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	<title>filmfranchise &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/filmfranchise/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "filmfranchise"</description>
	<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 16:16:10 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

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<title><![CDATA[DER UNGLAUBLICHE HULK]]></title>
<link>http://screenwrite.wordpress.com/?p=69</link>
<pubDate>Fri, 11 Jul 2008 14:49:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>Thomas Lenz</dc:creator>
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<description><![CDATA[Anger Management.
Wenn Superhelden ihren Job an den Nagel hängen und zur normalsterblichen Tagesord]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anger Management.</strong></p>
<p>Wenn Superhelden ihren Job an den Nagel hängen und zur normalsterblichen Tagesordnung hinüberwechseln, geht es meistens ganz schnell mit ihnen bergab. Peter Parker hat aus dieser Lektion gelernt (in „Spiderman 2“), Clark Kent ein bürgerliches Leben mit Lois Lane nach kurzer Zeit wieder ad acta gelegt (in „Superman 2“), und als die Justice League of America bei Gelegenheit von sechsdimensionalen Aliens gewaltsam auf ihre bürgerliche Identität reduziert wurde (in der „JLA“-Serie), war es erst einmal vorbei mit dem Heldentum. Nur der Hulk scheint als unterforderter Sicherheitsbeamter ganz gut klar zu kommen, denn diesen Posten hat er nun mittlerweile seit 2003 inne (zu bestaunen in Ang Lees erster Filmversion). Lukrativ ist die Sache vielleicht nicht, denn bereits für den Gegenwert einer Pizza lässt er seine Dienstpflichten bereitwillig außen vor. Im Großen und Ganzen aber überwiegen die Vorteile, und eine ruhige Kugel zu schieben schützt bekanntlich vor allzu hohem Puls, und das ist gut, denn der macht grün vor Wut. Lou Ferrigno kann es also gelassen angehen und seinem mittlerweile zweiten Nachfolger entspannt bei der Arbeit zusehen. Der ehemalige Bodybuilder hatte einst die erste Realversion des naturgemäß unbeherrschten Mutanten verkörpert und regelmäßig von einem Schnitt zum anderen die Rollen mit seinem weniger angsteinflößenden Alter Ego getauscht (also Hulk gegen Bruce Banner und Ferrigno gegen Bill Bixby). So einfach war das damals. Heute wäre der testosteronlastige Italo-Amerikaner als Darsteller arbeitslos oder maximal noch für Synchronarbeiten gefragt, denn der grüne Hüne mit der chronisch schlechten Laune hat seinen menschlichen Anteil längst auf ein Minimum an Motion Capture reduziert und ist ansonsten ein durch und durch digitales Riesenbaby. Das kann man je nach Belieben als Fluch oder Segen erachten, für die Logik der Transformation jedenfalls ist der technologische Fortschritt ein seltener Fall von Kongenialität.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Dabei leidet auch der aktuelle Hulk noch an den üblichen CGI-Krankheiten, die den Trick als Trick entlarven und sich nur bedingt in den realen Rest des Films einfügen. Das lässt sich zwar nicht verleugnen, überbewerten muss man es aber auch nicht. Immerhin steht dahinter dieselbe Industrie, die über Jahrzehnte hinweg mit minderwertigen Rückprojektionen und anderen heute absurd anmutenden Kompromisslösungen ganz gut gefahren ist. Warum also übermäßige Strenge auffahren, wenn es um digitale Monster geht? – Die 2008er Variante der mittlerweile seit über vier Jahrzehnten bestehenden Comic-Serie jedenfalls lässt sich jede Menge Zeit, bis der Zuschauer überhaupt einmal einen Blick auf das Ergebnis kostenintensiver Programmierarbeit werfen kann (eine dramaturgische Mühe allerdings, die schlichtweg vor die Hunde geht angesichts einer zeigefreudigen Werbekampagne, die kein Geheimnis aus dem Hulk selber und seinem Gegenspieler macht). Bis dahin setzt Marvel in seiner zweiten Eigenproduktion nach dem überaus erfolgreichen „Iron Man“ auf eine ausgedehnte Exposition, die den unbedarften Zuschauer nicht unbedingt eine Mutanten- oder Superheldengeschichte erwarten lassen würde. Allerdings gibt es den unbedarften Zuschauer höchstens noch in Sneak Previews oder hinter dem Mond, und so kann sich der Film eine ziemlich effektive Teaser-Montage erlauben, die in aller Kürze diejenigen Ereignisse zusammenfasst, aufgrund welcher Bruce Banner - seines Zeichens Atomphysiker mit Hang zum Selbstversuch - auf der Flucht vor der US-Army in einer brasilianischen Limonadenfabrik untergetaucht ist und sich dort angestrengt bemüht, seinen Puls möglichst niedrig zu halten, denn sonst, tja, wird aus dem eher schmächtigen Edward Norton ein ziemlich ungemütliches digitales Monster.</p>
<p>Natürlich lässt sich das nur eine Weile vermeiden, und als Banner schließlich von einem Sondereinsatzkommando unter der Leitung des fanatischen Emil Blonsky, eines britischen Söldners mit russischen Wurzeln (sozusagen seine politisch neutralisierte Fassung, da im Comic ursprünglich ein KGB-Agent aus Zagreb), aufgespürt und gejagt wird, bahnt sich der cholerische Golem mit der ungesunden Hautfarbe auch schon bald seinen Weg. Weitaus beängstigender aber als die ungebremste Aggression von Banners kontrollloser Zweitidentität ist Blonskys abgründige Begeisterung für das Potential der grünen Kampfmaschine. Dass die Army weniger an Banner interessiert ist als an der Möglichkeit, die (bislang ungeklärten) Umstände seiner Verwandlung zu reproduzieren und so einen neuen, aggressiven und unbesiegbaren Soldatentypus zu schaffen (Geschosse ignoriert der Hulk nämlich wie Mückenstiche), weckt in der Vorstellung des Söldners echte Allmachtsfantasien. Das muss er nicht aussprechen, denn es blitzt in seinen Augen auf wie das Grün in denjenigen Banners, bevor er sich verwandelt. Dass Blonsky dabei, einer klugen Entscheidung des Regisseurs gemäß, die er gegen den Willen des Studios durchsetzte, von Tim Roth verkörpert wird, kommt der Sache sehr entgegen. Hatte dieser doch in Tim Burtons unseligem „Planet of the Apes“-Remake selbst hinter der Affenmaske seines General Thade noch soviel beunruhigenden Wahnsinn verbreitet, dass man für einen Moment fast vergessen konnte, sich über den Rest des Films zu ärgern. Louis Leterrier wird das vermutlich ähnlich empfunden haben, und so mag es sich ergeben haben, dass Blonsky in seiner menschlichen Gestalt nun mindestens so verstörend gefährlich auftritt wie später als gammastrahlenmutiertes Supermonster (im Comic noch „The Abomination“, im Film leider namenlos), das immerhin noch bedrohlicher aussieht als das seltsame Amphibienwesen, das Manhattan ein paar Monate zuvor heimgesucht hatte (dokumentiert in „Cloverfield“).</p>
<p>Überhaupt ist der Übergang von den realen Charakteren (Banner und Blonsky) zu ihren digitalen Versionen (Hulk und Abomination) weniger fließend als eher sprunghaft. Tauschte die TV-Serie aus den 70ern noch einfach ihre Darsteller aus, so verschwinden die Schauspieler heute ganz und liefern höchstens noch ein paar per Cyber-Scanning generierte Spuren. In den meisten Fällen ist das bloße Effekthascherei (und – bewiesen im Fall von Robert Zemeckis´ „Beowulf“ - für die Dauer eines ganzen Films noch nicht tragbar). Im Fall einer Geschichte allerdings, die auf der vollständigen Transformation ihrer Figuren beruht, hat dieser Schritt eine durchaus bemerkenswerte Konsequenz. Filmimmanent ließe sich das durchaus thematisieren, jedoch ist „The incredible Hulk“ dafür ganz sicher die falsche Adresse. Insgesamt tut Marvel nämlich gut daran, die Dinge nicht übermäßig zu komplizieren, und damit greift das Studio auf eine Tugend zurück, die eine erfolgreiche Comicserie ausmacht. Komplexität braucht eben Zeit und damit Sequels.</p>
<p>Im Gegensatz zu den psychologischen Untiefen etwa, in denen sich Ang Lees „Hulk“-Version bewegte, und die so manchen Fan ratlos zurück ließen, gibt sich die Fassung aus der Feder von Zak Penn (superheldenerfahren seit „X2“) und Edward Harrison geradliniger und leichter konsumierbar. Beide Filme gegeneinander auszuspielen, hat dabei wenig Sinn, denn die Zielvorgabe ist nicht dieselbe. Marvel setzt wie schon bei „Iron Man“ (und allen noch geplanten Superhelden-Filmen des Studios) auf den Franchise-Effekt und kommt damit dem Gesetz des Comics als Serienprodukt näher. Wie alle Superhelden nämlich hat auch der Hulk über die Jahrzehnte seines Bestehens eine komplexe und psychologisch vielfältige Geschichte assimiliert, die in einem einzigen Film keinen Platz hat, und so kann sich Marvel alle Verzweigungen für später aufheben (immerhin gibt es da die überaus schwierige Seite in Banners Entwicklung, die das hohe Aggressionspotential des Hulk mit einem Missbrauch aus der Kindheit in Verbindung bringt). Lees Version hat im Grunde versucht, seiner Figur vieles von dieser Tiefe zu geben, den Film damit aber für klassisches Blockbuster-Kino merklich überladen (Ähnliches ließe sich zwar auch von Burtons „Batman“ behaupten, nur gelingt dort der Spagat merklich besser, und die überbordende Fabulierlust in Charakterzeichnung, Set-Design und Inszenierung kann die eigentlich über alle Maßen enggeführte Psychologie der Geschichte - in der gegenseitigen Co-Abhängigkeit von Bruce Wayne und dem Joker - gut überspielen).</p>
<p>Wie viel Komplexität Leterriers Version aber bereits tatsächlich hat, mag erst ein späterer Director’s Cut offenbaren. Immerhin kündigt der Regisseur bereits eine um ganze 70 (in Worten: siebzig) Minuten längere Fassung an.</p>
<p><img src="http://www.alienus.de/screenwrite/Plakat_Der-unglaubliche_Hulk.jpg" border="1" alt="" width="450" height="637" align="absBottom" /></p>
<p>Artikel © 2008 Thomas Lenz. Alle Rechte vorbehalten.<br />
Filmplakat: <a href="http://www.concorde-film.de/" target="_blank">Concorde Filmverleih GmbH</a></p>
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]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[IRON MAN]]></title>
<link>http://screenwrite.wordpress.com/?p=30</link>
<pubDate>Sat, 03 May 2008 21:56:11 +0000</pubDate>
<dc:creator>Thomas Lenz</dc:creator>
<guid>http://screenwrite.wordpress.com/?p=30</guid>
<description><![CDATA[Herzschrittmacher.
So hatte Tony Stark sich das nicht vorgestellt. Anstatt verlässlich die Freiheit]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herzschrittmacher.</strong></p>
<p>So hatte Tony Stark sich das nicht vorgestellt. Anstatt verlässlich die Freiheit zu sichern, sorgen die Waffensysteme aus seinen hauseigenen Produktionshallen vor allem für jede Menge Leid, Tränen und Kollateralschäden. Dabei hatte es sich als Kopf eines milliardenschweren Rüstungskonzerns in zweiter Generation und fernab von den Einsatzgebieten seiner patentierten Kriegsspielzeuge bisher eigentlich gut und sorgenfrei leben lassen. Doch ausgerechnet bei der Präsentation eines neuen Tötungswunderwerkes für die US-Army am Hindukusch fällt der Mann, der lieber im Casino ein kleines Vermögen verprasst als bei eitlen Empfängen lästige Auszeichnungen entgegenzunehmen, und der übereifrige Enthüllungsjournalistinnen schon mal ganz gerne dazu motiviert, selber die Hüllen fallen lassen, unangenehmer Weise in die Hände bewaffneter Miliz. Und die hat nichts Gutes Im Sinn. Sein neuestes Produkt soll er für sie bauen, und sie so unbesiegbar machen - denn wer mit den Waffen von Stark Industries kämpft, der gewinnt auch den Krieg. Solchermaßen mit den Früchten seiner eigenen Arbeit konfrontiert und der Welt von Cocktailpartys und Nadelstreifenanzügen entrückt, wird es Zeit, die eigenen Ziele im Leben noch einmal zu überdenken. Tony Stark kommt dabei zugute, dass ihn dieser Antrieb von nun an nie wieder verlassen wird. Denn nur ein notdürftig in seinen Brustkorb eingebauter Elektronmagnet kann noch verhindern, dass sein Herz von Granatsplittern buchstäblich zerrissen wird. Keine rosigen Aussichten also und eine erstklassige Gelegenheit, mit der leidigen Waffenschieberei aufzuhören.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Dass Superhelden nicht geboren, sondern gemacht würden (mit Ausrufungszeichen), lässt sich zwar problemlos auf großformatige Poster drucken und als werbewirksame Propaganda nutzen, so ganz richtig wird diese These dadurch aber noch nicht. Auf den archetypischsten (und konsensfähig ersten) aller Vertreter seiner Spezies trifft sie jedenfalls nicht zu. Eher das Gegenteil ist der Fall. Um sich nämlich überhaupt in der zivilisierten Solidargemeinschaft aufhalten zu können, muss das Findelkind aus Smallville seine angeborene Natur zeit seines Lebens hinter der menschlichen Fassade eines bürgerlichen Langeweilers wie Clark Kent verbergen – was seinem Liebesleben bekanntermaßen nicht wirklich gut tut. Nun könnte man Tarantinos absurdem Superhelden-Monolog aus „Kill Bill Vol.2“ folgen, demgemäss der Mann vom Planeten Krypton lediglich die Ausnahme zur Regel darstellt, und wäre fein raus. Dabei hätte man aber ein ganzes Nest von Superhelden qua Geburt übersehen, das seit 2006 unter dem schlichten Titel „Heroes“ äußerst erfolgreich die Welt rettet und seinem Erfinder Tim Kring bis heute ein gutgefülltest Bankkonto beschert. Die These ist also schlichter Humbug.</p>
<p>Superhelden werden durchaus als solche geboren, und bei Tony Stark ist das im Grunde ähnlich. Als einziger Popstar unter den Waffenhändlern dieser Welt ziert er die Cover der einschlägigen Hochglanzmagazine und rettet, wie es sich für Superhelden eben gehört, die zivilisierte Welt (also die USA) beständig vor den bösen Jungs (also denen mit Turban). Die Superkraft, die ihm das ermöglicht, ist seine genialische Hochbegabung als Ingenieur, mittels derer er spielend leicht die wirksamsten Kriegsgerätschaften auf dem Globus entwickelt. Soweit ist also eigentlich alles im Lot. Was er allerdings bisher ziemlich leichtsinnig betrieben hat, seine Kräfte nämlich anderen zum Spielen zu geben, ist für echte Superhelden ein absolutes No-Go. Und so muss er dann von seinen eigenen Granaten erst einmal fast in die Luft gesprengt werden, um hautnah erleben zu können, wie wenig superheldenhaft seine Arbeit doch eigentlich ist (Amerikaner als Opfer amerikanischer Waffen? Undenkbar). Die Konsequenzen zieht er unmittelbar: Statt den bösen Jungs nämlich die gewünschten Waffensysteme zu bauen, entwickelt er unbemerkt einen stählernen Kampfanzug, der ihm schon bald eine ziemlich eindrucksvolle Flucht ermöglicht – auch wenn er seine Erfindung dabei am Ende buchstäblich in den Sand setzt. Zurück auf heimatlichem Boden erklärt er öffentlich, die Produktion von Kriegsgerätschaften zu beenden und beginnt heimlich an einer optimierten Version seiner stählernen (oder eben eisernen) Rüstung zu basteln, die ihn wenig später bereits befähigt, sich als echter Superheld und frei von (zumindest menschlichen) Kollateralschäden zu beweisen.</p>
<p>Der „Iron Man“, so wird die Presse Tony Stark später betiteln, gehört zu den Bewohnern des Marvel-Universums, in dem jede Menge Figuren zuhause sind, die sich durch Eigenschaften definieren, von denen der Normalsterbliche nur träumen kann. Superheldentum gehörte hier schon immer zum guten Ton, und nachdem eine Überdosis extraterrestrischer Strahlung 1961 aus ganz gewöhnlichen Menschen die Fantastic Four gemacht hatte, war das Zeitalter der realen Welt auch im Kosmos der Kryptoniten angebrochen. Stan Lee und Jack Kirby hatten die bedauernswerten Helden entwickelt, denen ihre Superkräfte so gar nicht gefielen, und deren menschliche Alltagssorgen oft mehr Kopfzerbrechen bereiteten als ihre superbösen Erzfeinde. Ein Jahr später bereits erfand Lee zusammen mit Steve Ditko den nächsten problembelasteten Superhelden, welcher genau wie das ungleiche Quartett zu seinen Kräften kam wie die Jungfrau zum Kind und durch einen harmlosen Spinnenbiss zum Amazing Spiderman mutierte.</p>
<p>Anders im Jahr darauf: Lees neuer Superheld sollte es weniger leicht haben, denn statt herbeitransformierter Kräfte und einem Deus ex machina als Auslöser sollte der Playboy und Waffenhändler Tony Stark vielmehr durch Selbsterkenntnis und harte Arbeit seinen Platz unter den Marvel-Kollegen finden. Das Herz der Wandlung zum geläuterten Helden (damals Kommunistenjäger) war zugleich auch das Herz der Figur selber. In Gefangenschaft geraten, rettet ihm sein Zellengenosse das Leben, indem er ihm mit improvisierten Mitteln ein magnetisches Schutzschild implantiert, das fortan leuchtet und für Stark wie ein permanentes Damoklesschwert als Warnung dient, sein Leben nicht weiter zu verschwenden. Fast ein halbes Jahrhundert später bleibt dieser durchweg brilliante dramaturgische Griff auch auf der Leinwand nicht nur erhalten, sondern Starks ganz eigener Herzschrittmacher wird gar zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte selbst, die aus dem Motiv auch tatsächlich eine Menge herausholen kann. Jedenfalls gehört schon einiges dazu, die eiserne Wunde im Brustkorb der Hauptfigur (eine Art Gegenstück zu den berüchtigten Cronenbergschen Körperöffnungen) bei Gelegenheit für den gleichermaßen intimsten wie absurdesten Moment zwischen Stark und seiner Assistentin Pepper zu nutzen, und damit die irrste Parodie auf dasjenige zu liefern, was die beiden in all ihrer beiderseitigen uneingestandenen Zuneigung verbindet, aber eben weder zu Körperlichkeiten führt noch zu echten Herzensdingen (tja, oder eben doch, nur ganz anders).</p>
<p>Derartige Spielereien im Hinterkopf steht und fällt dieser erste von Marvel eigenständig finanzierte Film dann auch folgerichtig vor allem mit seinen durchweg gutgelaunten Darstellern. Jeff Bridges als diabolischer Gegenspieler, der für sein abgrundtief gemeines Potential fast nicht oft genug zu sehen ist, und Gwyneth Paltrow als leicht zugeknöpftes Mädchen für alles (in mehrfacher Hinsicht eine Variante ihrer Figur aus „Sky Captain and the world of tomorrow“) sind klug platziert, und Robert Downey jr. gewinnt seiner Rolle eine angemessene, wenn auch nicht unbedingt vorlagenkonforme Note Selbstironie ab - wobei es natürlich ebenso blanker Unsinn wie reines, aber offensichtlich gern entgegengenommenes PR-Futter ist, dass seine private Historie dem fiktiven Charakter ernsthaft etwas hinzufügt (abgesehen vom symbolisch-plakativen Cheeseburgeressen selbstverständlich, mit dem Downey angeblich seine Drogenkarriere beendet haben soll, und welches er als heißhungriger Tony Stark auffällig lustlos durchexerziert).</p>
<p>Überhaupt haben sich Regisseur Jon Favreau und seine Autoren vor allem auf die Entwicklung der Hauptfigur konzentriert und die klassische Konfrontation mit einem monströsen Gegenspieler merklich an den Rand gedrängt – eine Entscheidung, die dem ganzen Unterfangen ausnahmslos gut tut und von vergleichbaren Produktionen angenehm abhebt. Bei genauerem Hinsehen wirken die randvollen 126 Minuten, die der Film dauert, in all ihrer angenehmen Kurzweiligkeit aber vor allem wie der Prolog zu einem von großen Plänen begleiteten Franchise. Für „Iron Man“-Kenner jedenfalls bieten sich jede Menge Versprechungen auf Zukünftiges, und selbst für Neuankömmlinge im Leben von Tony Stark gibt es mindestens einen ziemlich verheißungsvollen Appetithappen. Für den muss man allerdings die gesamten End Credits durchhalten – inklusive Black Sabbath mit, na was wohl: „Iron Man“.</p>
<p><img src="http://www.alienus.de/screenwrite/Plakat_Iron-Man.jpg" border="1" alt="" width="450" height="636" align="absBottom" /></p>
<p>Artikel © 2008 Thomas Lenz. Alle Rechte vorbehalten.<br />
Filmplakat: <a href="http://www.concorde-film.de/" target="_blank">Concorde Filmverleih GmbH</a></p>
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</item>
<item>
<title><![CDATA[DER GOLDENE KOMPASS]]></title>
<link>http://screenwrite.wordpress.com/2007/12/08/der-goldene-kompass/</link>
<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 04:40:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>Thomas Lenz</dc:creator>
<guid>http://screenwrite.wordpress.com/2007/12/08/der-goldene-kompass/</guid>
<description><![CDATA[Atheismus aus der Parallelwelt.
Der christliche Fundamentalismus hat es in diesen Tagen wirklich nic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Atheismus aus der Parallelwelt.</strong></p>
<p>Der christliche Fundamentalismus hat es in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Als hätte man nicht bereits genug damit zu tun, die konservative Keule gegen Richard Dawkins´ PR-Offensive in eigener Sache und seinen gutgelaunten Atheismus-Bestseller zu schwingen, rollt jetzt auch noch ein 180-Millionen-Dollar teurer Angriff auf das ohnehin schon arg gebeutelte Gottvertrauen des christlichen Abendlandes – und das ausgerechnet in der strategisch ungünstigen (oder je nach Perspektive: günstigen) Vorweihnachtszeit. Beruhigend also, dass wenigstens der US-Präsident an seiner Strategie festhält und dabei mittlerweile sogar den ketzerischen Entwarnungen seiner eigenen Geheimdienste standhält. Wer selber etwas im Kampf gegen das Böse tun will, kann sich etwa für lächerliche 5 Dollar ein Buch der Catholic League for Religious and Civil Rights zulegen, das die teuflischen Absichten der Romantrilogie „His Dark Materials“ des Briten Philip Pullman schonungslos aufdeckt (unentbehrlich für alle Christen, wie sich auf der Website der Herausgeber lesen lässt, „vor allem für solche mit Kindern und Enkelkindern“) und den Leser mit dem notwendigen Rüstzeug versieht, den Versuchungen von Unglauben und Barbarei zu widerstehen, die ihn jetzt zu allem Überfluss auch noch über die große Leinwand heimsuchen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>So oder ähnlich sieht es in den Köpfen verschiedener christlicher Gruppen der USA zum Premierenzeitpunkt der bisher teuersten Produktion aus dem Hause New Line wohl aus. Ähnliches hatte es zuletzt Anfang 2006 gegeben, als der „Da Vinci Code“ in manchen Köpfen bereits den Untergang des Abendlandes einzuläuten schien. Dass eine ziemlich belanglose Verschwörungsgeschichte rund um eine mehr oder weniger absurd anmutende Hypothese (die im Grunde allenfalls Kunsthistorikern ein verständnisloses Kopfschütteln entlocken dürfte) so manchen Kirchenvertreter auf die Barrikaden bringen konnte, sagt eine ganze Menge aus über die derzeitige Lage des christlichen Fundamentalismus. Dass den USA hier eine besonders zentrale Rolle zukommt, liegt aus ebenso traditionell-ideologischen wie außenpolitischen Gründen auf der Hand. Wo Kreationismus und Intelligent Design mittlerweile eine stimmbildende Macht entwickeln und sich evangelikale Sommerlager für eine christlich-konservative Indoktrination von Kindern stark machen, ist selbstverständlich alles willkommen, was sich als Feindbild nutzen lässt. Dazu gehört nun also auch „The Golden Compass“, ein auf den ersten (und auch jeden weiteren) Blick im Grunde völlig unbedenkliches Fantasy-Abenteuer, dessen Aufgabe es in erster Linie weniger ist, dem christlichen Fundamentalismus Paroli zu bieten, als vielmehr dem Mutterkonzern Warner jede Menge vorweihnachtliches Kassengold in die Taschen zu spülen und ganz nebenbei ein ertragreiches Franchise-Produkt zu installieren.</p>
<p>Bei solchen Zielen will man sich ungern Feinde schaffen und das Risiko eingehen, es sich schon vorab mit einem nicht unerheblichen Teil der Zielgruppe zu verderben. Folgerichtig ließ man seitens der Produktion schon frühzeitig verlautbaren, dass der religionskritische Faktor der Romanvorlage mehr oder weniger vollständig ausgehebelt werde, und man sich stattdessen gänzlich auf das Handlungsgerüst konzentrieren wolle (und dafür sogar den bereits gefilmten Cliffhanger des Romans außen vor ließ). Damit wollte sich aber vor allem die grundsätzlich ohnehin medienkritische Catholic League nicht zufrieden geben und startete in Gestalt ihres Präsidenten William A. Donohue vorsorglich einen öffentlichen Feldzug. Das Argument, das alle Beteuerungen seitens der Produktion aushebelte, war dabei ebenso trickreich wie paranoid: Da nämlich die Romanvorlage mit ihren beiden Fortsetzungen einen hochgradig atheistischen Standpunkt propagiere, müsse verhindert werden, dass vor allem Kinder auf diese Weise ein falsches Weltbild erlangen könnten. Denn selbst wenn die Filmversion selber problemlos konsumierbar sei, so könnten Eltern unter diesem falschen, da verharmlosenden Eindruck doch im Anschluss an den Kinobesuch auf die Idee kommen, ihren Kindern die Romanfassung unter den Weihnachtsbaum zu legen, und schon nähme das unchristliche Schicksal seinen Lauf.</p>
<p>Was den Fundamentalisten in Wahrheit also eigentlich Probleme bereitet, ist die immense Wirkungskraft des Kinos. Und da ist durchaus etwas dran. Kaum eine andere Werbemaßnahme nämlich kann ein Buch derart wirkungsvoll und flächendeckend promoten wie dessen Filmversion. Dass sich die Verleger von Philip Pullmans Romantrilogie weltweit die Hände reiben, wenn sie an die umsatzträchtigen Folgen der Verfilmung denken, steht außer Frage. Ganze Märkte werden da neu erschlossen, und das Weihnachtsgeschäft tut sein Übriges. Die vermutete atheistische Gefahr, vor der die Catholic League da warnt, ist also immens. Nun sind Donohue und seine ganze Organisation den gemäßigten Kirchenvertretern der USA schon grundsätzlich ein nicht unerhebliches Dorn im Auge, und man weiß, dass derart realitätsfremdes Fahnenschwenken den christlichen Kirchen mehr schadet als nützt. Und so war die US-Bischofskonferenz auch zunächst strategisch schlau genug, eine offizielle Filmbesprechung von „The Golden Compass“ merklich positiv ausfallen zu lassen, verlor dann aber offenichtlich rasch die Nerven und entfernte den Text schon nach wenigen Tagen wieder von der eigenen Homepage. Die Meinungen bleiben also auch jenseits von Donohue gespalten, und so lassen die ersten Reaktionen nach offiziellem Filmstart auch wenig von einem Abebben der Kontroverse spüren, denn das Damoklesschwert der Romanvorlage lässt sich nicht wegdiskutieren.</p>
<p>Dabei bezieht Autor Philip Pullman bei genauerem Nachfragen eine weniger religionsfeindliche Position, als ihm vielfach unterstellt wird. Mit Autoritäten hat er es jedoch nicht, und dabei ist es ganz gleich, ob diese irdischer, religiös-theokratischer oder kosmischer Natur sind. Das macht ihn natürlicher Weise zu einem idealen Autor für Heranwachsende, und auf die zielt seine Geschichte in erster Linie auch ab. Ein gesundes Misstrauen gegenüber Erwachsenen und Machtinhabern jeglicher Art und Form prägt dann auch Lyra, die 12jährige Hauptfigur von Buch wie Film. Dieser Charakterzug in Verbindung mit einer gehörigen Portion Cleverness und echter Unerschrockenheit gegenüber der immanenten Bedrohung, die von struktureller ebenso wie physischer Autorität ausgeht, rettet ihr und anderen mehr als einmal das Leben. Dass später das Fortbestehen ganzer Welten in ihren Händen liegen wird (und damit Schicksal und Vorbestimmung die Rolle non-personaler Ersatzgottheiten übernehmen), deutet der Film nur an. Ob es diese kosmische Perspektive allerdings auch auf die Leinwand schaffen wird, hängt nun vom Erfolg des ersten Teils der Trilogie ab – und der hielt sich am Startwochenende zumindest in den USA trotz Bestplatzierung eher zurück.</p>
<p>Das ist nun umso bedauerlicher, da die Filmversion von Chris Weitz sowohl die fundamentalistischen Kontroversen als auch die kritischen Stimmen seitens der Puristen, die gerne mehr von Pullmans Religions- und Kirchenkritik gesehen hätten, mit einer derartigen visuellen Wucht aushebelt, dass man sich wünschen würde, beide Fortsetzungen wären längst abgedreht und fertig editiert. Die fantastische und ideenreiche Geschichte einer Parallelwelt, in der die Menschen ihre Seele in Gestalt eines Tieres immer bei sich tragen, in der eine finstere Geheimorganisation Kinder entführt und grausame Experimente mit ihnen durchführt, in der sprechende Eisbären ihrer Natur gemäß in den Krieg ziehen und ein geheimnisvoller Staub die Gesamtheit aller Universen (oder auch die Welt im Innersten) zusammenhält, findet auf der Kinoleinwand eine optische Entsprechung, die so reich gestaltet und so sorgsam komponiert ist, dass man kaum weiß, wo man zuerst hinsehen soll – und es gibt ganze Sequenzen, die alles filmtechnisch Machbare aufbieten, den Zuschauer daran zu erinnern, wie gut die Entscheidung war, nicht erst auf die DVD zu warten.</p>
<p>Dass der Hauptanteil dabei von den CGI-Künstlern besorgt wurde, ist durchaus zweitrangig, denn ausnahmslos alles, was es zu sehen gibt, fügt sich durchweg uneigennützig in die Geschichte ein. Das gilt nicht weniger für die gut aufgelegten Darsteller, die allesamt neben der jungen Dakota Blue Richards lediglich in mehr oder weniger großen Nebenrollen (Daniel Craig, Sam Elliott, Eva Green), Cameos (der offenbar unvermeidliche Christopher Lee) oder als Stimmen der animierten Charaktere auftreten (Ian McKellan, Kathy Bates, Kristin Scott Thomas). Den größten Anteil trägt dabei allerdings eine atemberaubend schöne Nicole Kidman, deren Charakter zwielichtig genug ist, um buchstäblich am eigenen Leib zu beweisen, dass beim besten Willen nicht alles, was glänzt, auch wirklich Gold ist.</p>
<p><img src="http://www.alienus.de/screenwrite/Plakat_Der-Goldene-Kompass.jpg" border="1" alt="" width="450" height="637" align="absBottom" /></p>
<p>Artikel © 2007 Thomas Lenz. Alle Rechte vorbehalten.<br />
Filmplakat: <a href="http://www.warnerbros.de/" target="_blank">Warner Bros. Entertainment GmbH</a></p>
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