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	<title>christliches-leben-katholizismus &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/christliches-leben-katholizismus/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "christliches-leben-katholizismus"</description>
	<pubDate>Sat, 26 Jul 2008 16:37:22 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Paulusjahr]]></title>
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<pubDate>Sat, 28 Jun 2008 03:37:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Meine Heimatgemeinde ist St. Peter und Paul Straelen. Das Patronat wird am 29. Juni gefeiert. An die]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Heimatgemeinde ist St. Peter und Paul Straelen. Das Patronat wird am 29. Juni gefeiert. An diesem Tag beginnt das Paulusjahr zu Ehren des Völkerapostels, der vor 2000 Jahren zu Welt kam. An dieser Stelle sei auf drei aktuelle Bücher verwiesen, zwei Monographien und ein Sammelband, welche allen Leserinnen und Lesern, die an Paulus interessiert sind, als informative und inspirierende Begleitlektüre durch das anstehende Jubel-Jahr dienen können, gehen sie doch in einer kompakten und zugänglichen Weise auf das Leben des Paulus und die Begleitumstände seines Wirkens sowie auf sein apostolisches, theologisches und literarisches Werk ein.</p>
<p>Es sind dies:</p>
<p>1.<br />
<a href="http://www.amazon.de/Kleine-Hinf%C3%BChrung-Paulus-Horacio-Lona/dp/3451290855/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1214562935&#38;sr=8-1" target="_blank">Horacio E. Lona: Kleine Hinführung zu Paulus. Freiburg i. Br.: Herder (2006), 149 Seiten, ISBN-13: 978-3451290855.</a></p>
<p>2.<br />
<a href="http://www.amazon.de/Paulus-Uni-Taschenb%C3%BCcher-basics-Peter-Wick/dp/3825228584/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1214563064&#38;sr=8-1" target="_blank">Peter Wick: Paulus. Göttingen: Vandenhoeck &#38; Ruprecht (2006), 219 Seiten, ISBN-13: 978-3825228583.</a></p>
<p>3.<br />
<a href="http://www.amazon.de/Paulus-Leben-Umwelt-Briefe-Uni-Taschenb%C3%BCcher/dp/3825227677/ref=pd_sim_b_1" target="_blank">Oda Wischmeyer (Hg.): Paulus. Leben - Umwelt - Werk – Briefe. Tübingen: A. Francke (2006), 388 Seiten, ISBN-13: 978-3825227678.</a></p>
<p>Ihnen und Euch ein gesegnetes Paulusjahr 2008/09!</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Heimat]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/?p=73</link>
<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 09:16:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bei einem Kurzurlaub in meiner Heimatstadt Straelen konnte ich etwas Kraft tanken für die anstehend]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einem Kurzurlaub in meiner Heimatstadt Straelen konnte ich etwas Kraft tanken für die anstehenden Aufgaben. In den Tagen am Niederrhein haben meine Frau Roxana und ich nicht nur bei Radtouren und Spaziergängen das schöne Wetter genossen, sondern auch das Stadtfest mitgefeiert. Wir nahmen auch an einem ökumenischen Landgottesdienst mit Prozession durch die Natur teil. Die - in doppeltem Wortsinne - natürliche Verbundenheit der Bauern und Gärtner mit der Schöpfung und ihrem Schöpfer beeindruckt mich immer wieder.</p>
<p>Ich hatte zudem Gelegenheit, mal wieder meinen Freund Franz Grooterhorst zu treffen, der mich 1995 auf Peter Wust aufmerksam gemacht hat, indem er mir dessen Hauptwerk „Ungewissheit und Wagnis“ zum Geburtstag schenkte. Kaum ein Buch hat mich seither mehr bewegt, kaum etwas hat mich so elegant über Phasen des Zweifels hinweggetragen. Wust lässt mich die Spannung von Vereinzelungserfahrung und Geborgenheitssehnsucht, von Begrenztheit und Transzendenzbezug, von homo philosophicus und homo religiosus nicht nur aushalten, sondern seine Worte helfen, diese Spannung durch das „Wagnis der Weisheit“ zu einem lebendigen Glauben umzuformen. Wust half mir damit, eine geistige Heimat zu finden, „Geborgenheit in der Ungeborgenheit“.</p>
<p>Bedanken darf ich mich aber in diesem Zusammenhang nicht nur bei Franz Grooterhorst, sondern auch bei seiner Mutter, die den unmittelbaren Anschluss an Wusts Wirken in Münster hatte, da sie ihr Studium gerade in dem Semester begann, in dem Wust krankheitsbedingt aufhören musste.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Anselm und Konrad]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/?p=68</link>
<pubDate>Mon, 21 Apr 2008 11:01:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Heute wird in der Katholischen Kirche zweier Heiliger gedacht, die auf den ersten Blick unterschiedl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute wird in der Katholischen Kirche zweier Heiliger gedacht, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: der Philosoph Anselm of Canterbury („Credo ut intelligam.“) und der Klosterpförtner Konrad von Parzham („Mein Buch ist das Kreuz.“).</em></p>
<p>Der Hl. Konrad ist Patron meiner Gemeinde. Sein Ausspruch „Mein Buch ist das Kreuz.“ deutet an, dass ihm demütige Frömmigkeit, Versenkung im Gebet und tätige Liebe wichtiger waren als Studien zu theologischen Fragen und gelehrte Gespräche. Er konzentriert sich ganz auf das Kreuzesgeschehen und stellt sich das Kreuz vor Augen, verliert es nicht aus dem Blick. Er hält es fest in die Hand, wie auf zahlreichen Bildern von ihm zu sehen ist. Ganz nah rückt er an das Kreuz heran und betrachtet den gekreuzigten Christus und damit das Mysterium der Erlösung. Dort wo mancher auf Porträts ein Buch hält und damit repräsentativ seine Bildung zur Schau stellt, dort hält er das Kreuz.</p>
<p>Bei seinem Besuch in Bayern im September 2006 würdigte Papst Benedikt XVI. Konrad in seiner Predigt beim Vesper-Gottesdienst in Altötting mit folgenden Worten:</p>
<p>„Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als demütiger Pfortenbruder. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer bei ihm sein. Von diesem Blick her hat er die nicht zu zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten – auch manchmal eher bösartig, um ihn bloßzustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte.“</p>
<p>So können wir Menschen des technisch-wissenschaftlichen Zeitalters vom Hl. Konrad vor allem eines lernen: Demut. Vor dem Leben, den eigenen Grenzen und der rational unergründlichen, nur im Glauben erfahrbaren Finalität des göttlichen Plans.</p>
<p>Das wiederum passt zu Anselms „Credo ut intelligam.“ Der zweite Blick offenbart also eine erstaunliche Gemeinsamkeit zwischen Pförtner und Philosoph: der Vorrang des Glaubens vor dem Wissen, genauer: die Schlüsselfunktion, die der christliche Glaube bei der vernünftigen Orientierung im Leben spielt.</p>
<p>Weil ich es nicht besser sagen könnte, sei es Anselm of Canterbury vergönnt, mein Lebensmotto für die nächsten Wochen darzutun:</p>
<p>Pausen der Stille<br />
In meinem Leben,<br />
ich brauche sie.<br />
Sie helfen mir:<br />
Kräfte zu sammeln,<br />
mich auf das Wesentliche zu besinnen,<br />
zu mir selbst zu finden und –<br />
Gott zu finden.</p>
<p>In diesem Sinne wird es hier eine kleine Pause geben. In einem Monat melde ich mich zurück.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Drei Jahre Benedikt]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/?p=67</link>
<pubDate>Sun, 20 Apr 2008 13:19:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ein Beitrag außer der Reihe
Bestimmte Aktualitäten bringen es mit sich, die anvisierte Zielrichtun]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Beitrag außer der Reihe</em></p>
<p>Bestimmte Aktualitäten bringen es mit sich, die anvisierte Zielrichtung dieses Projektes kurz aus dem Fokus der Beiträge zu nehmen. Vor drei Jahren wurde aus Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, der 265. Papst. Er gab sich den Namen Benedikt XVI. Zeit für eine Zwischenbilanz.</p>
<p>Der Papst und die Bürde des Amtes</p>
<p>Um es gleich zu sagen: Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube, dass Ratzinger da, wo er vorher saß, besser aufgehoben war, als dort, wo er jetzt ist. Der Gelehrte, der Denker, der Stille-Arbeiter, der Bürokrat, der Tief- und Hintergründler, es scheint, als trage er den Entscheid des Konklave mehr als Last denn mit große Freude. Er ist auch als Papst Benedikt der Theologe Ratzinger geblieben, was Probleme mit sich bringt, denn als Papst kann er nicht mal versuchsweise in die spekulative Philosophie abtauchen oder gewagte theologische Thesen aufstellen, wie dies in der akademischen Welt alltäglich ist. Das, was er als Papst sagt, und sei es noch so informell und behelfsmäßig, geht eine halbe Stunde später über die Ticker der Agenturen als das, was die Kirche meint. Weltweit. Mit seiner Regensburger Rede (September 2006) hat Benedikt diese Erfahrung machen müssen. Er hat aus ihr gelernt und wirkt heute bei seinen öffentlichen Auftritten mehr wie ein staatsmännischer Diplomat denn ein Dogmatiker, der gerade aus dem Studierzimmer kommt. Er verlegt sich mehr auf den pastoralen Dienst des Bischofs als sich in Reminiszenzen an die Vergangenheit als Theologieprofessor zu ergehen, ohne freilich seinen brillanten Intellekt außen vor zu lassen. Langsam scheint Benedikt in seinem Amt angekommen zu sein und gelernt zu haben, mit dessen Bürge umzugehen.</p>
<p>Der Papst und die Jugend</p>
<p>Benedikt trat vor drei Jahren ein schweres Erbe an, war sein Vorgänger Johannes Paul II. doch insbesondere bei der Jugend sehr beliebt. Ihr schenkte er ein Mega-Event, den Weltjugendtag, der bei seiner zehnten Auflage 1995 in Manila die größte Versammlung in der Menschheitsgeschichte erlebte: fast 4 Millionen junge Christen hatten sich in der Hauptstadt der Philippinen zusammengefunden. Zehn Jahre später sollten immerhin 1,2 Millionen nach Köln kommen – eine organisatorische Bewährungsprobe für die Stadt und eine würdige „Taufe“ für den gerade wenige Wochen im Petrusamt befindlichen Ratzinger, den man mit allem möglichen assoziiert, nur nicht mit „Jugend“. Umso überraschender, dass der zurückhaltende, konservative Gelehrte die Jugendlichen in Köln in seinen Bann zog und binnen weniger Tage zum Popstar einer Generation wurde. Wer dabei war, wird die Woche in der Rheinmetropole nicht mehr vergessen.</p>
<p>Der Papst auf Reisen</p>
<p>Johannes Paul galt als „Reise-Papst“, er hat auf 104 Reisen 127 Länder besucht. Benedikt ist in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender. Nach seinem Auftritt in Köln (August 2005) war er in Polen (Mai 2006), Spanien (Juli 2006), ein weiteres Mal in Deutschland, genauer: in Bayern (September 2006), in der Türkei (November 2006), in Brasilien (Mai 2007) und Österreich (September 2007); derzeit ist er in den USA. Von seinen Reisen gingen immer wieder Impulse aus und auch das, was er in der Ferne sagte, ließ aufhorchen. Von Regensburg war schon die Rede. Viele Feinde, die er sich mit dem Zitat eines scharfen Urteils des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos über den Islam als einer angeblich widervernünftigen Religion mit großer Gewaltbereitschaft gemacht hatte, versöhnte er einige Wochen später bei seinem Türkeiaufenthalt, wo er den Muslimen Respekt bezeugte. Dagegen löste er in Brasilien mit seiner positiven Deutung der Missionierung Lateinamerikas im 16. Jahrhundert eine Kontroverse aus. Vertreter der Indio-Nachfahren verwiesen darauf, dass die Christianisierung sehr wohl ein gewaltsames Aufzwingen einer fremden Kultur war, etwas, dass Benedikt mit Blick auf die universale Sehnsucht nach Erlösung durch Jesus und sein Evangelium verneint hatte, eine Position, der sich Lateinamerika-Kenner Mariano Delgado anschloss, während der Historiker Hans-Jürgen Prien offen von „Geschichtsklitterung“ sprach. Man kann Benedikt wohl nur dann folgen, wenn man es für richtig hält, eine theologisch-metaphysische Betrachtung zum Leitmotiv eines Urteils über historische Epochen zu erklären und dabei den Blick von den empirischen Befunden bewusst zu lösen, um ihn auf das soteriologische Ganze zu lenken. Das ist eine geschichtsphilosophische Frage, aber auch eine, die so eng mit Glaubenskonstituten („Erlösung“) verbunden ist, dass es keine klare Antwort gibt. Nur eines ist klar: Diplomatisch geschickt kann die Äußerung des Papstes wohl nicht genannt werden.</p>
<p>Der Papst und seine Kirche</p>
<p>Liturgisch gilt für den Papst: Keine Experimente! Benedikt bleibt der konservativen Linie aus seinem Werk „Der Geist der Liturgie. Eine Einführung“ treu. Die „Rolle rückwärts“ Richtung vorkonziliarem Ritus in der Eucharistiefeier („Tridentinische Messe“) wird unterdessen überschätzt, denn zum einen handelt es sich ausdrücklich um eine Sonderform, zum anderen hat der Vatikan betont, damit die Liturgiereform des Konzils nicht rückgängig machen zu wollen.</p>
<p>Unter Benedikt dürften theologische Debatten um das Zölibat und das Ordinariat der Frau theologische Debatten bleiben. In dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ (Februar 2007) wird die Bedeutung des Zölibats für die Radikalität eines christlichen Lebensstils, bei dem sich sakramentale Kompromisse (hier: Ehe und Priesterweihe) ausschließen, betont: „Es ist notwendig, den tiefen Sinn des priesterlichen Zölibats zu bekräftigen, der zu Recht als ein unschätzbarer Reichtum betrachtet wird. [...] In dieser Wahl des Priesters kommen nämlich in ganz eigener Weise seine Hingabe, die ihn Christus gleichgestaltet, und seine Selbstaufopferung ausschließlich für das Reich Gottes zum Ausdruck. [...] Deshalb reicht es nicht aus, den priesterlichen Zölibat unter rein funktionalen Gesichtspunkten zu verstehen. In Wirklichkeit stellt er eine besondere Angleichung an den Lebensstil Christi selbst dar.“ (Nr. 24).</p>
<p>Der Papst und die anderen christlichen Kirchen</p>
<p>Es wäre vermessen, von Benedikt Impulse für die Ökumene zu erwarten. Was er in diesem Punkt bislang geleistet hat, ist überschaubar und betrifft die weitere Einbeziehung der Orthodoxen in den ökumenischen Diskurs, die häufig vergessen werden, in Europa aber nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs zunehmend an Bedeutung gewinnen.</p>
<p>Für viele evangelische, aber auch katholische Christen hierzulande war die neuerliche Betonung des ausschließlich auf die römisch-katholische Kirche bezogenen Kirchenbegriffs des Vatikan eine bittere Enttäuschung. Man darf dabei aber zweierlei nicht vergessen: erstens, dass der Papst nur das wiederholt hat, was sowieso Stand der Dinge ist und zweitens, dass der Papst Oberhaupt der Weltkirche ist und – auch als Deutscher – auf deutsche Sonderbefindlichkeiten keine Rücksicht nehmen kann. Die „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ (Juni 2007) kamen wenige Wochen nach der Brasilienreise, wo Benedikt zur Kenntnis nehmen musste, in welch tiefer Krise die Kirche im größten lateinamerikanischen Land steckt, weil die Katholiken ihrer Kirche zunehmend den Rücken kehren und in den letzten Jahren vermehrt zu den eifrig werbenden evangelikalen Freikirchen gewechselt sind. Hier tut Abgrenzung Not. Nicht jeder, der kostenlos Milch und Müsliriegel verteilt und spirituelle Angebote unterbreitet, kann „Kirche“ sein – bei allem Respekt vor dem jeweiligen Bekenntnis. Der starre Kirchenbegriff des Vatikan (nur die römisch-katholische Kirche ist wahrhaft „Kirche“), den im Lande Luthers kaum jemand versteht, hat jedenfalls seine Vorgeschichte in der Auseinandersetzung des amerikanischen Klerus (die Hälfte der Katholiken lebt in Amerika) mit diesen neuen, dynamischen Strömungen des Proselytismus, die oft genug Anlass geben zu zweifeln, ob auch überall Kirchlichkeit drin ist, wo „Kirche“ drauf steht. Insoweit schafft die erwähnte Verlautbarung, so schmerzlich sie sein mag, vor allem eines: Klarheit.</p>
<p>Der Papst als Staatschef</p>
<p>Wie so ziemlich jedes andere Land hat auch der Vatikan seine Probleme mit China. Benedikts erklärtes Ziel ist es, die Beziehungen zur neuen Supermacht zu verbessern, um damit zu erreichen, dass den Katholiken im bevölkerungsreichsten Land der Erde die freie Religionsausübung gewährleistet wird. Bange Blicke gingen aber auch immer wieder Richtung Irak, wo die Christenverfolgung besonders dramatische Formen angenommen hat. Doch Benedikt scheut sich nicht, darauf hinzuweisen, dass auch in anderen Teilen der Welt Christen um ihres Glaubens willen verfolgt und ermordet werden – jährlich sind etwa 170.000 Todesopfer zu beklagen; rund 80% aller wegen ihrer Religion diskriminierten Menschen sind Christen. Der Papst macht, wie sein Vorgänger, immer wieder deutlich, dass Religionsfreiheit ein elementares Menschenrecht ist.</p>
<p>Der Papst und die post-säkulare Welt</p>
<p>Benedikt ist ein Papst, der wie kaum ein anderer vor ihm in der Lage ist, eine Brücke zwischen Religion und Gesellschaft, Glauben und Wissen, Kirche und Staat zu schlagen. Seine Diskussionen mit Jürgen Habermas und mit Paolo Flores d’Arcais zeigen die Bereitschaft und Fähigkeit des Papstes, am gemeinsamen Bau einer post-säkularen Gesellschaft intellektuell und spirituell mitzuwirken. Hier nähert er sich seinem theologischen Antipoden Hans Küng, der das Gespräch der Kirche mit Nichtreligiösen für ebenso wichtig hält wie den Trialog der monotheistischen Religionen. Es geht Benedikt (und wie sich immer wieder, zuletzt bei einem Vortrag in Münster, zeigt, auch Habermas) darum, das Phänomen der neuen Religiosität fruchtbar zu machen für Sozialbeziehungen, politische Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse sowie die Wirtschaft. Gerade der hat Benedikt mit der Enzyklika „Deus Caritas est“ (Januar 2006) erneut die katholische Soziallehre ins Stammbuch geschrieben, die heute, 160 Jahre nach Kettelers „Mainzer Manifest“ (1848), aktueller denn je erscheint, um nach den totalitären Staatsutopien des 20. Jahrhunderts eine neue Utopie zu verhindern, die nicht weniger totalitär ist: den freien Markt. Kritik des Liberalismus – man wünschte sich, die Union schaute in dieser Angelegenheit mal öfter gen Rom.</p>
<p>Benedikt übte ferner deutliche Kritik an dem auf Kultur und Geist übergreifenden Erklärungs- und Deutungsanspruch der Wissenschaft (Enzyklika „Spe salvi“, November 2007), er sucht aber zugleich den Dialog mit Wissenschaftlern, auch wenn nicht alle ihn anzunehmen bereit sind. So musste im Januar 2008 eine Rede Benedikts an der römischen Universität La Sapienza nach Protesten einiger Hochschulangehöriger abgesagt werden. Man kann nur hoffen, dass sich der Papst nicht entmutigen lässt und weiter versucht, Brücken zwischen Religion und Wissenschaft zu schlagen, um gemeinsam mit den Akademikern guten Willens die menschliche Vernunft auf die Wahrheit hin zu orientieren und mitzuhelfen, ein Klima in den Wissenschaften zu erzeugen, in dem soziale und ethische Folgen der Forschung stets mitbedacht werden.</p>
<p>Der Papst und die Heimat</p>
<p>Der Papst ist Deutscher, der Papst ist Bayer. Daraus macht er keinen Hehl, warum auch. Auch wenn die Hysterie einiger Medien Formen der Berichterstattung hervorbrachten, die gewöhnungsbedürftig sind und Ratzinger selbst wohl am wenigsten zugesagt haben dürften, gibt er der weitgehend entkirchlichten Heimat einige dringend benötigte spirituelle Impulse, auch wenn der ökumenische Dialog weniger Rückenwind erhält als zu wünschen wäre. Seine Besuchsreisen waren Medienereignisse und interessierten nicht nur das katholische Stammpublikum.</p>
<p>Vielleicht kommt der Papst ja im November 2009 nach Berlin, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Dann könnte das Kirchenoberhaupt versuchen, nach den katholischen Bayern und Rheinländern auch die protestantischen Preußen zu erobern. Einen prominenten Protestanten hat der Papst schon auf seiner Seite: Christoph Markschies, Kirchenhistoriker und Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Markschies hatte angesichts der La Sapienza-Affäre betont, an seiner Hochschule sei Benedikt im Falle eines Berlin-Besuchs jederzeit willkommen. Offenheit der akademischen Welt und Zeichen gelebter Ökumene – kein schlechter Lockruf aus einer Stadt, in der die Menschen wissen, wie lebensfeindlich Grenzen sind, die trennen, was zusammengehört.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
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