, war sie eine Weltneuheit: sie konnte nach wechselnder Windrichtung für die anfliegenden Luftschiffe um 360 Grad gedreht werden. Von Siemens beteiligte sich damals an einer... hm, heute würde man sagen, Ausschreibung zum Bau militärisch nutzbarer Luftschiffe. Die Tests der zwei gebauten Typen des Siemens-Schuckardt-Luftschiffes waren nicht erfolgreich genug und das Kriegsministerium entschied sich für den bewährten Zeppelin-Typ. Von den Erprobungs- und (zivilen) Rundfahrten der Siemens-Modelle sind vor allem die um das kaiserliche Schloß und nach Potsdam sowie eine Wasserlandung auf dem Müggelsee in die Annalen eingegangen.</p>
<p>Die Halle, die während des ersten Weltkrieges für andere Luftschiffe genutzt wurde, musste nach den Bestimmungen des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles">Versailler Vertrages</a> nach Kriegsende abgetragen werden. Und dieses durchaus bemerkenswerte Intermezzo in der Berliner Geschichte ist heute fast ganz in Vergessenheit geraten.</p>
<p><a href="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/luftschiff_biesdorf-broschure-gros.jpg" title="Luftschiffe über Biesdorf Broschüre groß"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/luftschiff_biesdorf_broschureneinband.jpg" alt="Luftschiffe über Biesdorf" align="left" vspace="8" width="210" /></a>Im <a href="http://www.marzahn-hellersdorf.net/Bezirk/Bezirksmuseum.php">Marzahn-Hellersdorfer Heimatmuseum</a> gibt es eine kleine Austellung zu den <a href="http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/derbezirk/geschichte/luftschiff.html">"Luftschiffen über Biesdorf"</a> Und wen das Thema interessiert, der kann <a href="http://shop.strato.de/epages/61261606.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61261606/Products/006">hier</a> <strike>fast geschenkt</strike> eine Broschüre darüber erwerben. 75% günstiger gibts die allerdings für einen schlappen Euro im Museum selbst. Vielleicht kommt ihr ja mal vorbei...</p>
<p>Mal in einem Luftschiff zwischen Himmel und Erde schwimmen - doch, das wäre bestimmt der Wahnsinn. Diese bestaunten Wunder der Technik - ob sie wohl wiederkommen?</p>
<p>P.S. Ach ja, an dieser Stelle herzlichen Dank an die beiden luftschiffaffinen Herren für die Idee zum Blog.</p>
<p>P.P.S. Öhm, und wer nicht so der Luftschiffer ist, der nehme halt die Treppe zum Himmel. Aber dann wenigstens zünftig mit den <a href="http://www.youtube.com/watch?v=T9_HIT99z0o&#38;feature=related">Zeppelinen</a>... ;)</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=B282hl4QXkM"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/11/luftschiff-uber-halle-biesdorf-form.jpg" alt="Luftschiffhalle in Biesdorf" height="250" width="500" /></a></p>
<p><em>Bilder: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.de">Creative Commons</a></em></p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Marina reloaded: Verse auf Tapeten]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/2007/10/14/marina-reloaded-verse-auf-tapeten/</link>
<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 05:20:51 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2007/10/14/marina-reloaded-verse-auf-tapeten/</guid>
<description><![CDATA[ Ein Update zu: Wenn ich nicht liebe&#8230;  - aus leicht verschlafenem aktuellen Anlass
Leiden, die]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p> <strong><font face="Arial" size="4">Ein Update zu: <a href="http://hegewald.wordpress.com/2007/09/02/kalenderblatt/">Wenn ich nicht liebe...</a>  - aus leicht verschlafenem aktuellen Anlass</font></strong></p>
<p><a href="http://www.muurgedichten.nl/index.html"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/10/leyden-durchblick.jpg" alt="Leidener Einblicke" align="left" height="250" hspace="8" vspace="8" width="270" /></a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leiden_%28Stadt%29">Leiden</a>, die alte Universitätsstadt der Niederländer,  ist ein Ort der wahren und Realen Poesie. Das verdankt sie nicht nur dem glücklichen Umstand, dass <a href="http://www.art-perfect.de/rembrandt.htm">Rembrandt</a> in ihren Mauern geboren ist, auch nicht alleine den idyllischen Kanälen und den vielen kleinen Schiffen mit den in den Himmel ragenden Masten. Nein, Leiden ist die <a href="http://www.muurgedichten.nl/wallpoems.html">Stadt der sprechenden Mauern</a>.</p>
<p>Das ist ja nun erstmal nichts Besonderes und gleich gar nicht einmalig: Reklameposter, wahlweise Graffiti, Spontanschmierereien oder (ggf. einschlägige!) Verbotsschilder finden sich schließlich in jedem Kaff an jeder nur irgendwie zugänglichen freien Mauerfläche. Nicht so in Leiden.</p>
<p>Es begann 1992. Und seit nunmehr gut fünfzehn Jahren läuft die internationale Lyrik dort und <a href="http://www.muurgedichten.nl/rilke.html"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/10/rilke.jpg" alt="Rilkes Mauerverse" align="left" height="240" hspace="8" width="270" /></a>nur dort der plakatierten Werbung den Rang ab: eine ganze <a href="http://www.muurgedichten.nl/shakespeare.html">Stadt ist vollgeschrieben</a> mit – Gedichten. Ihre Häuserwände zieren in Originalsprache Verse von Shakespeare, Rimbaud, Rilke, Blok, Neruda, Bachmann und wie sie alle heißen, gelegentlich auch mit Übersetzungen ins Englische oder <a href="http://www.sprachen-lernen.ws/sprache/niederlaendisch.html">Niederländische</a>. (Möchte man eigentlich wissen, wie das Gros der Häuslebauer im Lande der Dichter und Denker zu derartiger Außengestaltung seiner Eigenimmobilie stünde?) Es ist ein stummes aber grandioses Festival der Dichter der Welt. Die Einer - so er denn mag und die entsprechende Traute hat - direktemang von den Fassaden herab deklamieren kann. Über hundert große Poeten wurden inzwischen an den Giebeln und Mauern von Leiden verewigt...</p>
<p><a href="http://www.muurgedichten.nl/indexopontstaan.html">Die erste</a>, der 1992 diese Ehre zuteil wurde, war aus welchen erstaunlichen Gründen auch immer <strong><a href="http://hegewald.wordpress.com/2007/09/02/kalenderblatt/">Marina Zwetajewa</a></strong>. Das  Haus <a href="http://www.muurgedichten.nl/tsvetajeva.html">Nieuwsteeg 1</a> reichte ihr die Wand und trägt seitdem ihr Gedicht <a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/cvetaeva1.htm"><font face="Arial" size="2">"Моим стихам, написанным так рано..."</font></a> (Mojim sticham, napisannym tak rano...). In einer <a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/cvetaeva1.htm">deutschen Version</a> könnte es so klingen:</p>
<blockquote><p>Meinen Versen, die ich früh geschrieben,<br />
Als ich noch nicht wusste, dass ich Dichter bin,<br />
Die wie Spritzer aus Fontänen sprühten,<br />
Funkenflug, der aus Raketen springt,</p>
<p>Die wie kleine Teufel eingedrungen,<br />
Wo der Weihrauch träumt, ins Heiligtum,<br />
Versen, ob vom Tod, ob von der Jugend,<br />
– Versen, die noch ungelesen ruhn!</p>
<p>Verstreut sind sie im Staub der Bücherläden,<br />
Wo niemand sie gekauft hat, kaufen wird,<br />
Meinen Versen wird, wie teuren Reben,<br />
In der Zukunft einst ein Platz gebührn.</p></blockquote>
<p>Beinahe kommt es einem so vor, als hätten die <a href="http://www.muurgedichten.nl/index.html">Initiatoren der Häusergedichte</a> von Leiden gewusst, dass es passt – Marinas Poesie hat sich schon immer gut mit Wänden vertragen. Die Zwetajewa hatte die Angewohnheit, die Tapeten ihres trauten Heims <a href="http://www.moskau.ru/moskau/sehenswert/museum/marina_zwetajewa_museum_radikal_bis_in_den_tod_19.html">als Notizbuch zu benutzen</a> und ihre Eingebungen dort mit schneller Hand hinzukritzeln. In der ersten Moskauer Wohnung der jungen Familie Efron-Zwetajewa, die heute als <a href="http://cvetaeva.ru/moscow/index.html">Museum</a> eingerichtet ist, kann der Besucher die vollgeschriebenen Wandverkleidungen sehen. Die Schrift ist nicht von ihrer Hand, sondern nachgestaltet, denn das Domizil hat seit 1922, als Marina mit den Kindern ihrem Mann in die Emigration folgte, nachvollziehbar oft den Besitzer und auch die Tapeten gewechselt.</p>
<p><a href="http://journal.vz.ru/rest/2006/4/24/569.html"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/10/marina-grafik-form.jpg" alt="Marina Zwetajewa" align="right" height="410" hspace="8" width="270" /></a>Und dann ist da noch eine 'sprechende' Mauer, auch sie mit dem Namen Marina Zwetajewa verbunden. Sie gehört zu einem Haus in Berlin-Wilmersdorf – der ersten Wohnung ihres rastlosen Exils. Allerdings ist diese  Mauer traurigerweise seit einem Jahr verstummt, hat aufgehört, vom Leben einer großen Dichterin zu erzählen. Denn die <a href="http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/gedenktafeln/zwetajewa.html">Gedenktafel</a>, die sich dort befand, ist nach einer Fassadensanierung 2006 nicht mehr angebracht worden.</p>
<p>Nun, was soll's. Was braucht Poesie, wie sie realer und herzwärmender kaum sein kann, schwere marmorne Tafeln, wie sie (offenbar) künstlicher und kühler nicht sein können...</p>
<p>Andere machen stattdessen Lieder daraus. Eins singt Alla Pugatschowa, erfolgreiche Musikdiva mit  viel Stimme, die mir allerdings fast am besten so wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6M33FJpbq7o&#38;mode=related&#38;search">hier</a> gefällt - zu schlichter Gitarrenbegleitung, nicht ins Schlagerträllern oder woandershin abgleitend. Mag die kleine Melodie ein nachträgliches Geburtstagsständchen für <a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/lirsk/sphaeren/autoren/cvetaeva.htm">Marina</a> zu ihren eigenen Versen sein (russischer Text und deutsche Fassungen <a href="http://alexandria-magazine.tripod.com/zvetaeva.htm">hier</a> oder <a href="http://www.brainin.org/Sepp_Oesterreicher/Zwetajewa_Mich_freut.html">da</a>).</p>
<p>Am letzten Montag wäre sie 115 Jahre alt geworden.</p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Kalenderblatt: Marina Zwetajewa]]></title>
<link>http://hegewald.wordpress.com/2007/09/02/kalenderblatt/</link>
<pubDate>Sun, 02 Sep 2007 21:58:49 +0000</pubDate>
<dc:creator>hochhaushex</dc:creator>
<guid>http://hegewald.de.wordpress.com/2007/09/02/kalenderblatt/</guid>
<description><![CDATA[„Wenn ich nicht liebe, bin ich nicht ich selbst&#8230; Ich bin so wenig ich selbst&#8230;“
Ihr v]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/Liebesgedichte-Marina-Zwetajewa/dp/325030008X"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/lockiges-hexenmadchen.jpg" alt="Hexenpoesie" hspace="8" width="140" align="left" /></a><strong><span style="font-family:Arial;font-size:medium;">„Wenn ich nicht liebe, bin ich nicht ich selbst... Ich bin so wenig ich selbst...“</span></strong></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><em><span style="font-family:Arial;">Ihr verzeiht mir doch, wenn die alte Slawistin mit ihrem verkramten Hang zur russischen Poesie sich in mir regt – <a href="http://www.aktuell.ru/russland/lexikon/kalenderblatt/russland_geschichte_zwetajewa_begeht_selbstmord_233.html">an einem Tag</a> wie diesem...? Die Hex' gibt sich auch Mühe, nicht allzu missionarisch rüberzukommen.</span></em></span></p>
<blockquote><p><span style="font-family:Arial;font-size:small;">Ты меня никогда не прогонишь:<br />
Не отталкивают весну!<br />
Ты меня и перстом не тронешь:<br />
Слишком нежно пою ко сну!</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;">Ты меня никогда не ославишь:<br />
Мое имя – вода для уст!<br />
Ты меня никогда не оставишь:<br />
Дверь открыта, и дом твой – пуст!</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/cvetaeva.gif" alt="Marina Zwetajewa" hspace="8" width="150" align="left" /></span></p>
<p align="right"><span style="font-family:Arial;font-size:small;">Du wirst es nicht schaffen, mich zu verjagen:<br />
Den Frühling zu bannen, hat keiner geschafft!<br />
Mich anzufassen, wirst du nicht wagen:<br />
Viel zu zärtlich sing ich im Schlaf!</span></p>
<p align="right"><span style="font-family:Arial;font-size:small;">Du schaffst es auch nicht, mich in Worte zu fassen:<br />
Mein Name ist Wasser den Lippen - und aus!<br />
Du wirst es nicht schaffen, mich zu verlassen:<br />
Die Tür ist geöffnet - und leer ist dein Haus!</span></p>
<p align="right"><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><em>(Marina Zwetajewa)</em></span></p>
</blockquote>
<p><span style="font-family:Arial;">Wenn es hier bei uns um die Kenntnis russischer schöner Literatur geht, fallen schnell die Namen Tschechow, Puschkin und Tolstoi. Einer schindet Eindruck mit der vollendeten Lektüre von Dostojewskis "Schuld und Sühne", ein anderer damit, dass er ein paar von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Alexandrowitsch_Blok">Alexander Bloks</a> <a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/blok1.htm">"Versen an die schöne Dame"</a> deklamieren kann.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/marina-portrat-ov.jpg" alt="Schönheit und Leidenschaft" hspace="8" width="220" align="right" /></span><span style="font-family:Arial;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Zwetajewa">Marina Zwetajewa (1892-1941)</a> dagegen ist in Deutschland wohl immer noch eher Insidern bekannt, obwohl sie getrost zu den größten Dichterinnen des zwanzigsten Jahrhunderts gezählt werden darf. In ihrer Heimat, der sie jahrzehntelang im Exil fernbleiben musste, wird sie von Millionen gelesen, verehrt und geliebt. Sie haben ihre <a href="http://www.museum.ru/N31646">Gedichte vertont</a>, haben Straßen nach ihr benannt, ihr <a href="http://cvetaeva.ru/">Museen</a> eingerichtet, haben ihr <a href="http://www.svobodanews.ru/Article/2006/10/13/20061013143252037.html">Denkmäler</a> gebaut, <a href="http://www.epochtimes.ru/content/view/9002/6/">Bilder</a> von ihr gemalt und <a href="http://tvzone.city.tomsk.net/vdv.htm">Filme</a> über sie gedreht...</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;"><a href="http://www.moskau.ru/moskau/sehenswert/museum/marina_zwetajewa_museum_radikal_bis_in_den_tod_19.html">Marina</a> wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Sie wurde ein wildes Mädchen, eine exzentrische und leidenschaftliche Frau, eine liebende Mutter. Und sie trug ein schweres Schicksal, geprägt von Emigration, von Ächtung ihrer Kunst und Person durch die Stalindiktatur, in Verfolgung, Armut und Isolation.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Die Poesie der Dichter des russischen Symbolismus, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Bely">Andrej Bely</a> und Alexander Blok, faszinierte sie und beeinflusste ihre eigenen frühen Werke. Aus Liebe heiratete sie 1912 sehr jung den noch jüngeren Offizierskadetten und späteren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Armee">Weißen</a> Offizier Sergej Efron, dem sie nach den Wirren der Oktoberrevolution 1922 ins Exil folgte, zuerst nach Berlin, dann nach Prag und Paris. In Berlin veröffentlichte sie ihre Gedichtsammlungen, so die "Trennung" (Разлука) und "Gedichte an Blok" (Стихи к Блоку).</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Die Liebe zu ihrem Mann hielt dieses lebenshungrige, extrovertierte Wesen nicht von stürmischen Affären mit anderen Männern ab. <a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/mandel3.htm">Einer</a> von ihnen war der <a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/mandel1.htm">Vollblutpoet</a> <a href="http://www.zeit.de/2003/40/SM-Mandelstam">Ossip Mandelstam</a>; die Begegnung mit Rainer Maria Rilke, dem sie sehr nahe stand, fand nicht mehr statt, da er kurz vorher starb. Und die heftige Romanze in Prag mit einem Freund ihres ansonsten sehr nachsichtigen Gatten beendete sie, um ihre Ehe zu retten.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><a href="http://a88.narod.ru/ars01.htm"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/a-tarkowskij.jpg" alt="Marinas letzte Liebe" hspace="8" width="180" align="left" /></a></span><span style="font-family:Arial;">Ihre <a href="http://gazeta.aif.ru/online/superstar/41/07_01">'letzte Liebe'</a> (so nannte es der Drehbuchautor eines Dokumentarfilms über sie) war der Dichter Arsenij Tarkowskij, Vater des späteren bekannten Filmregisseurs <a href="http://www.tag.wtal.de/Programm/Namen/AndrejTarkowskij.htm">Andrej Tarkowskij</a>. In der für Marina so schweren Zeit, in der Mann und Tochter in Stalins Kerkern saßen, sie um beider Leben bangte und sich mit ihrem Sohn mühsam allein durchs Leben schlug, wuchs eine innige Freundschaft zwischen ihr und diesem um Jahre jüngeren talentierten Poeten. Sie zerbrach... an ein paar Versen des Freundes, die ungewollt die emotionale und sensible Zwetajewa tief in ihrem Stolz verletzten. Darüber schrieb sie ihr letztes Gedicht:</span><br />
<img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/eines-der-letzten-von-m.jpg" alt="Marina auf einem der letzten Fotos" hspace="8" width="170" align="right" /></p>
<blockquote><p><span style="font-family:Arial;">* * *<br />
"Ich hab den Tisch gedeckt für sechs..."</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Dein Vers, ich wiederhol ihn, – stets<br />
Muss ich ein Wort darin berichtgen:<br />
– »Ich hab den Tisch gedeckt für sechs«...<br />
Du hast einen vergessen – den Siebten.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Zu sechst kennt ihr die Freude nicht.<br />
Regen strömt über Gesichter...<br />
Wie konntest du an solchem Tisch<br />
Den Siebten vergessen – die Siebte...</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Deine Gäste sind nicht froh,<br />
Und die Kristallkaraffe kreist nicht.<br />
Traurig sind sie, du – sowieso,<br />
Die man nicht einlud ist's – am meisten.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Nicht froh, und es wird auch nicht heller.<br />
Ach! lasst das Trinken und das Essen.<br />
– Wie konntest du so sorglos zählen?<br />
Wie konntest du die Zahl nicht treffen?</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Wie kannst, wie wagst du's nicht zu sehn,<br />
Dass sechs (zwei Brüder, und du selbst –<br />
Der Dritte – mit Vater, Mutter, Frau daneben)<br />
Macht sieben – solang ich auf der Welt!</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Du hast den Tisch gedeckt für sechs,<br />
Doch gibt's auf dieser Welt noch eine.<br />
Wie auf dem Feld der Vogelschreck,<br />
Will ich's Gespenst sein – mit den deinen,</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">(Mit meinen)...<br />
Schüchtern wie ein Dieb,<br />
– Nicht eine Seele zu betrüben! –<br />
Am Plätzchen, das man mir nicht ließ,<br />
Sitz ich, die man nicht rief, die Siebte!</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Hopp! – hab ein Glas verschüttet! und<br />
Was ich vergießen gewollt, das viele: –<br />
Das Salz der Augen, das Blut der Wunden –<br />
Läuft vom Tischtuch auf die Dielen.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Kein Abschied – nein! kein Sarg im Saal!<br />
Den Tisch zu entzaubern, das Haus zu wecken.<br />
Wie der Tod – zum Hochzeitsmahl,<br />
Bin ich das Leben, und komme zum Essen.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;font-size:small;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=E1oruiCR_Rs"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/birken-aufm-gleis.jpg" alt="“Nie war sie hilflos,doch immer - wehrlos…”" hspace="8" width="260" align="right" /></a></span><span style="font-family:Arial;">... Bist mir nicht Bruder, Sohn, nicht Mann,<br />
Kein Freund – und doch werf ich dir vor:<br />
– Die Sechs bei Tisch sind Seelen nur,<br />
Wenn sich für mich kein Plätzchen fand.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">6. März 1941</span></p></blockquote>
<p><span style="font-family:Arial;">Marinas Sohn Georgij Efron, der 1944 neunzehnjährig in seinem ersten Fronteinsatz des Vaterländischen Krieges fiel, hat in seinen <a href="http://stabikat.sbb.spk-berlin.de:8080/DB=1/SET=1/TTL=11/SHW?FRST=11">Tagebüchern </a>viel über <a href="http://tvzone.city.tomsk.net/sonya/s_efron.htm">seine Mutter</a> festgehalten. Was von ihnen erhalten geblieben ist, wurde 2004 <a href="http://www.lebed.com/2005/art4033.htm">bei "Vagrius"</a> erstmals in einer Auflage von 3000 Exemplaren herausgegeben – ich fand nur <a href="http://www.ng.ru/saturday/2004-04-16/15_efron.html">diese Vorveröffentlichung</a>, selbstredend auf Russisch...</span></p>
<p><span style="font-family:Arial;">Marina Zwetajewa. Sie war eine wilde Rose – und eine starke Frau. Und doch nicht stark genug. Am 31. August 1941 setzte sie ihrem Leben ein Ende. Und heute vor 66 Jahren wurde sie auf dem Friedhof im tatarischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jelabuga">Jelabuga</a> (das ohne sie ein namenloser Ort in Russlands Weiten geblieben wäre) begraben – oder sollte man sagen: verscharrt? - denn ihr Grab ist bis heute unbekannt...</span><br />
<a href="http://www.specmagazin.ru/product_info.php/cPath/28/products_id/53"><img src="http://hegewald.wordpress.com/files/2007/09/gedichtband-zwetajewa.jpg" alt="«И может быть, на мой закат печальный блеснет любовь улыбкою прощальной» (Пушкин)" vspace="10" width="280" align="middle" /></a><br />
<span style="font-family:Arial;"><a href="http://home.arcor.de/berick/illeguan/cvetaeva1.htm">Ihre Poesie</a> aber bewegt <a href="http://russianlegacy.com/russian_culture/poetry/tsvetaeva.htm">nicht nur</a> die <a href="http://www.akniga.ru/Audiobook2483.html?order=-2000000">Russen</a> – bis heute.</span></p>
<p><em><strong>Edit 8. September 2007:</strong> Jetzt erst gelesen: Der kleine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E1oruiCR_Rs">Youtube-Film</a> mit Bildern und Liedern zu den Gedichten von Marina Zwetajewa, den ich unter dem Bild mit den Birken verlinkt habe, stammt von einem jungen Mädchen, Soja. Sie hat ihn im November 2001 als Literaturarbeit für die Schule gemacht, die Verse selbst eingesprochen. Besonders berührt mich daran, dass der Film in seiner Art und Stimmung zu Sojas Vermächtnis geworden ist - denn kurz danach, im Januar 2002, ist sie gestorben...</em></p>
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