<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress.com" -->
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>badylak &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/badylak/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "badylak"</description>
	<pubDate>Mon, 13 Oct 2008 21:45:38 +0000</pubDate>

	<generator>http://wordpress.com/tags/</generator>
	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Wenn Wissenschaftsjournalismus einem den Finger zeigt]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=324</link>
<pubDate>Sat, 07 Jun 2008 12:15:24 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.de.wordpress.com/2008/06/07/wenn-wissenschaftsjournalismus-einem-den-finger-zeigt/</guid>
<description><![CDATA[So schlimm ist es allerdings nicht geworden, um das gleich vorweg zu schicken. Vor einem Monat hatte]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">So schlimm ist es allerdings nicht geworden, um das gleich vorweg zu schicken. Vor einem Monat hatte ich über ein glänzend gelungenes <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/05/05/schokolade-im-klimawandel-und-was-wissenschaftsjournalisten-mit-abgetrennten-fingern-machen/">Stück Wissenschafts-PR geschrieben</a>, das vor allem durch die englische Presse ging, da aber ziemlich lautstark: dem amerikanischen Mediziner Stephen Badylak sei es mittels eines aus Schweineblasen extrahierten Pulvers gelungen, einen abgetrennten Finger wieder vollständig nachwachsen zu lassen. Wie gesagt, eine schöne Werbung für die Forschung des Dr. Badylak, eine hübsche Meldung für die sie verbreitenden Medien und leider mal wieder ein ziemliches Versagen kritischer Kontrollinstanzen im Wissenschaftsjournalismus. Denn was letztendlich dran ist an der Geschichte, lässt sich so leicht nicht prüfen; aber es gibt einige Verdachtsmomente, dass gar nichts dran ist. Insbesondere handelte es sich keinesfalls um einen nachgewachsenen Finger, sondern höchstens um die Fingerkuppe, vielleicht auch nur die -spitze.</p>
<p style="text-align:justify;">Was ich damals nicht gesehen hatte, war eine schon am Tag zuvor erschienene Meldung bei <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/3/107292">Telepolis</a>: "Das Wunderpulver, das angeblich abgeschnittene Fingerspitzen nachwachsen lässt". In der zeigt Florian Rötzer, wie man aus der Geschichte einen vernünftigen Artikel machen kann, indem man sie skeptisch und mit Distanz betrachtet und durch die Meinungen anderer Wissenschaftler konterkariert. Und seine Leser geben ihm per Kommentarteil durchaus recht (<a href="http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Wunderpulver-Quatsch/forum-136566/msg-14830690/read/">hier</a> und <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-ACK/forum-136566/msg-14831346/read/">hier</a>). Von dem (vielleicht von manchen Redaktionen erwünschten) Sensationseffekt bleibt dann zwar nicht mehr viel übrig, dafür erhält der Leser die relevanten Informationen, die er vor allem braucht, sollte das Thema andernorts doch wieder zu einer möglichen Wunderheilungs-Geschichte hochgekocht werden. Präventiv Informationen liefern <em>gegen</em> möglichen Wissenschaftsjournalismus -- ob das von dessen Erfindern damals wohl so gedacht war?</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><!--more--></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Allein, es fanden sich auf deutscher Seite erst mal keine Abnehmer. So, wie es bei Telepolis (oder hier) stand, war es auch kaum eine Meldung, die die Relevanz- oder Sexyness-Kriterien herkömmlicher Medien erfüllen konnte. Skepsis, ob überhaupt ein Effekt da ist, macht halt die Nachricht weitgehend zunichte. Von daher ist es erst mal als gutes Zeichen zu verbuchen, dass die Geschichte in Deutschland weniger publiziert wurde. Keine Meldung ist, allem ökonomischen Beiwerk zum Trotz, für den Wissenschaftsjournalismus sicherlich besser als eine falsche. Wenn man denn noch weiß, was Wissenschaftssjournalismus eigentlich ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Aus reiner Nächstenliebe, nehme ich an, damit ich hier nicht ein Entschuldigungsstückchen schreiben müsse im Tenor: <em>Deutscher Wissenschaftsjournalismus -- Ich entschuldige mich</em>, erklärten sich dann doch noch drei Zeitungen bereit, das ganze zu veröffentlichen: das Hamburger Abendblatt und, wer hätt's gedacht, die WELT (inklusive Übernahme ins Berliner Schwesternblatt).</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Beim <a href="http://www.abendblatt.de/daten/2008/05/20/883002.html">Abendblatt</a> titelt <em>kan</em>, drei Wochen, nachdem die britischen Medien ihre Berichterstattung zum Teil schon wieder berichtigt hatten, "Finger wächst wieder nach", schreibt von einem "abgetrennten Finger", der "komplett nachgewachsen" sei und lässt Dr. Badylak seine Methode darstellen und ganz unwidersprochen Hoffnung verbreiten, dass man in zehn Jahren wesentlich weiter sei, ganze Extremitäten nachwachsen lassen zu können. Die einzige Verankerung in der Realität im Artikel besteht darin, dass <em>kan</em> es schafft, nebenher zu erwähnen, dass 1,2 Zentimeter des Fingers abgetrennt waren, was aber wohl nicht ausreicht, die Darstellung über abgetrennte Finger zu relativieren oder einer möglichen Skepsis irgendwie Ausdruck zu verleihen. Was bleibt, ist der Eindruck eines medizinischen Durchbruchs mit sensationellen Möglichkeiten und heute schon ganz spannenden Erfolgen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Dagegen ist die <a href="http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article2021956/Forscher_lassen_Fingerkuppe_nachwachsen.html">WELT-Berichterstattung</a> von <em>I. H.</em>, die neben WELT und WELT ONLINE auch gekürzt bei der Springer-Schwester <a href="http://www.morgenpost.de/content/2008/05/22/wissenschaft/963528.html?send=1">Berliner Morgenpost</a> erschienen ist, praktisch schon ausgewogen: "Forscher lassen Fingerkuppe nachwachsen". Die 1,2 Zentimeter, woher die Zahl auch kommen mag, finden sich schon im Teaser, was zumindest dem Eindruck, da hätte sich mirakulös ein ganzer Finger nachgebildet, nicht entstehen lässt. Es gibt auch keine expliziten Spekulationen über bald schon nachwachsende Extremitäten.</p>
<p style="text-align:justify;">Leider gibt es dennoch einiges auszusetzen an dem Artikel. Mysteriös wird durch den Patienten Lee Spievack über ein "geheimnisvolles" Pulver ausgeführt und wie sein Finger heute manchmal nach Schwein riecht. Alles vermutlich journalistische Tricks, um die Geschichte hübscher lesbar zu machen. Dabei wird aber versäumt, Kritikern denselben Raum einzuräumen. Dass es Kritik gibt, wird in zwei unglücklichen Sätzen abgehandelt:</p>
<p style="text-align:justify;">
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Das Ergebnis wird von einigen Seiten kritisch betrachtet. Kollegen    bemängeln, dass es keine Vergleichsstudien darüber gibt, inwieweit sich die    Fingerkuppe selbst regenerieren kann.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Das Ergebnis wird sogar von ziemlich vielen Seiten kritisch betrachtet, und dass es keine Vergleiche mit anderweitig abgetrennten Fingern gibt, wenn auch vielleicht nicht in Studienform, ist wohl kaum zu glauben. Die Kritik kommt ja eben von Ärzten, die andauernd mit solchen Fingerverletzungen zu tun haben und an der Heilung hier nichts besonders revolutionäres sehen. Was vielmehr bemängelt wird, ist, dass hier ein unkontrollierter Versuch, der durch keine medizinische Methodik abgesichert wurde, derart publiziert wird. Warum hier nicht wenigstens bei örtlichen Medizinern oder auch nur Ärzten nachgefragt wird, die Ergebnisse anhand der Fotos und ihrer Erfahrungen zu beurteilen, erschließt sich mir nicht. Zumal die Informationen, die Bewertungen anderer Mediziner, auch schon einfach im Netz zu finden sind.</p>
<p style="text-align:justify;">Ohne kritische Würdigung des Vorgefallenen wird eben auch ohne explizite Spekulation über bald mögliche Wunder ein ebensolcher Eindruck erweckt, wie man auch bei den WELT-Kommentaren nachlesen kann. Von fantastischer Botschaft ist da die Rede, "verkrüppelte Glieder einfach nachwachsen zu lassen". Und ein anderer deutet die so halbgar vorgetragene Kritik gar ganz anders: "Sowas macht anderen natürlich Angst: Angst den Anschluss zu verpassen, weil da etwas funktioniert, wovon man selbst noch keine Ahnung hat...." Dass der Artikel nichts von der eigentlich nötigen kritischen Würdigung enthält und darum falsch verstanden wird, zeigt vielleicht am traurigsten, dass er darauf auch noch auf einer Infoseiten über Querschnittslähmung auftaucht, <a href="http://www.startrampe.net/arge/ql/meldungen/~A1133/">startrampe.net</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Dagegen ist schon unerheblich, dass die WELT, ganz Springer, dass alles zeitlich als "kürzlich" einordnet; der Vorfall mit dem Finger passierte 2002. Vielleicht wäre in dem Zusammenhang auch interessant gewesen, warum das alles jetzt (noch mal) durch die Medien geht. Am 15. März diesen Jahres starb der Bruder von Lee Spievack: Dr. Alan Spievack, Gründer der Firma, die besagtes geheimnisvolles Pulver herstellt, und damit auch ehemaliger Chef von Badylak. Das nur mal so als Information. Möchte man wirklich Menschen Hoffnung auf nachheilende Glieder machen, indem man sich nur auf eine Quelle bezieht, die mit dem Erfinder verwandt ist und heute schreibt:</p>
<p style="text-align:justify;">
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">What he's done with my finger, he said it will be to this generation what antibiotics was to the last generation.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wär mir zuwenig. Aber der Artikel wird vielleicht so etwas hübscher.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schokolade im Klimawandel und was Wissenschaftsjournalisten mit abgetrennten Fingern machen]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=282</link>
<pubDate>Mon, 05 May 2008 12:12:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.de.wordpress.com/2008/05/05/schokolade-im-klimawandel-und-was-wissenschaftsjournalisten-mit-abgetrennten-fingern-machen/</guid>
<description><![CDATA[Mal wieder Zeit, ein wenig was zusammen zu tragen.
Wer sich schon immer gefragt hat, warum geschmolz]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Mal wieder Zeit, ein wenig was zusammen zu tragen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wer sich schon immer gefragt hat, warum <strong>geschmolzene Schokolade</strong> nach dem Wiederabkühlen nicht wieder wie astreine Schokolade aussieht, sondern wie eine eine <strong>krüppelig-weiche Pappe mit suspektem Belag</strong>, findet die Antwort bei <a href="http://cosmicvariance.com/2008/04/30/the-physics-of-chocolate/">Cosmic Variance</a>. In kurz: es liegt an den unterschiedlichen Kristallstrukturen, in denen die Fettsäure-Moleküle der Schokolade aushärten. Das klingt an sich eher wie eine Geschichte, auf der man an Familiengeburtstagen missliebige Verwandte ("Was macht eigentlich Deine Doktorarbeit?", "Kann man damit irgendwas werden?") verscheuchen will; aber wenn man das verstanden hat, kann man es auch umgehen und somit nach Belieben Eßbares wie Uneßbares mit einem dann auch wirklich nach Schokolade aussehenden Schokoladeüberzug versehen. Wer hätte gedacht, dass Festkörperphysik und -chemie auch mal was nützliches rausfinden?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Die nächste Runde Klimawandel-Skepsis kann heute schon wissenschaftlich vorausgesagt werden.</strong> Wie <a href="http://www.pro-physik.de/Phy/leadArticle.do?laid=10445">pro-physik</a> berichtet, zeigen neue Untersuchungen über die Auswirkungen von <strong>Meeresströmungen</strong> auf das Klima, das dem stetig nach oben weisenden Trend eine <strong>periodische Schwingung</strong> überlagert ist -- soll heißen: während es allgemein immer wärmer wird, gibt es auf diesem Niveau noch Schwankungen, so dass einige Jahrzehnte einen scheinbar besonders schnellen Temperaturanstieg aufweisen, andere einen nur sehr geringen. An der <strong>grundsätzlichen Tendenz nach oben</strong> würde das nichts ändern, aber da wir uns möglicherweise gerade auf dem Weg in ein Tal dieser periodischen Schwankung befinden, kann es sein, dass das Klima erst wieder in einigen Jahren deutlich wärmer wird. Man sollte sich also darauf einstellen, dass es für einige Zeit nicht nur an jedem Regentag heißt: "Klimawandel? Ich merk nix...", sondern auch vermehrt Leute Klimakurven in Kameras halten werden, um zu zeigen, dass da kaum noch was steigt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Als Ergänzung zum Dauerthema Frauendiskriminierung in der Wissenschaft</strong> stellt <em>DissBlogs</em> Mierk Schwabe auf den <em>wissenslogs</em> eine <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/zundspannung/der-kleine-unterschied/2008-05-03/publikationen-von-frauen-schlechter-behandelt">neue Untersuchung</a> vor. Vorherige Untersuchungen zeigten in der Tendenz eher, dass <strong>Publikationen von weiblichen Erstautoren</strong> einen besonders kritischen Begutachtungsprozess durchlaufen müssten. Das war Grund für einige Journale, ihr <strong>Begutachtungssystem doppelt anonymisiert</strong> durchzuführen, so dass die Begutachter nicht mehr über die Namen rausbekommen, ob die Veröffentlichung von einer Frau oder einem Mann geschrieben ist, oder gar noch nachgoogeln, wie diejenige denn wohl aussieht -- oder ihre Facebook-Seite. Als Ergebnis findet man nun, dass die Umstellung zumindest an der Zahl der von Frauen veröffentlichten Artikel nichts ändert: die Entwicklung geht stetig nach oben, aber nicht anders als vor der Umstellung. Das ist zwar nur ein kleines Indiz gegen Diskriminierung und widerlegt so auch noch nicht die vorherigen Studien, aber es zeigt zumindest, dass man mit einer zu plakativen Beschreibung des Problems dem nicht gerecht wird. <strong>Und für alle Nichtwissenschaftler noch die Erläuterung</strong>: Erstautoren sind diejenigen, die zumeist die Wissenschaft machen und die Veröffentlichung schreiben, Letztautoren sind die, die das Geld organisieren und verwalten und am Ende die wissenschaftlichen Preise bekommen, bevor sie dafür zum Max-Planck-Direktor gemacht werden.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Und, fast zum Ende, wieder Humor: <a href="http://flowstate.homestead.com/dictionary.html">Dr. Mezmers</a> Dictionary of Bad Psychology</strong> (<a href="http://scienceblogs.com/purepedantry/2008/04/funny_psychology_dictionary.php"><em>via</em></a>). Dieser Mann hasst so ziemlich alles, was an moderner Philosophie durch den Raum zieht: Evolutionspsychologie wie Mem-Theorie, Freud wie Selbsthilfe-Literatur und E. O. Wilson wie Daniel Dennett. Das hier zum Thema <strong>Sokrates</strong>:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><em>Ancient Greek philosopher who believed that self doubt is healthy, constant inquiry is the way to knowledge, that a life unquestioned is a life unlived, and was poisoned by his society for his troubles. Socrates' philosophy has been superceded by modern psychology, which believes that self confidence is healthy,  constant inquiry is paranoia, and a life without  too many questions fits the ideal world of 'Martha Stewart's Living', where the ivy is the only thing poisonous.</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Und das hier zum Thema <strong>Emotionale Intelligenz</strong>:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><em>A type of intelligence, common among angry housewives, who combine emotions and intelligence as they berate their unemotional and witless husbands for not listening, not taking out the garbage, etc. Emotional intelligence quotients of EQ's are also commonly handed out to ninnies who score low on IQ tests, thus making more than enough intelligence to go around.</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Einen <a href="http://mezmer.blogspot.com/">Blog dazu</a> gibt's auch.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Ein kleiner Test für den hiesigen Wissenschaftsjournalismus, und das noch ganz poppersch falsifizierbar:</strong> es gibt ja die gelegentlich von wem auch immer vertretene These, dass einige, einzelne Wissenschaftsjournalisten eher an einer guten Story als an einer die Story in Frage stellenden Recherche interessiert sind. Nun ging in Großbritannien gerade durch die entsprechenden Medien, dass es Wissenschaftlern gelungen sei, mittels revolutionärer Forschung einen <strong>abgetrennten Finger wieder nachwachsen</strong> zu lassen. Das wäre natürlich toll. Ich müsste mir um meine experimentelle Tapsigkeit weniger Sorgen machen und könnte hier noch titeln: <em>Gott heilt keine Amputierten? Wissenschaftler schon</em>. Win-Win.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Leider ist die Meldung eher Humbug</strong>, zumindest sehr, sehr zweifelhaft und so, wie sie zuerst durch die Medien ging, ganz einfach unkritischer Unfug. Ben Goldacre hat sich in zwei Posts mit der Sache befasst (bitte nicht beim Essen anklicken): <a href="http://www.badscience.net/?p=664">hier</a> und <a href="http://www.badscience.net/?p=669">hier</a>. Insbesondere beim letzten Bild im zweiten Beitrag kann man meiner Meinung nach schon erkennen, wieviel von dem Finger da wirklich abgetrennt war; dieser weiße Halbkreis sieht doch sehr nach den Narben aus, die ich auch überall an den Händen habe. [1] Und dann war das halt ein kleines Stück Fingerkuppe was ziemlich gut, aber auch nicht sensationell unerwartet gut verheilt ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Die britische Sensationsberichterstattung ist jetzt schon über eine halbe Woche alt und im deutschen Wissenschaftsjournalismus noch nicht aufgegriffen worden. Kann das sein? Es gibt einen älteren <a href="http://www.heise.de/tr/Das-Wunder-der-nachwachsenden-Gliedmassen--/artikel/81816/0/4">Heise-Artikel</a> über die dahinterstehenden Forschungen, aber das war's. Darum also mein Vorschlag: wenn das so bleibt, werde ich das im nächsten Wissenschafts-Überblick hier sehr loben und fast reumütig erwähnen. Wenn das nicht so bleibt, und die entsprechenden Artikel nicht kritisch auf die Zweifel an der Geschichte hinweisen, sondern die als mögliches Wunder oder direkt bevorstehenden Durchbruch darstellen, dann gibt's eben dazu einen Artikel. Das Ganze ist natürlich ein rein objektiver Test, um halbempirisch nachzuschauen, ob man die Verbreiterung solcher Meldungen sogar vorhersagen kann. Mithin angewandte Seuchen-Soziologie.</p>
<p style="text-align:justify;">Und damit die online recherchierenden Journalisten auch einen Weg haben, notfalls das hier zu finden, noch mal ein paar relevante Begriffe: <strong>Badylak, Lee Spievack, Schweineblasen-Extrakt, Extrazelluläre Matrix, Pixie dust.</strong> Viel Erfolg!</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Überall ist übertrieben. Und das lässt auch keinen Rückschluss auf meine Experimentiertapsigkeit zu. Im Dienst hab ich mir nur ganz reguläre, oberflächliche Erfrierungen an flüssigem Stickstoff zugezogen, oder wie wir bei uns sagen: <em>The White Batch of Honor</em>. Das gehört bei uns zu den Initiationsriten. Wirklich eklig sind großräumigere Erfrierungen an gerade noch flüssigem Helium. Man glaubt nicht, wie groß Brandblasen werden können.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
