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	<title>copthriller &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "copthriller"</description>
	<pubDate>Fri, 29 Aug 2008 22:52:45 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[STREET KINGS]]></title>
<link>http://screenwrite.wordpress.com/?p=28</link>
<pubDate>Sat, 19 Apr 2008 16:16:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>Thomas Lenz</dc:creator>
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<description><![CDATA[Fehler im System.
Parallelgesellschaften zeichnen sich durch Ihre Absetzung vom offiziellen bürgerl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fehler im System.</strong></p>
<p>Parallelgesellschaften zeichnen sich durch Ihre Absetzung vom offiziellen bürgerlichen Kontext aus. Sie können enklavisch strukturiert sein, ohne nach außen abzufärben, oder auf eigene Faust gezielte Systemkorrekturen vornehmen. Zum letzteren Typus gehört Ad Vice, eine Spezialeinheit des LAPD, die sich ihrer ganz eigenen Methoden der Gewaltenteilung bedient und dabei vor allem auf die Ökonomie der Mittel Wert legt. Denn wo die Polizei selber zur Judikative wird, spart man sich ebenso kostspielige wie langfristige Justizverfahren – von sinnlos milden Urteilen ganz zu schweigen. Zu den besonders konsequenten Anhängern dieser Vorgehensweise gehört der sichtlich aus der Spur geratene Detective Tom Ludlow (ein direkter Seelenverwandter von Vic Mackey), für den ein notwendiger Schusswechsel schon einmal zur aktiven Hinrichtung werden kann. In solchen Fällen bedürfen seine Fahndungserfolge für die Öffentlichkeit und die internen Überwachungsorgane zwar nachträglicher Tatort- und Beweismanipulationen, doch da ist er sich der schützenden und machtvollen Hand seines Captains sicher, der alle Spuren verwischen kann und so der Funktionsweise der Truppe den Rücken freihält. Dass ein solches System, das sich auf der Logik der Selbstjustiz gründet, irgendwann kannibalistische Züge entwickelt, liegt in der Natur der Sache. Wer überlebt, entscheiden andere.</p>
<p><!--more--></p>
<p>„Street Kings“ entstammt der Feder von James Ellroy, und daran lässt der Film auch keinen Zweifel. Überhaupt ist der Topos des Polizeiapparates als korrupter Parallelgesellschaft mit mafiösen Zügen eine der zentralen Koordinaten im Kosmos dieses Autors, der gerne von sich selber behauptet, mit seinen Geschichten in erster Linie Entertainment für die Manson-Familie zu liefern (Charles, nicht Marilyn wohlgemerkt). Mit einer Vita, die sich liest wie einer seiner Romane, und einem Image, das so egoman und hardboiled auftritt wie Norman Mailer in den 70ern, steht Ellroy für eine Sicht auf die Mechanismen von Recht und Ordnung, die in einem solchen Maße korruptionsgetränkt und machtbesessen ist, dass sie alle zivilgesellschaftlichen Bemühungen wie hoffnungslose Anachronismen aussehen lässt. Vieles davon ist vermutlich ebenso Methode wie die mit wilder Drogen-, Alkohol- und Muttermord-Vergangenheit ausgestattete öffentliche Figur des Autors, der sein Publikum gerne schon mal mit einem schnoddrigen „Hey motherfuckers“ begrüßt und auch literarisch eher auf Stakkato als Legato setzt, in der Gesamtheit allerdings stimmig genug erscheint, um seinen Ruf als bedeutendstem Sex-and-Crime-Chronisten der Gegenwart nachhaltig zu zementieren.</p>
<p>Bis heute sind die Versuche, die bemerkenswerte Sonderstellung seiner Romane auf die Leinwand zu übersetzen, eher lauwarm als heißgekocht ausgefallen. Ellroy selber hält sowieso nicht allzu viel vom Medium selber, was ihn aber nicht davon abhält, seine Verfilmungsrechte teuer zu verkaufen und sich durchaus auch zur Bereitstellung von Originalstoffen hinreißen zu lassen (und zwar 2003 für „The Plague Season“ / „Dark Blue“, Ellroys erster Zusammenarbeit mit Autor und Regisseur David Ayer). Neben den weniger bekannten Filmversionen von „Blood on the moon“ (1988 unter dem Titel „Cop“ mit James Woods) und „Brown´s Requiem“ ist vor allem „L.A. Confidential“ mit seinem Namen verbunden und bisher die meistbeachtete Kinofassung einer Ellroy-Vorlage (auch wenn der Autor selber nach anfänglichen Zufriedenheitsbekundungen später wieder zurückruderte und John Boormans „The General“ im Vergleich deutlich besser wegkommen ließ). Eher ernüchternd fiel Brian De Palmas mit ziemlich großer Erwartungshaltung und fatalen Finanzierungsschwierigkeiten begleitete Verfilmung der „Black Dahlia“ aus, deren einziges Highlight der kurze aber einprägsame Auftritt von Rose McGowan als Starlet mit unerfüllbaren Ambitionen blieb (und so in einer einzigen Sequenz mehr über Psychologie und Funktionsweise der Industrie aussagen konnte als der ganze Film).</p>
<p>„Black Dahlia“, Ellroys populärster und archetypischster Roman, war eine ganze Weile im Fokus von David Fincher, bevor dieser sich dem Zodiac-Killer verschrieb, und das Gleiche gilt auch für „Street Kings“ (damals noch unter dem Titel „The Night Watchmen“). Beide Filme hätten sicherlich von Finchers Faible für Stufenmodelle der Barbarei profitiert, und sein Konzept einer Schwarzweiss-Version des berühmtesten aller Hollywood-Verbrechen klingt so reizvoll, dass De Palmas Fassung in Relation noch bedauerlicher erscheint. Nicht ganz so düster sieht es für David Ayers Film aus, zumal die Vorlage keinerlei Erwartungshaltung mit sich bringt und so ein vergleichsweise unvoreingenommener Blick möglich ist. Überhaupt steht vor allem Hauptdarsteller Keanu Reeves im Vordergrund der Wahrnehmung, und die Verlegung der Handlung in die Gegenwart zielt eher auf das Publikum von „Training Day“ und „The Shield“ als von „L.A. Confidential“.</p>
<p>Dies im Hinterkopf erweist sich „Street Kings“ als straff erzählter Copthriller, dessen Spirale aus Gegengewalt und Korruption seine Hauptfigur fest im Griff hält. Glauben darf man hier niemandem, denn die Chancen, dass der erste Eindruck früher oder später kippt und sich als gefährlicher Trugschluss offenbart, sind in den meisten Fällen ziemlich groß. Sieht man von einigen allzu aufdringlichen Besetzungsentscheidungen ab (bei denen die unvermeidlichen Hip-Hop-Cameos immer noch akzeptabler sind als der assoziativ allzu vorbelastete Hugh Laurie), harmonieren die Darsteller schlüssig, und Keanu Reeves fügt sich nicht nur besser in die Rolle des kompromisslosen Detectives als man vielleicht erwarten würde, sondern bietet auch einen interessanten, da trotz aller forcierten Gewalt desillusionierten Gegenentwurf zu Forest Whitakers machtvoller Ziehvaterfigur mit einnehmender Präsenz, die trotz nur weniger Auftritte den gesamten Film überschattet.</p>
<p>Dass übrigens im schwarzen Ghetto von L.A. offensichtlich nichts ohne großformatige Flachbildschirme geht, deren Programme am liebsten popkulturellen Rassismus verbreiten, ist eine Erkenntnis, die anhand von Symptomen aufzeigen kann, wieso die Straßenjustiz des Films eine logische Konsequenz aus struktureller Ohnmacht darstellt, die sich nach oben wie nach unten haltlos fortsetzt und letztlich Recht und Ordnung zwangsweise und langfristig durch Bruderschaften, Gangs und interne Ermittlungsbehörden ersetzt. Umkehr ausgeschlossen.</p>
<p>(Was, nebenbei bemerkt, den deutschen Verleih wohl dazu bewogen haben mag, ein Plakat in Umlauf zu bringen, das offensichtlich versucht, die Geschmacksnote einer fragwürdigen DVD-Premiere zu reproduzieren, bleibt vermutlich ein besser gehütetes Geheimnis als alle Korruptionsnetze des Films selber.)</p>
<p><img src="http://www.alienus.de/screenwrite/Plakat_Street-Kings.jpg" border="1" alt="" width="450" height="637" align="absBottom" /></p>
<p>Artikel © 2008 Thomas Lenz. Alle Rechte vorbehalten.<br />
Filmplakat: <a href="http://www.fox.de/" target="_blank">Twentieth Century Fox of Germany GmbH</a></p>
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